Jörg Brotzki tritt beim Eisenwerk in Brühl die Nachfolge von Matthias-Pampus-Meder als technischer Geschäftsführer an.
Wechsel auf ChefsesselSo sieht der neue Geschäftsführer die Zukunft des Eisenwerks in Brühl

Jörg Brotzki (l.) übernimmt den Staffelstab und tritt beim Eisenwerk in Brühl die Nachfolge von Matthias-Pampus-Meder als technischer Geschäftsführer an.
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Ein neuer Mann bestimmt künftig maßgeblich die Geschicke des Eisenwerks in Brühl: Jörg Brotzki übernimmt die technische Geschäftsführung von Matthias Pampus-Meder und wird künftig ein Gespann mit dem weiterhin für kaufmännische Belange zuständigen Thomas Friedrich bilden. Eines aber bleibt unverändert: Der neue Geschäftsführer teilt die Begeisterung des alten für flüssiges Eisen. „Der Anblick eines Schmelzofens hat etwas Mythisches“, sagt Pampus-Meder und Brotzkis leuchtende Augen lassen keinen Zweifel an seiner Zustimmung.
Mehr als 35 Jahre war Pampus-Meder in leitenden Funktionen tätig, zuletzt hatte er fast ein Jahrzehnt als technischer Geschäftsführer die Bereiche Produktion und Vertrieb sowie Managementsysteme für den mit rund 1500 Mitarbeitern größten Arbeitgeber Brühls im Blick. Damit ist nun Schluss. Der 62-Jährige aus Ennepetal hat sich entschieden, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, und verabschiedet sich nun vom Chefsessel eines der weltweit größten Hersteller von Motorblöcken.
Eisenwerk in Brühl produziert jährlich 2,7 Millionen Motorblöcke für Autos und kleine Nutzfahrzeuge
Nur ein Hintertürchen bleibt. Pampus-Meder will in Zukunft im überschaubaren Umfang als Berater in der Gießereibranche tätig sein. „Ansonsten nehme ich zu Hause meiner Frau die Arbeit ab“, scherzt er. Die vergangenen Jahre, der Umgang mit der Transformation im Automobilbau – also der sich abzeichnende Trend zum elektrischen Antrieb – und den verschärften Umweltschutzauflagen sowie die Verantwortung für Mitarbeiter und das beinahe 100 Jahre bestehende Werk, haben Kraft gekostet, gibt er zu verstehen.
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All diesen Aufgaben wird sich jetzt der vier Jahre jüngere Nachfolger stellen. „Wir werden versuchen, uns zu positionieren und unsere Hausaufgaben zu machen“, sagt Brotzki mit Blick auf die vor seinem Unternehmen liegenden Herausforderungen. Absehbar sei ein Mengenverlust bei der Produktion von Motorblöcken. Noch werden rund 2,7 Millionen in Brühl produziert und in alle Welt geliefert. Im Eisenwerk rechnet man damit, dass es 2035 noch 800.000 bis eine Million sein werden.
Das sich gerade abzeichnende Aus vom Verbrenner-Aus in der EU werde einen positiven Einfluss haben, aber den grundsätzlichen Trend nicht stoppen, sagen die beiden Experten. „Daher löst dieses politische Vorhaben hier auch keine Euphorie aus“, erklärt Pampus-Meder, der für Technologie-Offenheit im Pkw-Bau wirbt. Brotzki sieht daher auch eine Aufgabe darin, künftig verstärkt andere Produkte in Brühl herzustellen. Bereits jetzt werden dort Bauteile für Landmaschinen gegossen.
Um die Existenz des Werks müsse man sich nicht sorgen, betont der 58-Jährige aus Moers, der verheiratet ist und zusammen mit seiner Frau drei Kinder hat. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem Team, Gesellschaftern, Kunden und Lieferanten, sagt er. Das könne er tun, erklärt sein Vorgänger. Das Eisenwerk sei ein stabil funktionierendes Unternehmen mit einer tollen Mannschaft, findet Pampus-Meder.
Als Kind des Ruhrgebiets, weiß ich, wie wichtig guter Zusammenhalt ist
Das habe sich in schweren Momenten gezeigt. Etwa nach einem Brand 2021. „Ich bin heute noch stolz, in welchem Tempo und mit welchem Einsatz die Mitarbeiter damals die Schäden beseitigt und das Werk wieder produktionsfähig gemacht haben. Diese Erinnerung nehme ich mit“, erklärt der 62-Jährige, der sich auch nach außen für seine Leute starkgemacht hat. Etwa im Januar 2024, als er bei einer Demonstration gegen Rechtsextremismus sprach und sich mit seiner multinationalen Belegschaft solidarisierte.
In diese Fußstapfen will nun Brotzki treten. „Als Kind des Ruhrgebiets, weiß ich, wie wichtig guter Zusammenhalt ist. Ohne zugewanderte Menschen ginge außerdem in der deutschen Industrie vieles nicht“, stellt er klar. Der 58-Jährige hat bereits in einigen Unternehmen der Gießereibranche gearbeitet. Zuletzt war er bei einem Hersteller von Elektromotoren für den Maschinenbau tätig. Auch das Eisenwerk ist ihm nicht fremd. Als Student der Gießereitechnik lernte er den Betrieb kennen, später verschlugen ihn geschäftliche Kontakte immer wieder nach Brühl, wo er jetzt seinen Zweitwohnsitz bezogen hat und an der neuen Arbeitsstätte versuchen will, jedem einmal die Hand zu schütteln.

