Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Bergheim ist gestiegen. Die Stadt will die eigene Resilienz gegen Folgen des Klimawandels erhöhen.
HitzeschutzSo wirkt der Klimawandel bereits in Bergheim - und das plant die Stadt

Seit April hat Bergheim einen Klimaanpassungsmanager. Die Stadt erstellt ein Konzept, um resilient gegen die Auswirkungen des Wandels zu werden.
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Mit einem Anstieg der Temperaturen steigt auch die Häufigkeit von Hitzewellen, Trockenheit oder Starkregenereignissen. Neben dem Klimaschutz, dessen Kern die Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen ist, rückt somit auch das Feld der Klimaanpassung in den Fokus der Kommunen.
Dabei geht es darum, eine Stadt resilienter gegen Auswirkungen des Wandels zu machen, etwa in Bezug auf die Landwirtschaft, den Katastrophenschutz oder die Stadtentwicklung. Die Stadt Kerpen hat dazu kürzlich ein Konzept vorgestellt, das 22 Maßnahmen enthält. Damit ist Kerpen bereits einer Novelle des Klimaanpassungsgesetzes NRW voraus, die alle Kommunen dazu verpflichtet, ein solches Konzept bis 2029 aufzustellen.
Bergheim hat seit April mit Dominik Zell einen Klimaanpassungsmanager. An einem Konzept zur Anpassung an das Klima sind laut Zell nicht nur die Bergheimer Verwaltung und Politik beteiligt, sondern auch Vereine und Institutionen, etwa die Biologische Station Bonn Rhein-Erft, der BUND, die Landwirtschaftskammer oder die Ärztekammer.
Wie wirkt sich der Klimawandel bereits aus?
Laut Klimaatlas NRW, der auf Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) basiert, ist es in der Kreisstadt wärmer geworden. Betrachtet man Zeiträume von 30 Jahren, ist die durchschnittliche Jahrestemperatur von rund 9,45 °C (von 1881 bis 1910) auf 11,05 °C (von 1996 bis 2025) gestiegen, also um rund 1,6 Grad.
Die Tage, an denen eine Temperatur von 30 Grad oder mehr erreicht wird, haben sich fast verdoppelt - zwischen den Jahren 1961 bis 1990 waren es im Jahresdurchschnit 5,4 Tage, zwischen 1996 und 2025 waren es 10,2 Tage, so Zell.
Die Erwärmung habe Folgen für landwirtschaftliche Erträge oder das Starkregenrisiko, aber auch für die menschliche Gesundheit. Während der letzten Hitzewelle hat der Rettungsdienst beispielsweise einen starken Anstieg der Einsatzzahlen verzeichnet. Wärmere Winter gehen auch mit einer längeren Zeckensaison oder der Ausbreitung neuer Krankheitserreger einher.
Was hat die Bergheim bereits getan, um sich zu rüsten?
Bergheim hat schon Maßnahmen auf den Weg gebracht und Grundlagen geschaffen, wie Sensibilisierungsmaßnahmen zum Hitzeschutz, ein Starkregenkonzept und entsprechende Gefahrenkarten. „Für die Erstellung des Klimaanpassungskonzeptes ist es von Vorteil, dass wir diese Synergien nutzen können und auf bestehende Ansätze zurückgreifen können“, sagt Zell.
Um sich mit Klimaanpassung in Gewerbegebieten auseinanderzusetzen, ist auch eine Kooperation mit einschlägigen Akteuren aus Wissenschaft und Forschung geplant.
Was ist der aktuelle Stand zum Klimaanpassungskonzept?
„Wir sind jetzt in der Phase der Risikoanalyse“, sagt der Klimaanpassungsmanager. Hitzekarten zeigen beispielsweise eindrücklich, welche positive Auswirkungen Wälder und Grünflächen auf die Umgebungstemperaturen haben und wie die Wärmbelasttung in Siedlungsgebieten steigt.
„Wir wollen uns das in Form einer Stadtklimaanalyse genauer anschauen, um spezifische Hotspots zu identifizieren, in denen eine besondere Wärmebelastung herrscht, um Maßnahmen zielgerichtet priorisieren zu können.“ Bürgerinnen und Bürgern sollen hierbei weiterhin mitgenommen und beteiligt werden, um Orte zu erfassen, die besonders von Hitze betroffen sind.

Seit April 2026 arbeitet Dominik Zell als Klimaanpassungsmanager der Stadt Bergheim.
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Gemeinsam mit den Akteuren aus Politik und Gesellschaft sollen dann Maßnahmen herausgearbeitet werden, um Bergheim gegenüber Hitze, Trockenheit, Stürmen und Starkregen zu rüsten. Handlungsfelder sind städtische Gebäude, kritische Infrastrukturen, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Biodiversität, Katastrophenschutz, menschliche Gesundheit, Stadt- und Siedlungsentwicklung sowie die lokale Wirtschaft und der Tourismus.
„Die klassischen Maßnahmen sind Entsiegelung und Begrünung“, sagt Dominik Zell. „Es gibt aber auch Flächen, die aufgrund ihrer Nutzung nicht entsiegelt werden können.“ Hier könne man etwa durch Sprühnebelsysteme, Verschattung oder der Installation von Trinkwasserbrunnen nachhelfen, damit Menschen dort Zugang zu Wasser haben.
Was kostet das alles die Stadt?
Für das Projekt sind Mittel in Höhe von 259.000 Euro veranschlagt, wobei 80 Prozent der Kosten durch Fördermittel des Bundes gedeckt sind. „Wir streben an, dass das Konzept bis Mitte nächsten Jahres steht, damit wir auch die Folgeförderung beantragen können“, sagt Zell. So sollen auch die Umsetzung der Maßnahmen mit Bundesmitteln mitfinanziert werden, insofern die Bergheimer Politik das Projekt weiter positiv begleitet.
„Klimaanpassung wird uns in Zukunft viel Geld sparen“, sagt Zell und weist auf Produktivitätsverluste in der Wirtschaft oder Ernteausfälle in der Landwirtschaft aufgrund von Hitze und Dürren hin. „Wenn wir das jetzt nicht weiter vorantreiben und weiter in Klimaanpassung und auch Klimaschutz investieren, werden die Kosten in Zukunft weitaus höher ausfallen, als wenn wir jetzt proaktiv handeln.“
