Zum 16. Mal hatte die Bürgergemeinschaft 1949 Brühl-Vochem zum Oldtimertreffen im Rahmen des Stadtteilfests eingeladen.
Trabbi in „Lamborghini-Gelb“Oldtimer-Fans kamen beim Stadtteilfest in Brühl auf ihre Kosten

Stolz auf seinen schicken cremefarbenen Mercedes-Coupé ist der frühere Hochschullehrer Thomas Beck.
Copyright: Jan-Oliver Nickel
Wer am Sonntag durch den Brühler Stadtteil Vochem lief, konnte den Eindruck gewinnen, einige Jahrzehnte in der Zeit zurückgereist zu sein. So fuhren gegen 10 Uhr plötzlich ein Trabant in „Lamborghini-Gelb“, ein DeSoto Fireflite mit Baujahr 1955 und ein 1964er Mercedes-Benz 220 SEB Coupé auf den Thüringer Platz ein.
Zum 16. Mal hatte die Bürgergemeinschaft 1949 Brühl-Vochem zum Oldtimertreffen im Rahmen des Stadtteilfests eingeladen, und dem Ruf folgten trotz anhaltendem Dauerregen dutzende Autoliebhaber aus der ganzen Bundesrepublik. Dass Oldtimer keineswegs immer nur zu sonnigen Sonntagsfahrten ausgeführt werden müssen, zeigt der Trabant 601 von Tony Eisermann.
Brühl: Nach der Wende zum Cabriolet umgebauter „Trabbi“ als Alltagsfahrzeug
Seinen nach der Wende zum Cabriolet umgebauten „Trabbi“ benutzt er nämlich als Alltagsfahrzeug. „Ich fahre jeden Tag meine 70 Kilometer zur Arbeit. Parkplätze finden ist damit Gott sei Dank viel leichter als bei manch anderem großen Fahrzeug“, sagt Eisermann. Das Cabriolet habe er vor einigen Jahren für 500 Schweizer Franken von seiner Nachbarin übernommen und den Kauf nie bereut.
Einerseits sei zwar sein Cabrio-Dach bei Regen nicht ganz wasserdicht, andererseits lasse sich der Trabbi noch problemlos in Eigenregie reparieren. Und wenn der DDR-Klassiker abseits der heimischen Werkstatt einmal liegenbleibe, sei Hilfe meist nicht weit entfernt.

Tony Eisermann hat seinen Trabbi von einer Nachbarin gekauft und fährt seither täglich damit 70 Kilometer zur Arbeit.
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„Ich bin mit meinem anderen Trabant einmal liegengeblieben in Ostwestfalen und kannte dort niemanden. Dann habe ich in irgendeine Gruppe reingeschrieben und nach zehn Minuten standen da sieben Trabbis. Wir haben den Motor ausgebaut, die Kupplung gewechselt und alles zusammengebaut“, erinnert sich Eisermann. Nach kaum drei Stunden habe er so seine Fahrt nach Köln fortsetzen können.
Einige Plätze weiter parkt Thomas Beck mit seinem 1964er Mercedes-Benz-Coupé. Der Wagen wirkt mit seiner cremeweißen Lackierung und dem roten Leder im Vergleich zum kleineren Trabbi wie ein riesiger Straßenkreuzer. „Mir gefällt vor allem die Farbzusammenstellung. Das war damals State-of-the-Art“, sagt der frühere Hochschullehrer Beck.
Die Ausstattung seines Oldtimers habe er in mühsamer Handarbeit über hunderte Stunden hinweg originalgetreu restauriert. „Vor allem das Organisieren von Teilen ist sehr mühsam. Man kann die zwar zum Teil kaufen, aber dann zu horrenden Preisen, wenn man es vernünftig haben will“, sagt Beck.
Neben dem Coupé besitze er noch einen zweiten, deutlich älteren Wagen aus dem Jahr 1949. Mit dem habe er sich einen Kindheitstraum erfüllt. „Es ist immer das Auto, das man als Kind nicht haben konnte, was man dann als Erwachsener unbedingt haben will“, so Beck. Den älteren seiner beiden Oldtimer habe er in früher Kindheit regelmäßig aus der Nähe begutachten können. Weil sein örtlicher Metzger damals das gleiche Modell fuhr.
„Der hat damit Schlachtfleisch transportiert und als ich so fünf, sechs Jahre alt war, stand ich laut meinem Vater vor dem riesigen Kühler, habe den umfasst und gesagt: Wenn ich mal groß und reich bin, will ich genau so ein Auto haben“, erinnert sich Beck. Einige Jahrzehnte später konnte er sich den Kindheitstraum schließlich erfüllen.
