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Interview mit Marcus MöllerIn Bergheim teilen sich Weltstars und Schulbands eine Bühne

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Das Bild zeigt Marcus Möller in einem Saal des Medio.

Marcus Möller übernahm Anfang 2025 die Programmleitung des Medio Rhein Erft

Der Programmleiter des Medio Rhein Erft  erzählt, warum junge Musiker heute ihre Dozenten an die Wand, aber kein Blues spielen können.

Marcus Möller ist seit Anfang 2025 Programmleiter des Medio Rhein Erft in Bergheim. Er ist 50 Jahre alt und stammt aus Husum an der Nordseeküste. Er spielte Schlagzeug unter anderem im Landesjugendjazzorchester Schleswig-Holstein, studierte später in Arnheim (Niederlande) Musik und zog schließlich nach Köln. Dort trat er weiter als Musiker auf, begleitete als Schlagzeuger unter anderem Fernsehshows und zuletzt das Comedy-Musical Himmel und Kölle. Mittlerweile wohnt Möller seit 17 Jahren in Bergheim-Fliesteden. Er ist mit der Sängerin Inga Lühning verheiratet, die beiden haben zwei Kinder.

Marcus Möller, wie lief Ihr erstes Jahr als Programmleiter des Medio Rhein Erft?

Marcus Möller: Meine Zeit hier war bisher rundum positiv! Das Medio ist genau das, was ich gesucht habe: ein Ort, wo meine Erfahrungen als Musiker einen Wert darstellen. Ich war schon seit August 2024 hier, bevor ich Anfang 2025 die Programmleitung übernommen habe. So konnte ich erstmal reinkommen. Mein Vorgänger, Schobbe Vois, war immer mit Rat und Tat zur Stelle. Dazu kommt, dass unsere Veranstaltungen teilweise einen Vorlauf von anderthalb bis zwei Jahren haben. In meinem ersten Jahr habe ich also das abgearbeitet, was Schobbe noch gebucht hatte. Jetzt starten allmählich die Veranstaltungen, die ich organisiert habe.

Bergheim: Schobbe Vois bleibt die DNA des Medio Rhein Erft

Schobbe Vois war 20 Jahre lang Programmleiter des Medio. Wie kann man sich einen Wechsel nach so langer Zeit vorstellen?

Was Schobbe etabliert und reingebracht hat, ist quasi die DNA des Medio. Er war von Tag eins derjenige, der die Programmplanung hier gemacht hat. Natürlich habe ich mir über eingespielte Abläufe Gedanken gemacht - das sind normale Anpassungsprozesse, wenn man in ein neues Team kommt. Ich kann aber nicht sagen, dass ich der große Renovator bin, der aus Prinzip alles einreißt, nein: Was er gemacht hat, funktioniert super. Er hat zum Beispiel verschiedene Reihen ins Leben gerufen, unter anderem „Studio Rhein Erft“ oder die Blues Night, an denen ich mich jetzt gern weiter orientiere.

Das Bild zeigt Mike Dawes und Tommy Emmanuel. Beide spielen Gitarre. Der Hintergrund ist schwarz.

23.02.2025. Bergheim. Konzert Tommy Emmanuel. Die Zugabe spielten sie gemeinsam: Mike Dawes (l.) und Tommy Emmanuel

Im Medio treten Künstler von Weltformat auf, im letzten Jahr etwa die Gitarristen Mike Dawes und Tommy Emmanuel, aber auch Schulbands aus dem Kreisgebiet. Gehört das zur Identität des Hauses?

Auf jeden Fall. Es gehört zu unserem Konzept, dass wir hier Kultur für alle anbieten. Für das Medio und die Stadt Bergheim ist es natürlich tierisch, wenn Weltstars wie Tommy Emmanuel und Mike Dawes hier spielen. Letztes Jahr waren zum Beispiel auch die Jazzmusiker Randy Brecker und Billy Cobham bei uns, absolut legendäre Musiker mit Weltruf. Die BM Cultura erfüllt als Betreiber des Medio aber auch den Kulturauftrag der Stadt Bergheim. Dazu gehört, Kinder und Jugendliche zu fördern und aktiv auf sie zuzugehen. Ganz viele Leute aus Bergheim erzählen mir davon, dass sie früher mal im Medio einen Auftritt hatten. Das ist toll!

Medio Rhein Erft will mehr für ältere Gäste tun

Sie sind selbst von Haus aus studierter Schlagzeuger. Wann haben Sie damit angefangen?

Mein Vater war Tanzmusiker und hatte eine eigene Tanzband, so in der Art von „Fleisch ist mein Gemüse“, inklusive der Glitzerjacketts. Der Trommler aus seiner Band hat mich dazu inspiriert, Schlagzeug zu spielen. Mit acht oder neun Jahren hat mich mein Nachbar dann zu einer Probe der Feuerwehrkapelle mitgenommen und so hatte ich Zugang zu einer Trommel. Mein erstes Schlagzeug habe ich dann mit elf oder zwölf zu Weihnachten bekommen. Ich hatte aber vor meinem Studium nie Unterricht, sondern habe mir alles selbst beigebracht. Ich weiß noch, wie ich von einem Bekannten eine VHS-Kassette mit einem Konzert von Sting bekam: Ich habe so oft zu den Stellen zurückgespult, die ich lernen wollte, dass auf dem Bildschirm irgendwann nur noch krisseliger Schnee zu sehen war.

Was Schobbe etabliert und reingebracht hat, ist quasi die DNA des Medio. Er war von Tag eins derjenige, der die Programmplanung hier gemacht hat.
Marcus Möller, Programmleiter des Medio Rhein Erft, über seinen Vorgänger Schobbe Vois

Autodidakten haben es heutzutage sicher etwas leichter, Schlagzeug spielen zu lernen.

Oh ja! Es gibt heute sehr junge und technisch bereits unglaublich gute Gitarristen, Pianisten, Keyboarder und Bassisten. Aber meiner Meinung nach hat sich, was das technische Niveau angeht, in der Schlagzeug-Welt am meisten getan. Heutzutage kommt man mit Anleitung aus dem Netz und Youtube-Lektionen sehr weit. Es gibt Leute, die sich mit so viel Biss da reinknien, dass die zum Zeitpunkt, an dem sie an einer Hochschule die Aufnahmeprüfung machen, die Dozenten technisch an die Wand spielen. Dafür können sie aber oft keinen Blues mit einer Band spielen.

Warum?

Weil dafür etwas anderes unter den Tisch fällt. Man hat neben der Schule nur begrenzt Zeit, und wer seine 10 000 Stunden allein mit dem Instrument am Bildschirm verbracht und nicht mit der Schülerband im Probekeller bis spät in die Nacht gerockt hat, dem fehlt eventuell das Gefühl für Zusammenspiel. Da sperrt man die Ohren auf, kreiert etwas miteinander, im Idealfall für andere Leute. Es ist aber dennoch klasse, was es heute für Möglichkeiten gibt. Meine Kinder haben eine App auf dem Telefon, in der sie ein Lied hochladen und dann mit einem Mischpult den Gesang rausnehmen können, um zum Beispiel die Drums besser zu hören. Was hätte ich seinerzeit dafür gegeben!

Wohin geht die Reise mit dem Medio noch?

Wir sind gerade dabei zu überlegen, wie wir älteren Leuten noch mehr anbieten können, zum Beispiel mit Konzerten am Nachmittag, damit man nicht ganz so spät nach Hause kommt. Wir bewerben unsere Veranstaltungen auch anders: Aktuell ziehen wir uns etwas von der Plakatwerbung zurück und werden dafür online aktiver, sind bei Facebook und Instagram präsenter und glauben zu merken, dass das auch bereits Wirkung zeigt. Die Ticketverkäufe ziehen jedenfalls an, auch bei den Kulturveranstaltungen. Wie es aussieht, bekommen wir noch dieses Jahr eine neue Internetseite, die ein bisschen frischer ist. Man muss die Dinge aber nicht um der Sache willen neu erfinden. Mir geht es immer um Qualität, ich möchte weiterhin tolles, schönes, qualitativ hochwertiges, inspirierendes Kulturprogramm nach Bergheim bringen.

Drei Kulturtipps von Marcus Möller

27. Februar: Pasquale Aleardi & Die Phonauten. Im Ersten teil liest Pasquale Aleardi aus Arsène Lupin von Maurice Leblanc, die auch bei Netflix verfilmt wurde, im zweiten Teil gibt es Musik mit Spike und Mary (aka Jörg Hamers und Marc Leymann).

7. März: Marla Glen & Band. Aufgewachsen im südlichen Chicago, verliebte sich Marla Glen mit 5 Jahren in die Mundharmonika. Mittlerweile ist der Sänger seit 30 Jahren im Musikgeschäft und mit der markanten, rauen Stimme vielfältig unterwegs, ob im Rock, House, Blues, Jazz, Pop oder Gospel.

24. April: Musikalischer Live-Podcast mit dem Höhner-Sänger Henning Krautmacher und dem WDR 5-Moderator Ralph Erdenberger. Ebenfalls mit dabei: Der Kölner Pianist Andreas Schnermann, der mit Henning Krautmacher ein paar Stücke zum Besten geben wird.

Weitere Informationen auf der Website des Medio.