Irene Wendel kommt jede Woche in die Rochusschule in Glessen. Dort hilft sie Kindern dabei, ihre Lesefähigkeiten zu verbessern.
MentorenprogrammDiese gute Seele hilft Kindern in Bergheim beim Lesen

Lesementorin Irene Wendel hilft jede Woche einigen Kindern dabei, ihre Fähigkeiten zu verbessern.
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Im Lesewald der Rochusschule in Glessen hat sich der Junge ein Buch über Dinos ausgesucht. Aus der Filmreihe „Jurassic World“, Dokus oder anderen Büchern weiß der Achtjährige schon einiges über die Saurier zu berichten: Er kann etwa einen Brontosaurus von einem Brachiosaurus unterscheiden und kennt auch die Fachbegriffe für fleischfressende (carnivore) und pflanzenfressende (herbivore) Tiere.
Aber es gibt immer noch Neues zu lernen. Etwa, dass manche Dinos mehr wiegen als zwölf Elefanten, wie er aus seinem aktuellen Buch erfährt. Und für das Lernen gibt es kaum eine wichtigere Fähigkeit als das Lesen. Genau dabei unterstützt ihn einmal die Woche die Ehrenamtlerin Irene Wendel. Dazu kommt die 74-jährige Lesementorin in die Rochusschule, trifft eine Vorauswahl aus Büchern und hilft Kindern dabei, ihre Lesefähigkeit zu verbessern.
Lesementoren helfen Kindern in Eins-zu-Eins-Betreuung
Beim Besuch der Redaktion ging es etwa um Dinos, um Fossile, oder die Unterteilung in Trias-, Jura- und Kreidezeit. Der Junge fährt beim Lesen mit dem Finger die Zeilen des Buchs entlang. Wo er bei einem Wort hängen bleibt, hilft ihm Irene Wendel aus, sie lässt ihm aber auch nicht durchgehen, wenn ein paar Buchstaben beim Vorlesen auf der Strecke bleiben.
Seit zwei Jahren ist Irene Wendel Lesementorin. Die frühere Reitlehrerin erfuhr in den sozialen Medien vom Projekt und war schnell interessiert. „Mentor – Die Leselernhelfer“ begleitet Kinder von sechs bis 16 Jahren, immer in einer Eins-zu-Eins-Betreuung. Dafür arbeitet der Verein mit den Schulen zusammen. Die Lehrerinnen und Lehrer nennen Kinder, denen eine Förderung gut tun würde, und holen dafür auch die Zustimmung der Eltern ein.

Die Kinder bekommen eine Vorauswahl an Büchern und entscheiden selbst. Bücher über Dinosaurier sind hoch im Kurs.
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Vor ihrem Einsatz bekommen die Lesementoren eine Schulung. Die Lesementoren suchen sich dann altersgemäße Texte aus, berücksichtigen die Interessen der Kinder, sprechen mit ihnen über das Gelesene. Und auch Pausen gehören dazu: Irene Wendel etwa nimmt immer etwas mit, mit dem die Kinder dann beim Spielen auch ein bisschen Bewegung bekommen.
Mentorin fühlt sich auch bereichert
„Wenn die da sitzen und eine Zeit lang lernen müssen, dann braucht das Gehirn ja Abwechslung. Man kann ja nicht eine Dreiviertelstunde durchlesen“, sagt Irene Wendel. „Wir versuchen ja, eine gewisse Beziehung zu den Kindern aufzubauen, und das gelingt auch am besten über das Spielen, so dass sie nachher auch gerne lesen.“
Als Seniorin empfinde sie es als Bereicherung, so in den Kontakt mit Kindern zu bleiben. Eine der Schülerinnen hat sogar einen internationalen Hintergrund, sie stammt aus Südamerika. „Sie kann schon ganz gut lesen“, verrät Irene Wendel. „Aber wenn sie frei spricht, macht sie natürlich viele Grammatikfehler.“ Die beiden unterhalten sich deshalb auch viel, damit die Schülerin auch das freie Sprechen üben kann. „Und dann lerne ich auch noch was über andere Gepflogenheiten kennen“, sagt die Seniorin.
Und wer sich für Pferdebücher interessiert, kann mit Irene Wendel als ehemaliger Reitlehrerin auch richtige Fachgespräche führen. Oder eben über Dinosaurier. „Das ist schon toll zu sehen, was die alles wissen“, sagt die Lesementorin. Sie sei auch erstaunt, wie gewählt sich Kinder bereits ausdrücken, die in der Pause mal in die Schulbücherei kommen, etwa um ein Buch auszuleihen. „Ich bin wirklich überrascht, wie sich so ein Achtjähriger manchmal artikulieren kann. Der steht auch so vor dir, dass du denkst, du redest mit einem Erwachsenen.“
Lesementoren suchen Unterstützung
Dass die Hilfe beim Lesenlernen etwas bringt, daran zweifelt Irene Wendel nicht. In ihren zwei Jahren als Lesementorin habe sie erlebt, wie Kinder beim Vorlesen immer flüssiger werden und auch den Sinn der Texte besser verstehen. Auch Hans-Jürgen Knabben, der als Vorsitzender des EFI-Teams auch das Lesementorenprojekt betreut, ist voll überzeugt, dass die Kinder etwas davon haben. Aber nicht nur sie: „Der Mentor lebt ja auch auf. Der freut sich richtig.“ Von den etwa 70 bis 80 Leselernhelfern seien etwa zu 90 Prozent Senioren. „Das verbindet die Generationen“, sagt Knabben. Da viele der Mentoren, wenn sie einmal schon in der Schule sind, mehrere Kinder unterstützen, erreiche das Projekt um die 120 Kinder, schätzt Hans-Jürgen Knabben.
Die Leselernhelfer sind auch aktuell auf der Suche nach weiteren Mentoren und freuen sich über Ehrenamtler, die sich hier engagieren wollen. Interessenten können sich unter 0171 3357218 bei Hans-Jürgen Knabben melden. Weitere Infos hier.
