Hohe Gebühren und keine Berücksichtigung gewünschter Bestattungsformen: Bergheim stellt die Friedhöfe auf den Prüfstand.
Zu hohe Gebühren, zu wenig AuswahlBergheim hat alle 14 Friedhöfe unter die Luppe genommen

Die Kreisstadt nimmt die 14 Friedhöfe auf dem Stadtgebiet unter die Lupe, so auch den in Bergheim.
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Der Abschied von einem geliebten Menschen ist eine sensible und persönliche Angelegenheit. Doch wie frei man eine Bestattung gestalten kann, hängt nicht zuletzt auch von kommunalen Regeln ab – und davon, was man sich finanziell leisten kann.
In der Kreisstadt macht man sich dazu Gedanken: Politik und Verwaltung haben alle 14 städtischen Friedhöfe besichtigt, die gemeinsam über 20 Hektar Fläche einnehmen. „Es ist nicht abstrakt geblieben, sondern hat auch zu konkreten Ideen geführt“, sagt Dezernentin Andrea Lehmann-Pedyna. Der Ausschuss für Feuerwehr, Ordnung und Rechnungsprüfung nimmt sich am Mittwoch, 17. Juni, des daraus entstandenen Friedhofskonzepts an.
Quer durch die Fraktionen ist zu hören, dass die Friedhofsgebühren zu hoch sind. „Es kann nicht sein, dass Menschen, die in Bergheim leben, sich am Ende ihres Lebens Gedanken darüber machen müssen, ob sie auch hier bestattet werden können“, sagt etwa Marc Bonaldo Fuolega, Fraktionsvorsitzender der SPD.
Bergheim: Zu hohe Gebühren, zu wenig Auswahl
Auch die Grünen mahnen an, dass eine Bestattung bezahlbar sein muss. Für die Ascheverstreuung müsse man etwa 258 Euro Bestattungsgebühren zahlen und 1184 Euro für die „Grabnutzung“, insgesamt also 1442 Euro. „Tatsächlich wurde vor Jahren vom Rat die Ascheverstreuung künstlich verteuert, um andere Beerdigungsformen zu subventionieren. Die Gebühren spiegeln also nicht die tatsächlichen Kosten wieder. Wir halten das für ungerecht“, so die Grünen in einer Mitteilung.
Helmut Paul (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Feuerwehr, Ordnung und Rechnungsprüfung, sieht die Kreisstadt auch in Konkurrenz zu anderen Kommunen: Es würden Leute abwandern, weil es in Bergheim nicht die gewünschte Bestattungsform gibt oder weil sie in den Nachbarkommunen preiswerter sei. Elisabeth Hülsewig (CDU) weiß zu berichten, dass sich deshalb viele Bergheimer in Brauweiler bestatten lassen.
„Man muss dabei auch bedenken, dass ein Friedhof einen hohen Fixkostenbeitrag hat“, sagt Nikolas Thörner (FDP). Lassen sich weniger Menschen auf einem Bergheimer Friedhof beerdigen, verteilen sich die Kosten auf weniger Gräber, so Thörner: „Die Menschen sollen diese letzte große Entscheidung des eigenen Lebens so frei wie möglich treffen. Die Gebührensituation in der Stadt Bergheim soll nicht der ausschlaggebende Punkt sein, warum man sich für die eine oder andere Sache entscheidet.“
So sollen die Friedhofsgebühren in Bergheim sinken
Eine Idee, um die Gebühren zu senken: Denkmäler, Ehrenfriedhöfe oder Grünflächen, die der Aufenthaltsqualität dienen, sollen aus den Gebühren herausgerechnet werden, erklärt Helmut Paul. Für Kosten, die nicht unmittelbar mit dem Bestattungsbetrieb zusammenhängen, sollen stattdessen Mittel im städtischen Haushalt eingeplant werden.

Eine Idee, um die Kosten zu senken: Denkmäler, wie hier am Friedhof in Glessen, von den Gebühren abzukoppeln.
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Auch sollen freie Flächen, die nach wie vor als Friedhofsflächen ausgewiesen sind, umgewidmet werden. Beispielsweise gebe es in Thorr eine Fläche neben der Trauerhalle, die kaum genutzt werde und für Parkraum in Frage komme, meint Helmut Paul. Andere Flächen könnten zu Biodiversitätsflächen umgewidmet werden. Die Aufenthaltsqualität soll höher werden.
Zukunftsweisende Entscheidung für die Friedhöfe in Bergheim geplant
Die Umgestaltung nicht genutzter Flächen helfe dem Gebührenzahler und der Natur, schreiben die Grünen in einer Mitteilung: „Friedhöfe werden so in ihren Erholungsfunktion und als Treffpunkt für Besucherinnen gestärkt“. Lob gibt es auch für die Idee, auf dem Waldfriedhof in Oberaußem einen Friedhain als Bestattungsmöglichkeit anzubieten.
Aus dem Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung geht auch hervor, dass die ökologische und klimaangepasste Entwicklung der Friedhöfe geplant ist, etwa durch klimaresiliente Bepflanzung und einem naturnahen Pflegekonzept.
Politisch scheint es also große Einigkeit darin zu geben, in welche Richtung sich die Friedhöfe in der Kreisstadt entwickeln sollen. Dabei betreffen die Entscheidungen nicht nur die nächsten Jahre, sondern würden teilweise erst langfristig zum Tragen kommen, wie Marc Bonaldo Fuolega erklärt: „Wir müssen da Entscheidungen fällen, die wirklich zukunftsweisend sind“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende.
