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Hornist blies zum EinsatzDie Feuerwehr Brühl wird 150 Jahre alt

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Das Bild zeigt die Vorführung eines ersten Atemschutzgerätes 1936, bei der Hunderte Menschen zuschauten.

Ein ganz großes Ding war die Vorführung 1936 des ersten Atemschutzgerätes. Hunderte Menschen schauten zu. (Repro)

Zum Jubiläum der Feuerwehr in der Schlossstadt findet im Mai ein großes Blaulichtfest statt. 

„150 Jahre Feuerwehr Brühl“ steht längst auf den meisten Ladeklappen der Feuerwehreinsatzfahrzeuge in der Stadt. Darunter ist sogar die Silhouette der Stadt Brühl zu sehen. Der Countdown zur großen Jubiläumsfeier läuft. Ganz Brühl darf im Mai mitfeiern, wenn die Feuerwehr 150 Jahre alt wird.

„Unsere Feuerwehr hier ist eine der ältesten im ganzen Rhein-Erft-Kreis“, weiß Patrick Berg. Zusammen mit seinen Feuerwehrkollegen Ralf Heckermann, Torben Junker, Viktoria Breuer, Jonas Zimmermann und Henning Münch hat er sich bei den Vorbereitungen auf das Jubiläum sehr intensiv mit der Geschichte der Brühler Wehr auseinandergesetzt. Dazu haben die Forscher viele Dokumente im Brühler Stadtarchiv gesichtet. Erstaunliche Einträge fanden sie auch in Wach- und Einsatzprotokollen der Feuerwehr.

Brühl: Gründung nach Brand der Stadtmühle am Silvesterabend 1874

Nachgewiesen ist, dass die Gründung der Feuerwehr wohl auf die desolaten Löscharbeiten beim Brand der Stadtmühle am Silvesterabend 1874 an der Mühlenstraße zurückzuführen ist. Völlig konzeptlos muss es damals an der Einsatzstelle zugegangen sein. „Da hat jeder gemacht, was er wollte“, berichtet Berg. Keine eineinhalb Jahre später, am 13. Mai 1876, hatte der damalige Bürgermeister 252 Männer zu einer Versammlung und zur Gründung der Feuerwehr eingeladen. „102 Männer sind direkt Mitglied bei der Feuerwehr geworden“, so Berg.

Der 34-Jährige ist Feuer und Flamme für die Wehr. Schon als Kind hat ihn sein Vater Peter Berg oft mit auf die Feuerwache genommen, bis er im Alter von zehn Jahren Mitglied in der Jugendgruppe werden konnte. Und wie schon sein Vater und Großvater wechselte auch Patrick Berg später zur Freiwilligen Feuerwehr und machte wie sein Vater sein Hobby zum Beruf.

Zwei Männer in Feuerwehruniform stehen vor einem Einsatzfahrzeug.

Vater und Sohn: Peter und Patrick Berg engagieren sich schon lange in der Feuerwehr und helfen auch beim Jubiläum kräftig mit.

Ihm und seinen Kollegen stehen heute modernste Rettungs- und Hilfsmittel für die Rettung von Menschen und die Brandbekämpfung zur Verfügung – Handwerkszeug, von dem ihre Vorgänger vor 150 Jahren noch nicht einmal träumen konnten. Sie liefen noch in einfachen Leinenkitteln zum Einsatz. Einsatzwerkzeuge waren Ledereimer und drei Wasserspritzen. „Zwei von ihnen waren noch aus der Zeit von Clemens August und standen im Schloss“, weiß Berg.

Löschwasser wurde in großen Holzfässern mit Handkarren zur Einsatzstelle gefahren

In großen Holzfässern sei das Löschwasser aus den Brühler Bächen mit Handkarren zur Einsatzstelle gefahren worden. Erste Hydranten gab es in der Brühler Innenstadt mit der Verlegung der Wasserleitungen 1894. Zum Einsatz blies ein Hornist – in feiner Uniform und mit Pickelhaube. „Hier in Brühl hatten wir sogar eine Feuerwehrkapelle und einen Feuerwehr-Spielmannszug“, berichtet Berg.

Ein Hornist bläst in ein Horn zum Einsatz.

Hornist Arnold Hutmacher blies 1908 mit dem Horn zum Einsatz. (Repro)

„Und mit Whisky, Zigarren und Tanz feierte die Feuerwehr jedes Jahr auch den Geburtstag des Kaisers.“ Die Brühler Feuerwehr war bereits 25 Jahre alt, als um 1900 auch in Schwadorf, Badorf, Vochem und Berzdorf – das früher noch zu Brühl gehörte – freiwillige Feuerwehren gegründet wurden. Aufgrund einer Streitigkeit zwischen Badorf und Pingsdorf kam es 1927 zur Gründung des Löschzuges Badorf/Eckdorf.

1930 erhielt die Feuerwehr Brühl ihr erstes motorisiertes Einsatzfahrzeug

Ganze Bücher könnten Patrick Berg und sein Team mit Geschichten über ihre Feuerwehr füllen. Dabei sind es nicht nur die schrecklichen Einsätze und schlimmen Katastrophen, die ihnen bei ihren Recherchen aufgefallen sind. Nicht vergessen werden sollte auch die Geschichte der „Weckerleine“. Um die Feuerwehrleute zeitnah und schnell zu alarmieren, seien 1934 alle Wohnhäuser, in denen Feuerwehrleute wohnten, mit einem Draht und einer Glocke verbunden worden.

Im Ernstfall musste einfach nur an der Leine gezogen werden – drinnen läutete das Glöckchen, und der Feuerwehrmann wusste, dass Eile geboten war. Das klappte meistens, aber nicht immer. Denn aus den Aufzeichnungen geht auch hervor, dass sich die Frau eines Feuerwehrmannes derartig von dem Gebimmel genervt gefühlt hatte, dass sie ein Handtuch in das Glöckchen stopfte, so dass der Feuerwehrmann das Läuten einfach nicht hören konnte und so seinen Einsatz verschlief.

Beachtenswert findet das Team auch, dass es in Badorf bereits 1930 eine Sanitätsgruppe gegeben hat. Der erste Krankenwagen sei 1939 in Brühl gefahren. 1930 erhielt die Feuerwehr Brühl auch ihr erstes motorisiertes Einsatzfahrzeug. Sechs Jahre später, 1936, kam das erste Atemschutzgerät zum Einsatz. 31 Jahre später, 1967, wurde die Jugendfeuerwehr in Brühl gegründet. 2019 folgte die Kinderfeuerwehr.

Natürlich hat sich die Arbeit der Feuerwehr in den zurückliegenden 150 Jahren geändert – ebenso die Arbeitskleidung und das Handwerkszeug der Einsatzkräfte. Unverändert ist jedoch der Idealismus der Feuerwehrleute die damals und heute anderen Menschen in der Not zur Hilfe eilen – um zu schützen, zu retten und zu bergen.

Im April wird die Festschrift zum Jubiläum der Feuerwehr Brühl vorgestellt. Die Geburtstagsfesttage beginnen mit der Eröffnung einer Ausstellung am 6. Mai im Rathaus. Die 149. Jahreshauptversammlung findet am 13. Mai statt, genau 150 Jahre nach der Gründungsversammlung, mit anschließendem Festakt. Alle Brühler Bürger sind am 16. Mai eingeladen, wenn die Feuerwehr in der Innenstadt auf dem Markt beim großen Baulichtfest mit Musik und Showübungen ihren runden Geburtstag feiert.


Katastrophen in Brühl

1874 – Vollbrand Mühle, 1913 – Vollbrand Wagenfabrik, 1932 – Vollbrand Hotel Belvedere, 1933 – Vollbrand Waggons Verkehrsmittel AG, 1942 und 1944 – schwerste Bombenangriffe in Brühl, 1961 – Absturz Düsenjäger in Berzdorf, 1970 – Gasexplosion Wohnhaus in Badorf, 1982 – Vollbrand Schlafwagen Tauern-Express, 1987 – Großbrand Keller Wetterstein, 1991 – Großbrand Tennishalle Badorf, 1996 – Brand Coloradobahn Phantasialand, 2000 – Zugunglück Brühl, 2010 – Hausexplosion Pingsdorfer Straße. (mkl)