Nassrullah Rahmatyan ist langjähriger Übungsleiter des TSV Glessen. Sein Lieblingsplatz ist die Sport- und Mehrzweckhalle in Glessen.
Lieblingsplatz in BergheimDie Sporthalle ist das zweite Zuhause von Nassrullah Rahmatyan

Nassrullah Rahmatyan an seinem Lieblingsplatz.
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In den Sommerferien wirkt der Lieblingsplatz von Nassrullah Rahmatyan wie ausgestorben: Die Sport- und Mehrzweckhalle an der Rochusschule in Glessen ist geschlossen. Die Stadt Bergheim führt in dieser Zeit anstehende Renovierungen durch. In der oberen Halle ist schon alles für die Einschulung aufgebaut.
Der langjährige Übungsleiter des TSV Glessen, selbst Sportlehrer an der Hauptschule in Horrem, kann es kaum erwarten, bis es endlich wieder losgeht und seine Kursteilnehmer – Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene – wieder in die beiden Hallen am Wierichskamp strömen.
Bergheim: SC Glessen warb ihn für seine erste Mannschaft an
Im Iran 1963 geboren, in Afghanistan aufgewachsen, kam Rahmatyan Mitte der 80er-Jahre nach Deutschland. Schon als Kind habe er davon geträumt, Fußballer zu werden, nach Deutschland zu kommen und Sport zu studieren. „Ich habe damals viele Berichte über Gerd Müller und Franz Beckenbauer im Radio gehört“, erzählt Rahmatyan, der als Achtklässler in der ersten Mannschaft von Herat kickte.
Die größte Hürde für ihn anfangs war es, Deutsch zu lernen. Im Fußball dagegen war der junge Lehramtsstudent an der Kölner Sporthochschule (Spoho) so gut, dass der SC Glessen auf ihn aufmerksam wurde und den talentierten Landesliga-Spieler für seine erste Mannschaft anwarb. Mit seiner späteren Frau Birgit Rüschstroer, die er an der Spoho kennengelernt hatte, zog er 1994 nach Glessen – ein Glücksfall auch für den TSV, der das Ehepaar seit mehr als 30 Jahren zu seinen aktiven Übungsleitern zählen darf.

Die Badminton-Gruppe beim Training in der Sporthalle.
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Neben Leichtathletik und Badminton leitete Rahmatyan zeitweise auch die Herzsportgruppe des Turn- und Sportvereins. Seine Frau brachte die fernöstliche Bewegungskunst Tai Chi Chuan und Qi Gong ins beschauliche Glessen und übernahm den Jazztanz.
Die Sporthalle ist mein zweites Zuhause geworden
Statt der großen Fußballkarriere war es das Leichtathletik-Training mit Kindern und Jugendlichen, das Rahmatyan in Deutschland ankommen und eine neue Heimat finden ließ. „Die Sporthalle ist mein zweites Zuhause geworden“, so Nassrullah „Nasser“ Rahmatyan, der laut Vereinschronik 2001 in Glessen schnell zum „meistbeschäftigten Übungsleiter“ aufstieg.
Sein Training brachte wieder Leben in die verwaiste Kinder-Leichtathletik-Abteilung. Von 1989 bis Mitte der 90er-Jahre war die Hochzeit der Sprinter, Springer und Werfer. Glessener Kinder führten die Bestenlisten bei den Kreismeisterschaften und überregionalen Wettkämpfen an. Das weckte Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen, die sich die jungen Talente einfach wegschnappten.
TSV Glessen will wegbringen von Handy und Spielkonsole
Leistungssport war jedoch nie das Ziel des TSV. „Die Kinder sollen bei uns einfach nur Spaß an Sport und Bewegung haben.“ Sie von Handy und Spielkonsole wegzubringen, den Kindern Teamgeist und andere grundlegende Fähigkeiten zu vermitteln, ist ihm eine Herzensangelegenheit. „Es hat mich immer erfüllt, zu sehen, wie schüchterne Kinder durch die Leichtathletik über sich hinauswachsen und ihre eigene Stärke entdecken.“
Zu sehen, wie kleine Spiele seine Schützlinge bei Laune halten, motiviert den Vater von zwei Töchtern jedes Mal neu. Trainiert wird im Sommer von Ostern bis zu den Herbstferien draußen auf dem Sportplatz mit Laufbahn und Sprunggrube, bei schlechtem Wetter und im Winter in der Halle, von der Rahmatyan mit seiner Familie im Übrigen nur rund 100 Meter entfernt wohnt.
Ein gebrochener Arm, eine Wiederbelebung in der Herzsportgruppe oder eine zu geringe Deckenhöhe, die einen regelkonformen Spielbetrieb beim Badminton unmöglich machen, können dem 62-Jährigen die Freude am gemeinsamen Training nicht nehmen. Wenn der Sport wegen Karneval oder anderen Veranstaltungen wieder einmal auszufallen droht, organisiert sich die Badminton-Gruppe auch schon mal ein Ausweichquartier: Hauptsache, der Ball bleibt im Spiel.
Mittlerweile trifft sich das Team dreimal pro Woche und schmettert die Bälle „just for fun“ (nur zum Spaß) übers Netz. Was Rahmatyan besonders schätzt, ist die tolle Gemeinschaft im Verein. Jung und Alt spielen ganz selbstverständlich zusammen. Inzwischen kommen auch einige Jugendliche regelmäßig zum Training und verstärken das etwas in die Jahre gekommene Kernteam. „Hier sind Freundschaften entstanden, wir sind zusammen älter geworden, wir kennen die Wehwehchen des anderen und motivieren uns gegenseitig.“
