Vorsitzender Richter riet dem Angeklagten die "weiße Flagge zu hissen"
Hotels und TankstelleProzess wegen drei Raubüberfällen in Brühl

Vor dem Landgericht muss sich ein 34-jähriger Mann wegen drei Überfällen aus Hotels und einer Tankstelle verantworten.
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Für drei Raubüberfälle auf zwei Hotels und eine Tankstelle in der Brühler Innenstadt im vergangenen Sommer muss sich jetzt ein 34-jähriger Mann vor dem Landgericht verantworten. Beim Prozessauftakt musste der Anklagepunkt des besonders schweren Raubes bei der ersten Tat am 25. Juni allerdings fallengelassen werden. Dass er ein Messer in seiner Sportjacke mit sich führte und danach griff, um seiner Geldforderung Nachdruck zu verleihen, ist lediglich die Vermutung der überfallenen Hotelmitarbeiterin, die meinte, eine solche Waffe habe sich unter der Kleidung des Räubers abgezeichnet.
Gesehen hat sie kein Messer, auch konnte kein gefährliches Tatwerkzeug auf den Bildern aus der Videoüberwachung identifiziert werden. Bleibt der Vorwurf von drei Raubdelikten mit einer Beute in Gesamthöhe von rund 3300 Euro. Derselbe Mann soll am 18. und am 29. August ein anderes Hotel und eine Tankstelle überfallen haben. „In allen drei Fällen stehen Sie unter dringlichem Tatverdacht“, gab der Vorsitzende Richter der 21. Großen Strafkammer, Alexander Fühling, zu bedenken.
Schadensbegrenzung durch Geständnis möglich
„Hissen Sie die weiße Flagge“, riet er dem Angeklagten. „Schadensbegrenzung“ sei durch ein Geständnis möglich, das sich strafmildernd auswirken könnte, so der Richter. Für alle drei Überfälle wählte der mutmaßliche Täter die frühen Morgenstunden. Die Servicekraft in dem Hotel an der Uhlstraße, die am ersten Verhandlungstag aussagte, ahnte nichts Böses, als um kurz nach 5 Uhr ein Mann auf sie zukam. Sie habe ihn für einen Gast gehalten, der früh Kaffee trinken wollte. Nur dass er eine Mütze trug, seinen Pullover über den Mund gezogen hatte und Handschuhe anhatte, habe sie stutzig gemacht. „Geld, bitte, schnell“, soll er verlangt und sie ins Mitarbeiterbüro gedrängt haben.
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Als er in die Jacke griff, habe sie Angst bekommen, er könnte bewaffnet sein, und deshalb widerstandslos den Tresor geöffnet. „Ich war so schockiert, dass ich zweimal den falschen Pin-Code eingab“, schilderte sie die Situation vor Gericht. Nachdem die Tür beim dritten Versuch aufgegangen war, griff der Mann in den Tresor, entnahm rund 580 Euro und machte sich aus dem Staub. Die Servicekraft blieb zwar körperlich unverletzt, fühlte sich an ihrem Arbeitsplatz in den folgenden Monaten aber derart unsicher, dass sie den Job kündigte.
In dem Hotel, das am 18. August überfallen wurde, und in der Tankstelle elf Tage später soll der Räuber gedroht haben, er würde alle „abknallen“, die sich ihm widersetzen. Weil die Geschädigten und Augenzeugen verhindert waren, musste die erhoffte Anhörung gestern auf spätere Termine verschoben werden. Der Prozess wird fortgesetzt, das Urteil soll Mitte April gesprochen werden.

