Essig und Öl zum Abfüllen waren bislang der Renner im Geschäft von Michaela Rex in der Brühler Innenstadt – die Nachfolge ist noch unklar.
RäumungsverkaufGeschäft „Lebenslust“ in der Brühler Innenstadt schließt Ende April

Essig und Öl zum Abfüllen gehören zu den beliebtesten Produkten im Geschäft von Michaela Rex.
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An leeren Behältnissen, die sich für die Aufbewahrung von Essig und Öl eignen, hat die Kundin am Mittwochmorgen mitgebracht, was ihr Haushalt zu bieten hatte. „Ich habe gehört, dass sie aufhören, und da wollte ich mir noch einmal einen Vorrat anlegen. Es ist sehr schade, dass sie schließen“, sagt sie im Gespräch mit der Inhaberin des Geschäftes „Lebenslust“, Michaela Rex. Besonders vom Cranberry-Essig und dem Olivenöl mit Zitrone hätte sie gerne noch etwas mehr.
Aus bauchigen Glasbehältern in den Regalen ihres Ladens in der Brühler Innenstadt füllt Michaela Rex ihr die Flaschen gerne voll. Nur Rabatte, die sie im Zuge ihres Räumungsverkaufs für andere Produkte, insbesondere für die alkoholischen Getränke, gerne einräume, gebe es beim Verkauf von Essig und Öl nicht, erläutert Michaela Rex. Auf der Theke führt sie eine Liste von Kunden, die sie auch nach Geschäftsaufgabe mit den begehrten Essigsorten und Ölen versorgen möchte – den Artikeln, die am besten liefen.
Nach 23 Jahren und vier Geschäftsumzügen in der Innenstadt Brühls ist Schluss
Wie der Verkauf dann vonstatten gehen könne, wisse sie noch nicht genau: „Vielleicht von zu Hause aus“. Ende April möchte Michaela Rex ihr Geschäft schließen, Ende Mai laufe ihr Mietvertrag aus. Nach 23 Jahren und vier Geschäftsumzügen in der Innenstadt Brühls, zuletzt sechs Jahre in Brühls ältestem Baudenkmal von 1531, dem Haus zum Stern, wolle sie diesen Lebensabschnitt beenden und sich noch einmal verändern, sagt die 53-jährige Geschäftsfrau.
Sie führe den Laden alleine, und zusehends falle ihr auch die Schlepperei der Waren aus dem Sortiment schwer. Zu persönlichen Beweggründen für ihre Entscheidung komme noch der sich zusehends verschlechternde Umsatz. Insbesondere der Verkauf von Alkohol, Edelbränden wie „Alter Williams“, verschiedenen Gins und Likören sei zurückgegangen. Früher habe er die Hälfte ihres Umsatzes ausgemacht.
Bei der Feinkost, ausgesuchten Essigen, Speiseölen und Dingen, die das Leben schöner machten, entwickele sich die Gewinnmarge auch immer knapper. Steigende Speditionskosten führten zur Verteuerung der ohnehin höherpreisigen Lebensmittel im Laden. „Die Leute haben nichts mehr im Portemonnaie“, sagt Michaela Rex. Immerhin habe sie spätestens nach dem Post einer Kundin unter dem Titel „Lebenslust, letzter Akt“ auf Facebook einen „Run“ auf ihren Räumungsverkauf beobachten können. Da seien unter rund 300 Kommentaren, die ihren Einsatz zu schätzen wussten, nur zwei Nörgler zu finden gewesen.
Welches Geschäft danach im Haus zum Stern eröffne, darauf konnte die Maklerin Petra Zirwes keine abschließende Antwort geben. Der Eigentümer habe noch keine Entscheidung getroffen, sagte Petra Zirwes. Er denke in der Nachfolge sowohl an Filialen von Handelsketten für die Geschäftsräume, erwäge aber auch „interessante Konzepte“ von individuelleren Einzelhändlern im Stile des Geschäftes von Michaela Rex.

