Das Klimabündnis Brühl machte auf die Belastungen durch das Feuerwerk des Phantasialands aufmerksam.
Kompromisse gefordertKlimabündnis Brühl zeigt Folgen des Feuerwerks im Phantasialand auf

Das Brühler Klimabündnis hatte eingeladen, um vor Ort auf die Auswirkungen des Feuerwerks am Phantasialand aufmerksam zu machen.
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Nein, das war am Sonntagabend kein verspätetes Silvesterfeuerwerk. Ein solches farbenfrohes Spektakel am Himmel bekommen die Bewohner in Brühl-Badorf derzeit fast jeden Tag zu sehen – im Rahmen des Wintertraums im Phantasialand, der am 15. November begonnen hat und am 25. Januar endet. Für viele Besucher des Freizeitparks gehört das abendliche Feuerwerk zu den Höhepunkten, für so manchen Anwohner ist es ein Ärgernis.
Für Sonntagabend hatte das Klimabündnis Brühl nach Badorf eingeladen, um auf die Lärm- und Feinstaubbelastung aufmerksam zu machen. Sprecher Stephan Stübner: „Wir wollen, dass es dem Phantasialand gut geht, dass es in Brühl bleibt.“ Das Klimabündnis wolle aber auch, dass es den Anwohnern gut gehe. Das Feuerwerk hält das Bündnis für aus der Zeit gefallen. Da gebe es heutzutage doch ganz andere Effekte – etwa mit Laser und Drohnen.
Brühlerin schlägt Drohnenshow statt Feuerwerkskörper vor
Susanne Schmitz aus Brühl, die zum Treffen gekommen war, findet sogar, dass eine moderne Drohnenshow eine richtige Attraktion sein könnte, ähnlich wie die Achterbahn. Einige Brühler, die zu dem Treffen gekommen waren, vermissen ein Entgegenkommen der Parkleitung. Ihnen fehle der Dialog – das gemeinsame Gespräch, um Kompromisse zu finden. Gerade in einer Zeit, wo längst bekannt sei, welche gesundheitlichen Auswirkungen eine Feinstaubbelastung haben könne, sei es doch um so wichtiger, mit den Betroffenen zu sprechen. Da könne man doch nicht einfach so über die Köpfe der Betroffenen hinweg entscheiden, meint Dieter Kortmann.
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„Ein Zeichen wäre auch schon, wenn der Parkbetreiber statt der alten Dieselbusse für den Transport der Gäste vom Bahnhof zum Park moderne klimafreundliche Busse einsetzen würde“, so Kortmann weiter. Einen Kompromiss sähe eine Anwohnerin auch darin, wenn das Feuerwerk nur drei oder viermal in der Woche gezündet würde. Auch sollte die Stadt Brühl aufgrund der Feinstaubbelastung noch einmal das Genehmigungsverfahren für die Feuerwerke überprüfen. Es gehe schließlich um die Gesundheit der Anwohner.
Sichtbar und spürbar ist das Leiden der Tiere. Kaum dass die erste Rakete gegen 19.45 Uhr in den Himmel fliegt, fangen Hunde an zu zittern oder ziehen bei der Abendrunde ängstlich in Richtung Heimat. „Unseren Hund kriegen wir in der Zeit des Feuerwerks zwischen 19.45 Uhr und 20 Uhr nicht vor die Tür“, merkte ein Anwohner an.
Eine Frau will wissen, dass ein Rehbock, der in einer Schonung in Badorf zu Hause zu sein schien, wieder verschwunden sei. Winfried Clever berichtete von seinen beiden Katzen, die während des Feuerwerks jeden Abend extrem unruhig seien. „Es stört mich auch, dass ich meinen Ofen wegen dem Feinstaub nicht mehr anfeuern darf, und hier aber jeden Abend Feinstaub in die Umluft geschleudert wird.“ „Wie groß die Feinstaubbelastung in den Wohngebieten ist, hängt auch von der jeweiligen Wetterlage ab“, erklärte Stübner.
Am Sonntagabend wehten die Rauchschwaden in Richtung Badorf und verteilten sich. Der Sprecher des Klimabündnisses hatte aber auch Bilder mitgebracht, die Badorf in dicke Nebel- und Rauchschwaden gehüllt zeigten. „So sieht es hier bei einer Inversionswetterlage aus“, erklärte er. Ein Anwohner erzählte auch, dass er vor über 30 Jahren ganz bewusst nah an den Freizeitpark gezogen sei. Das Parktreiben im Sommer habe ihn nie gestört. „Damals hat es ja noch keinen Wintertraum gegeben“, erklärte er.
In vergangenen Jahrzehnten schloss der Park Ende Oktober für mehrere Monate seine Pforten
Gut erinnert sich Erwin Krogoll an diese Zeiten, als der Park ab Ende Oktober bis zum Frühjahr geschlossen war. „Und während der Öffnungszeiten wurde der Park damals um 18 Uhr geschlossen – da war hier Ruhe“, erklärte er. Doch das ist vorbei. Kritisiert wurde auch, dass viele Freizeitpark-Besucher auf die freien Wanderparkplätze am Villewald und sogar in die Wohngebiete ausweichen, um sich so die Parkgebühren im Freizeitpark zu sparen. Anerkennend hob Stübner hervor, dass sich das Feuerwerk in den vergangenen Jahren schrittweise gewandelt habe, und auch einige Lasereffekte in das Spektakel eingebaut wurden.
„Das geht in die richtige Richtung“, merkte er an. Auf Anfrage berichtete Dr. Michael Müller, Vorsitzender der Umweltorganisation Bovivo, dass das Phantasialand bezüglich der Lautstärke des Feuerwerks in den vergangenen Jahren schon eine ganze Menge getan habe. Auf Anfrage bei der Pressestelle im Freizeitpark wurde zeitnah zum Thema keine Stellungnahme abgegeben.

