Auf einer Party fasste eine Gruppe aus dem Westen der Stadt einst den Entschluss, im Brühler Karnevalszug mitzugehen. Inzwischen sind die Gabjei-Tiroler dort nicht mehr wegzudenken.
Kostüme voller FantasieGabjei-Tiroler sind seit 55 Jahren bunter Teil des Brühler Karnevals

Als Blumenwiese wandelten die Gabjei-Tiroler im Jahr 2024 durch den Brühler Karneval.
Copyright: Kathrin Höhne
„Die Schminke ist das A und O“, erklärt Winfried Brück (79). „Und die Kostüme müssen immer wieder knallen“, findet Gavin Schlender (50). Die beiden Männer wissen nur zu gut, wovon sie reden. Denn sie gehören zu der Gruppe der Gabjei-Tiroler, die seit Jahrzehnten mit viel Engagement, Humor und vor allem Kreativität das närrische Treiben mitgestalten.
Ihre schillernden Kostüme genießen einen besonderen Ruf weit über die Stadtgrenze hinaus. Fans warten sehnsüchtig am Karnevalssonntag darauf, die Gabjei Tiroler im Närrischen Elias oder im Kinderzug in ihren neusten Kreationen zu entdecken. Sie entstehen in Handarbeit und Bastelmarathons. „Und wir entwerfen jedes Jahr ein neues Kostüm“, verkündet stolz Ursula Brück (72).
In diesem Jahr steht ein jeckes Jubiläum an
Nun feiern die Gabjei-Tiroler in 2026 das 55. Jahr ihres Bestehens. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Man darf auf das Kostüm sehr gespannt sein. „Es gibt auf jeden Fall wieder ein farbenfrohes Spektakel“, so Gavin Schlender. „Wir brauchen dafür Poolnudeln, viel Moosgummi und viel Glitzer. Die Perücke bleibt anspruchsvoll detailreich“, erzählt er, schmunzelt und verrät schließlich, dass die Gruppe diesmal auch noch einen Wagen baut, auf dem ein Ersatz-Dreigestirn das Volk erfreuen wird. „Da es ja in Brühl in dieser Session kein großes Dreigestirn gibt, wollen wir diese Lücke im Zug füllen“, führt er aus.
Alles zum Thema Kölner Dreigestirn
- „Fest in Gold“ Kölnerin gewinnt Nachwuchswettbewerb der Goldschmiede
- Jecker Check Diese drei erobern heute Abend Bergisch Gladbach
- Kinderdreigestirn proklamiert Prinz Ella regiert in Köln-Porz
- Gesundheitliche Sorgen WDR-Ikone Jean Pütz kann kaum noch sehen
- Bühnenprogramm am Alter Markt LVR vergibt Freikarten für Gehörlose an Weiberfastnacht
- Kostüme voller Fantasie Gabjei-Tiroler sind seit 55 Jahren bunter Teil des Brühler Karnevals
- Zülpicher Miljöhfest Die „Flauen Bunken“ hatten ausschließlich heimische Kräfte aufgeboten
„Die Wagenengel sind auch schon gefunden. Dann werden wir mit rund 40 Leuten unterwegs sein, im Kern ist die Gemeinschaft etwas kleiner.“ Geboren wurde die jecke Freundesgruppe, die sie so auch bleiben will, im Januar 1971. „Auf einer Karnevalsparty hat jemand gefragt, ob wir nicht im Zug mitgehen wollen“, erinnert sich Winfried Brück. „Sieben Leute, vier Männer und drei Frauen, haben ja gesagt, und dann sind wir als Hundefänger angetreten. Wir hatten Ringel-Shirts an und zogen kleine Holzdackel hinter uns her. Ein Freund, der war Metzger, der kam mit einem großen Knochen in der Hand“, blickt er zurück.
Es wurde ein Schild mit der Aufschrift „Gabjei-Tiroler“ gebastelt, abgeleitet von den Straße Zur Gabjei im Brühler Westen, wo die meisten Mitglieder wohnen. Im Jahr darauf kamen weitere Interessierte dazu und das Motto hieß 1972: „Wenns Arschl brummt“. Gebaut wurde ein Wagen mit zwei Toilettenhäuschen, in denen Knaller gezündet wurden. „Auf der einen Seite saß ich und auf der anderen war Helmut als Prinz Piss I.“, weiß noch Winfried Brück.

1971 gingen die Gabjei-Tiroler im Brühler Zug als Hundefänger mit.
Copyright: Gavin Schlender
So ging es dann munter weiter. Mal waren die Gabjei-Tiroler Sterne, Hamster, Elefanten im Nachthemd, Putzfrauen, Schmetterlinge, mal Hühner mit Mistwagen oder mal Kürbisse, Fritten oder Rennfahrer. In den jüngeren Jahren kamen sie unter anderem als wunderschöne Blumenwiese oder als prachtvolle Papageien daher und landeten damit auf den Titelseiten hiesiger Zeitungen. Der Spaß an fantasievollen Kostümen, auch damit verbunden, hier Zeit und Geld zu investieren sowie ein schönes Gemeinschaftsgefühl präge die Gruppe in dritter Generation bis heute, findet Daniela Schlender (46). „Unsere Kinder machen inzwischen auch mit.“

Im Jahr 2023 lautet das Motto der jecken Freundesgruppe aus dem Brühler Westen „Gabjei in Farbe“.
Copyright: Gavin Schlender
Wurde in den Anfangsjahren noch viel in Räumlichkeiten, die Bauern von Brühl bis Bornheim zur Verfügung stellten, gewerkelt, wird heute mehr in den heimischen Wohnzimmern genäht, gestanzt, geschnitten und gebastelt. „Eine gute Heißklebepistole hat jeder von uns“, weiß Gavin Schlender. „Meist setzen wir uns im September, Oktober zusammen, diskutieren mal hitziger, mal entspannter über die Ideen, am besten man stellt sie schon mit einem Prototypen oder einer Zeichnung vor, und dann wird abgestimmt“, beschreibt er das Prozedere bei den Tirolern.
Im Laufe der Zeit hat aber die Schminke einen hohen Stellenwert bekommen. „Es gibt drei vier Leute bei uns, die sehr gut die Gesichter schminken können“, berichtet Ursula Brück. „Daran erkennen uns die Leute am Straßenrand inzwischen“, so Gavin Schlender. „Der Lohn für alle Mühe ist dann, das Strahlen in den Gesichtern der Menschen zu sehen.“ Einen großen Wunsch hegt die Gruppe. Sie träumt davon, einmal im Kölner Rosenmontagszug dabei sein.

