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BürgermeisterAndreas Heller ist in Elsdorf seit 100 Tagen im Amt

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Elsdorf – „Sind die 100 Tage schon um? Die Zeit ist schnell vergangen“, ist Andreas Hellers erste Reaktion beim Gespräch über seine Startphase als Chef des Elsdorfer Rathauses, die er „erwartungsfroh und mit Freude auf die neue Herausforderung“ angegangen sei.

Dabei sei der Arbeitsbeginn an der Gladbacher Straße nicht einfach gewesen. Zwei Tage vor seinem Amtsantritt kamen die ersten Busse mit Erstaufnahmeflüchtlingen. „Das war schon nicht ohne, die Unterbringung in der Dreifachturnhalle zu organisieren und den Schul- und Vereinssport auf die übrigen Sportstätten umzuverteilen“, erinnert er sich.

Auch die Regelzuweisung von Flüchtlingen sei ein beherrschendes Thema des Verwaltungsalltags. Hier wiederholt Heller, dass die Grenzen des Machbaren erreicht, wenn nicht gar überschritten seien. Schließlich gelte es, den Rahmen herzustellen und dafür zu sorgen, dass möglichst wenig Ängste in der Bevölkerung aufkommen. Dazu habe er den Ordnungsdienst verdoppelt und zwei weitere Hausmeisterstellen für die 30 Unterkünfte im Stadtgebiet eingerichtet. Personal wurde auch aufgestockt in der Schulverwaltung.

„Die Stunden habe ich nicht gezählt“

Den Habitus der Bürgermeisterriege hat Heller auch drauf: „Viel Freizeit gibt es nicht mehr. Ich habe zurzeit eine Sieben-Tage-Woche.“ – Na klar, und mindestens 80 Stunden pro Woche im Dienst. „Die Stunden habe ich nicht gezählt“, reagiert er leicht pikiert auf den ironischen Einwurf, freut sich dann aber über die nächsten Sachthemen. „Wir bekommen ein richtiges Schulamt.“ Und auch für Integrationsfragen soll es zusätzliche Mitarbeiter geben. „Das sind wichtige Themen. Wir müssen die Menschen nicht nur unterbringen. Wir müssen sie auch in die Stadt integrieren“, ist sein Ziel. Das allerdings Geld kostet, das Elsdorf nicht hat. Heller beklagt, dass zum Beispiel Deutschkurse erst nach erfolgreich abgeschlossenem Asylverfahren vom Land finanziert werden.

Auf die Fahne geschrieben hat Heller sich Transparenz und Bürgernähe. Dazu hat er bereits eine Umstrukturierung im Rathaus in gang gesetzt, „die die Zuständigkeiten sinnvoll bündelt“. Die Dezernentenebene wurde abgeschafft. „Mit weniger Juristen wird es auch weniger Rechtsstreitigkeiten geben. Und für die unbedingt erforderlichen werden wir externe Hilfe in Anspruch nehmen“, sagt Heller mit Seitenhieb auf Vorgänger und Richter Wilfried Effertz und seinen schon im Jahr 2014 pensionierten Beigeordneten Johannes Mies, ebenfalls Volljurist. Die Stadt sei selten Beklagte gewesen, habe aber mit Vorliebe selbst geklagt. Heller schwebt vor, dass durch Gespräche Konsenslösungen gefunden und Rechtsstreitigkeiten vermieden werden.

Positiv überrascht ist der Bürgermeister vom großen Vertrauensvorschuss in Rathaus und Bevölkerung. „Aber wenn ich morgens in die Bäckerei gehe, fühle ich mich bei »Guten Tag, Herr Bürgermeister« immer noch nicht angesprochen.“

Regelmäßige Gesprächsrunden eingeführt

Neu im Rathaus sind regelmäßige Gesprächsrunden mit den Vorsitzenden aller Ratsfraktionen. „Ich habe alle zu gemeinsamer Arbeit aufgefordert. Die Zeiten sind schwierig, das erfordert viel Konsens“, baut Heller auf eine „neue Gesprächskultur“ auch da. In Planung zur Belebung der Gewerbestruktur ist ein Wirtschaftsförderungskonzept, um dem Einbruch bei der Gewerbesteuer entgegenzuwirken.

„Unser Wohl und Wehe hängt von RWE und der Zuckerfabrik ab. Die Folgen der Energiewende und der Neuordnung des Zuckermarktes müssen wir knallhart ausbaden“, klagt er.

Auch um die „weichen Faktoren“ hat er sich schon gekümmert: Im Haushaltsentwurf ist erstmals seit vielen Jahren Geld für Kultur veranschlagt, 5000 Euro damit sich in Elsdorf nicht nur Firmen ansiedeln, sondern auch deren Mitarbeiter gerne dort wohnen wollen. Geduld fordert er beim brisanten Thema Autohof. „Erst muss geklärt werden, was da konkret hingebaut werden soll und was Elsdorf an Einnahmen zu erwarten hat, dann wird die Öffentlichkeit beteiligt und es werden deren Bedenken ausgeräumt. Er spricht von abweichenden Plänen für den Rastplatz beim Investor und beim Betreiber.

Ansonsten gibt sich Heller eher ungeduldig. „Alles geht mir nicht schnell genug“, hadert er. Den Wechsel vom Landes-Finanzministerium ins Elsdorfer Rathaus habe er „noch keine Sekunde lang bereut. Bürgermeister ist ein Traumjob, wenn auch ein harter Job.“