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„Die gute Seele“Gerd Wieland will mit seinem Ehrenamt Vorbild für die Bedburger sein

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Ein Mann sitzt auf einem Minitraktor auf einem Sportplatz.

Gerd Wieland verbringt zahllose Stunden auf dem Sportplatz in Kaster um kümmert sich um die Pflege des Kunstrasens oder kleinere Reparaturen. Mit dem kleinen Traktor bürstet er den Platz.

In unserer Serie „Die gute Seele“ stellen wir Gerd Wieland vor, der unzählige Stunden für den SC Borussia Kaster-Königshoven aufbringt.

Es gibt kaum einen Tag, an dem Gerd Wieland nicht hier ist, auf der Sportanlage an der Reiner-Zimmermann-Straße in Bedburg-Kaster. Hier trainieren und spielen die Teams vom SC Borussia Kaster-Königshoven (KaKö) und dem SV Kaster. Von Montag bis Samstag kümmert sich der 75-Jährige um die beiden Kunstrasenplätze und die Flächen rundherum oder ist als Torwart- und Fitnesstrainer am Start. Und sonntags? „Da spielt die Erste Mannschaft von Kaster-Königshoven“, sagt Gerd Wieland. „Da bin ich natürlich auch dabei.“

Wieland ist ein Urgestein im Bedburger Fußball, war Spieler und später vor allem Trainer bei zahlreichen Vereinen, darunter beim BBV, beim SC Kaster und Borussia Königshoven, die später fusionierten, und beim TSV Kaster. Aber das genügte ihm nicht. Als er 2004 bei RWE mit nur 54 Jahren in den Vorruhestand ging, setzte er seine freie Zeit von da an im Ehrenamt ein. 

Bedburg: Vorruheständler verlagerte seine Arbeit auf den Sportplatz

„Ich wollte nicht in den Ruhestand, aber der Druck war zu groß“, sagt Wieland, der im Kraftwerk Neurath in der Materialbeschaffung tätig war. Untätig sein wollte er aber auch nicht. „Das war gut für den Sprtverein. Meine Arbeit hat sich auf den Sportplatz verlagert.“

Für das Ehrenamt brachte Gerd Wieland die besten handwerklichen Voraussetzungen mit. Der gebürtige Epprather – das Dorf ist längst für die Braunkohle abgebaggert worden – hat zunächst eine Kfz-Mechaniker-Lehre gemacht und dann 25 Jahre im Panzerwerk in Quadrath-Ichendorf gearbeitet. „Ich hab mich auf den Bergepanzer spezialisiert“, sagt Wieland. Was an Reparaturen und Wartung anfiel, Wieland hat es übernommen.

Nach der Schließung des Panzerwerks im Jahr 1993 sei er zu RWE nach Neurath in die Logistik gewechselt – bis dann der Vorruhestand Wieland dazu zwang, sich neue Tätigkeitsfelder zu suchen. „Als Trainer war ich ja eh schon viel für den Verein tätig, und ich ahb auch schon hier und da kleinere Arbeiten gemacht“, sagt Wieland. Für ihn war klar, dass er sein handwerkliches Geschick noch deutlich mehr einbringen wollte.

Gelegenheiten dafür ergaben sich schon bald reichlich. Zusammen mit anderen Männern gründete Wieland die „Baugruppe“, der auch heute noch vier Leute angehören. Die Baugruppe packte über die Jahrzehnte zahlreiche Projekte an, darunter etwa den Bau der Epprather Alm, einer Hütte zwischen den beiden Sportplätzen. „Das ist eine verschworene Gruppe, die jeden Tag hier ist“, sagt Wieland. Sieben Mitglieder sind inzwischen jedoch verstorben.

Zu sehen ist Gerd Wieland in einer Werkstatt mit zahlreichen Werkzeugen.

In der Werkstatt auf der Sportanlage des SC Borussia Kaster-Königshoven und des SV Kaster hat Gerd Wieland alles, was er und seine Baugruppe für Reparaturen aller Art benötigen.

Die Männer richteten sich auf der Anlage eine Werkstatt als Zentrale ein,  kümmerten sich aber nicht nur um Bauvorhaben auf den Sportplätzen, sondern außerhalb., etwa um den Soldatenfriedhof in Kaster, woe sie Rollrasen, Rand- und Pflastersteine verlegten. „Wir haben die Gedenkstätte neu gestaltet“, sagt Wieland. Auf der Königshovener und Kasterer Höhe richteten sie Sitzgelegenheiten ein und gestalteten Aussichtspunkte.

Auch die Kapelle, neben der Sportanlage, die an den Ort Epprath erinnert, steht unter der Patenschaft der Baugruppe. Kerzen und Blumenschmuck werden regelmäßig erneuert. Wieland hat hier erst vor kurzem eine Stele mit einer Heiligenfigur aufgestellt. Auch andere Flächen, etwa rund um das große Umsiedlungsschild am Ortseingang, werden gepflegt.

Die ehrenamtliche Arbeit ist für Gerd Wieland wie ein Fitnessparcours

Die Hauptarbeit fällt aber auf der Sportanlage an. „Heckenschnitt, Kunstrasen mit dem kleinen Traktor abbürsten, Kippen einsammeln, den Elfmeterpunkt oder die Torlinie mit Sand auffüllen, damit keine Dellen entstehen“, zählt Wieland nur ein paar der Aufgaben an, die er übernimmt. Es gibt eigentlich immer was zu tun.

Wie viele Stunden er für das Ehrenamt einsetzt, kann Wieland gar nicht sagen. „Ich zähle nicht“, sagt der 75-Jährige. „Aber ich denke, es werden so 120 bis 130 in der Woche sein.“ Das ist ihm aber auch nicht wichtig. Wichtig sei eher, mit gutem Beispiel voranzugehen. „Bedburg ist eine Sportstadt, Verwaltung und Politik tun viel für uns, der Bauhof und der Technische Dienst sind immer für uns da“, sagt Wieland. „Da muss man einfach was zurückgeben. Wenn die Anlagen gepflegt werden, wird auch gern investiert.“ Von der Stadt gebe es ein „Pflegegeld“, etwa für Material- und Kraftstoffkosten.

Im Mittelpunkt stehen will Wieland mit seiner Arbeit nicht. Er zieht auch so genug Zufriedenheit aus dem Ehrenamt. „Es ist toll zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln, egak ob es die Mädchen vom SV Kaster sind oder die Jungen und Mädchen bei Kaster-Königshoven“, sagt Wieland. Und das Ehrenamt halte ihn fit. „Das ist wie ein Fitnessparcours“, sagt der Rentner. Er fahre ja auch nicht einfach mit dem kleinen Traktor über den Platz. „Ich steige etliche Male ab, um Kaugummis aufzusammeln. Die verkleben sonst die Halme.“