Die neue schwarz-rote Mehrheit will Planungen für den Ausbau des Freizeitparks wieder aufnehmen. Dagegen regt sich Widerstand.
Ratsmehrheit stehtNetzwerk kündigt Bürgerbegehren gegen Phantasialand-Erweiterung an

Das Naturschutzgebiet Ententeich könnte für den Ausbau des Phantasialands geopfert werden.
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Das Netzwerk Naturschutzgebiet (NSG) Ententeich kündigt ein Bürgerbegehren gegen die geplante Erweiterung des Phantasialands in der Schlossstadt an. Brühl steuere auf eine Grundsatzentscheidung zu: Wollen die Bürgerinnen und Bürger ein Naturschutzgebiet erhalten oder den Ausbau des Freizeitparks ermöglichen? Mit weiteren Details will das Netzwerk am Dienstag kommender Woche (19. Mai) an die Öffentlichkeit gehen.
Tags zuvor, am 18. Mai, steht in der Ratssitzung der Beschluss zur Einleitung des Bauleitverfahrens für eine Erweiterung des Phantasialands im Naturschutzgebiet Ententeich auf der Tagesordnung. Vor der Sitzung im Brühler Rathaus an der Uhlstraße dürfte es laut werden: Das Netzwerk ruft zu einer Demonstration unter dem Titel „Ville schützen – Phantasialand-Erweiterung ins Naturschutzgebiet stoppen“ auf. Bei dem Netzwerk handelt sich um einen Zusammenschluss von Umweltschutzorganisationen, Initiativen und Teilen der lokalen Politik.
Um 17 Uhr, also eine Stunde vor der Sitzung des Stadtrats, will man zusammenkommen, um gegen den Ausbau des Freizeitparks auf Kosten des teils unter Naturschutz stehenden Areals rund um den sogenannten Ententeich zu protestieren. Und auch den Ratsleuten wolle man nochmals die Bedeutung ihres Votums klarmachen, betont Christine Hölzmann, Koordinatorin des Netzwerks und Grünen-Politikerin.
Brühl: Erweiterungsfläche misst rund 15 Hektar
Anlass ist der Antrag des neuen schwarz-roten Mehrheitsbündnisses, die Verwaltung damit zu beauftragen, die bis Herbst 2025 vom rot-grünen Vorgängerbündnis auf Eis gelegten Planungen für die Erweiterung des Phantasialandes wieder aufzunehmen – unter Bewahrung der Kleingartenanlage im Osten des Parks. Auf der Tagesordnung stehen Aufstellungsbeschlüsse zur Änderung des Flächennutzungsplans und zur Erarbeitung eines Bebauungsplans für ein rund 15 Hektar großes Areal zwischen Berggeiststraße, Phantasialandstraße (L 194) und Autobahn 553.

Die schwarz-roten Koalitionäre in Brühl (v.l.): Bernhard Schumacher (SPD), Holger Köllejan (CDU), Karim Hayit (SPD) und André Hess (CDU).
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„Schwarz-Rot tut so, als ginge es um eine Prüfung, ob erweitert werden darf. Wenn der Antrag eine Mehrheit findet, geht es in Wahrheit aber eher darum, wie eine Erweiterung erfolgen kann. Denn derartige Verfahren enden selten mit einem grundsätzlichen Aus des Vorhabens“, so Hölzmann. Man wolle die ankommenden Ratsmitglieder „begrüßen und deutlich machen: Der Schutz der Ville und des Naturschutzgebiets Ententeich darf nicht hinter den Interessen eines privaten Großprojekts zurückstehen“.
Robert Saß, Ratsherr der Grünen, muss davon nicht überzeugt werden. Seine Partei gehört wie auch die Linke dem Netzwerk an: „Ich würde dem Phantasialand eine Erweiterung gönnen, wenn es räumliche Alternativen gäbe. Die gibt es aber nicht und eine Erweiterung in ein Naturschutzgebiet hinein, halten wir für grundfalsch.“ Er geht trotz des Protestes davon aus, dass CDU und SPD grünes Licht für das Bauleitverfahren geben. Daher ist das Minimalziel, dass ein sogenannter vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt wird. CDU (19) und SPD (11) haben eine komfortable Mehrheit im 52-köpfigen Stadtrat.
„Dann muss das Phantasialand zumindest erklären, was ganz konkret, in welchem zeitlichen Rahmen gebaut werden soll“, so Saß, doch er hat Zweifel, obwohl dieses Detail im schwarz-roten Koalitionsvertrag erwähnt wird. „In der Verwaltungsvorlage taucht dieser Zusatz seltsamerweise nicht mehr auf. Offenbar will man dem Phantasialand mehr Flexibilität einräumen“, vermutet der Grünen-Politiker.
Dem widerspricht Holger Köllejan, CDU-Fraktionschef, energisch: „Es wird definitiv ein vorhabenbezogener Bebauungsplan. Alles wird genauso umgesetzt, wie es im Koalitionsvertrag steht.“ Das Phantasialand müsse also im Rahmen des Verfahrens festzurren, ob etwa Hotel, Aquapark oder Achterbahnen errichtet werden sollen. Nur so könne man überprüfen, welche Auswirkungen es auf die Gefährdung bei Starkregenereignissen, die Verkehrssituation und damit die Anwohner gebe. „Für uns steht fest, es dürfen keine Menschenleben gefährdet werden. Und klar ist auch, Taktgeber sind wir, also die Politik und niemand anderes“, so Köllejan.
Nabu lehnt Ausbau des Freizeitparks in Brühl strikt ab
Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan wäre für Dr. Bernhard Arnold, Stellvertretender Vorsitzender des Nabu Rhein-Erft, ein wichtiger Schritt. Zwar lehnt der Nabu eine Erweiterung grundsätzlich ab, doch dann erfahre man wenigstens, was das Phantasialand genau vorhat.

Robert Saß (l.), hier mit Simone Holderried und Elisabeth Kühl, kritisiert das Vorgaben von Schwarz-Rot.
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Offenheit würde er sich auch in einem weiteren Punkt wünschen: nämlich wenn es um die zusätzlichen Steuereinnahmen durch eine Erweiterung gehe. Die Gewerbesteuer-Einnahmen würden von Befürwortern immer wieder als Plus für die Allgemeinheit angeführt. „Dieses Pferd wird gerne geritten, aber es gibt keine Daten dazu. Das Phantasialand müsste mal sagen, was in die Waagschale kommt“, sagt er. Schließlich stünden auf der anderen Seite Nachteile für Arten- und Klimaschutz, Überflutungsgefahren und eine wachsende Verkehrsbelastung.
Ralf-Richard Kenter, Beauftragter der Geschäftsführung des Phantasialands, hatte in einem Interview mit dieser Redaktion verdeutlicht, dass der Freizeitpark wachsen müsse. „Zur nachhaltigen Standortsicherung müssen wir die Jahresbesucherzahl steigern und den Anteil der Übernachtungsgäste auf etwa ein Viertel erhöhen. Dies erfordert zusätzliche, speziell auf die längere Aufenthaltsdauer ausgerichtete Angebote – und zu deren Errichtung braucht es die Erweiterungsfläche.“ Geplant ist, ein Aquapark-Hotelresort sowie eine Theater- und Konzerthalle auf dem Erweiterungsareal zu errichten.
Netzwerk-Koordinatorin bringt Bürgerbegehren ins Gespräch
Unabhängig vom Votum des Stadtrats dürfte eine Erweiterung noch einige Zeit in Anspruch nehmen und damit auch die vom Park angekündigte Schaffung von mehr als 800 zusätzlichen Jobs. Saß sagt, es werden mehrere Jahre bis zum Abschluss des Bebauungsplan-Verfahrens mit seinen vielen Prüfungen und Gutachten vergehen. Und dann seien Klagen wahrscheinlich. Die Grünen sieht er vor Gericht eher nicht am Zug, sondern vielmehr Naturschutz-Organisationen.
