Er möchte die JamSession als „festen Treffpunkt für Musik, Begegnung und kreativen Austausch“ erhalten, aber auch Neuerungen einführen.
MusikHeinz Peter Reykers übernimmt Leitung der JamSession im Bergheimer Kulturbahnhof

Heinz Peter Reykers hat die Leitung der JamSession Bergheim von Wolfgang Härtel übernommen.
Copyright: Michael Henke
„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Diese bekannte Weisheit Erich Kästners bewahrheitet sich immer wieder aufs Neue. Denn viele Initiativen leben vom ehrenamtlichen Engagement Einzelner und ihrer Fähigkeit, mit ihrer Begeisterung für eine Sache Mitstreiter zu finden. Das gilt auch für die „JamSession“ in Bergheim, die Wolfgang Härtel vor 18 Jahren in der Gaststätte „In der Loh“ in Thorr aus der Taufe gehoben hat. Damals habe es in Bergheim kaum Auftrittsmöglichkeiten für lokale Musiker gegeben, berichtet Heinz Peter Reykers.
Bergheim: Man weiß nie, was passiert
Er hat in diesem Jahr die Nachfolge Härtels angetreten hat, nachdem sich dieser mit 73 Jahren in den Ruhestand verabschiedet hat. Jeder Abend startet mit dem Eröffnungskonzert einer festen Formation. Im Anschluss geht das los, was die JamSession ausmacht: Schlagzeuger, Bassisten, Keyboarder und Gitarristen sprechen sich ab, vereinbaren etwa eine Tonart, ein paar bekannte Riffs, und entern die Bühne, um davon ausgehend gemeinsam zu improvisieren.
„Das macht den besonderen Reiz aus. Man weiß, nie was passiert, welche Verbindung sich zwischen den Musikern entwickelt, welche eigene Sprache sie beim Jammen finden“, erläutert Reykers. Keiner werde verurteilt, wenn er mal einen falschen Ton spiele. Verpönt sei dagegen, andere an die Wand zu spielen. Denn die JamSession soll allen Musikern offenstehen, egal welches Niveau sie auf ihrem Instrument erreicht haben.
Es herrscht richtige Partystimmung
So bilden sich auf der Bühne immer neue Formationen heraus, und der Abend kann lang werden. „Teilweise geht es bis ein Uhr nachts, und es herrscht richtige Partystimmung“, berichtet Reykers. Nach Stationen in der alten Tennishalle und der Kneipe „Op dr Eck“ in Thorr ist die JamSession seit 2019 im Kulturbahnhof Gleis 11 in Quadrath-Ichendorf zu Hause.
Dort steht den Musikern ein gutes technisches Equipment, eine auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbare, atmosphärisch tolle Location und eine professionelle Bühne zur Verfügung – eine Chance, sich auszuprobieren und einen Auftritt zur Eigenwerbung zu dokumentieren. Dennoch sind die Besucherzahlen durch Corona zurückgegangen: Statt durchschnittlich zwischen 80 bis 100 Besuchern kommen nur noch 40 bis 50; das Vor-Corona-Niveau wurde noch nicht wieder erreicht.
Jeder Abend ist einem musikalischen Genre gewidmet
Heinz Peter Reykers begleitet die JamSession seit zwölf Jahren. Der beim WDR tätige 63-jährige Diplom-Ingenieur kann auf eine über 30-jährige Karriere als Alleinunterhalter zurückblicken. Er steigt schon mal mit seinem Keyboard beim Jammen ein, wenn er nicht am Mischpult für den guten Sound sorgt. Er möchte die JamSession als „festen Treffpunkt für Musik, Begegnung und kreativen Austausch“ erhalten, dabei den Kern des Konzepts beibehalten, aber auch Neuerungen einführen.
So wird die JamSession zwar weiterhin jeden zweiten Freitag im Monat stattfinden, Ferienzeiten werden aber ausgenommen. Außerdem soll zukünftig jeder Abend einem musikalischen Genre gewidmet sein. Los geht es am 11. September mit einem Rock-Abend, der mit einem Konzert der „Tanja Meyer Band“ beginnt. Sie spielt „ehrlichen, handgemachten Deutsch-Rock mit eingängigen Melodien und ausdrucksstarken, selbst geschriebenen Songs“, wie es in der Ankündigung heißt.
Weiter wird es Themenabende zu Blues und Jazz geben, aber auch ein Abend für Musik in Kölscher Mundart außerhalb von Karnevalsmusik und eine Session mit elektronischer Musik schweben Reykers vor. Das neue Team besteht neben ihm selbst bisher nur aus Detlef Peters und Robin Gärtner, einem ehemaligen Bundesfreiwilligen im Gleis 11, der sich um das Licht kümmert.
Dazu kommen die Kulturkoordinatorinnen der Entwicklungsgesellschaft Bergheim, Nicole Gabor und Lisa Sinkel, die sich um die organisatorische Abwicklung und die Social-Media-Betreuung kümmern. Es werden daher weitere Mitstreiter gesucht: Nachwuchs, der Lust hat, sich mal an Licht, Ton oder als Stage-Hand auszuprobieren. Damit eine etablierte, mit viel Leidenschaft aufgebaute und nun fortgeführte Institution erhalten bleibt. Denn: „Es gibt nichts Gutes, …“
