Die Jury lobte das Projekt als „wegweisendes Beispiel für serielles Bauen mit sozialem Anspruch“. 100 Geflüchtete leben in 36 Wohnungen.
Quartier für GeflüchteteErftstädter Projekt erhält Architekturpreis

Die Typenhäuser in Erftstadt haben eine Fachjury überzeugt.
Copyright: Ingo Lammert / Architektenkammer NRW
Mit einem Festakt ist die „Auszeichnung vorbildlicher Bauten in Nordrhein-Westfalen“ verliehen worden. 25 neue oder erneuerte Gebäude und Freiraumgestaltungen erhielten eine Würdigung als vorbildliche, richtungsweisende und innovative Bauwerke aus den Händen von Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, und Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen.
Unter den ausgezeichneten Objekten befinden sich die Typenhäuser aus Erftstadt, in ihnen wohnen Geflüchtete. Die Jury lobte das Projekt als „wegweisendes Beispiel für serielles Bauen mit sozialem Anspruch. Ursprünglich für syrische Geflüchtete konzipiert und heute von Menschen aus der Ukraine bewohnt, zeigen die polygonalen Baukörper, dass Architektur auch unter wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Würde, Gemeinschaft und Qualität schaffen kann“. Seit 2023 bieten Gebäude mehr als 100 Geflüchteten in 36 Wohnungen eine Unterkunft. Das Projekt erhielt bereits den Deutschen Bauherrenpreis 2024.
Der Preis zeigt vor allem auch eines: Bauen ist mehr, als Steine aufeinanderzusetzen – Bauen ist Kultur
Für das Projekt zeichneten die Lorber Paul Architekten GmbH, club L 94 Landschaftsarchitekten GmbH (beide Köln) und als Bauherrin die Immobilienwirtschaft Stadt Erftstadt verantwortlich. Insgesamt waren 159 Bauten zu dem Auszeichnungsverfahren eingereicht worden.
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Die Jury hob zudem die vielseitige Nutzbarkeit, die außergewöhnliche Formgebung und die architektonische Qualität hervor, die trotz einfacher Mittel überzeugend zur Geltung kämen. Das Projekt zeige, dass serielle Bauweise nicht monoton sein müsse: Mit Modularität, Farbigkeit und professionell gestalteten Freiräumen werde ein lebendiges, sozial starkes Ensemble geschaffen, das geflüchteten Menschen mehr bietet als ein Dach über dem Kopf – nämlich Heimat auf Zeit.

Die für das Erftstädter Projekt Verantwortlichen nahmen ihre Auszeichnung entgegen.
Copyright: Ingo Lammert
Die „Auszeichnung vorbildlicher Bauten in NRW“ wird alle fünf Jahre an die besten Bauwerke und Objekte der jeweiligen Periode vergeben – 2026 zum zehnten Mal. Die festliche Preisverleihung fand im Düsseldorfer Kunstmuseum K21 statt.
„Der Preis zeigt vor allem auch eines: Bauen ist mehr, als Steine aufeinanderzusetzen – Bauen ist Kultur“, sagte Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung. Institutionen der Öffentlichen Hand komme eine besondere Verantwortung als Auftraggeberseite zu, so die NRW-Bauministerin.
Für Uhing ist das Auszeichnungsverfahren stets auch ein Spiegel aktueller Trends im Planen und Bauen: „Viele der ausgewählten Projekte unterstützen das soziale Miteinander in unseren Städten und Gemeinden oder stellen Weiterentwicklungen innerhalb des Gebäudebestands dar. Besonders erfreulich ist es, dass etwa die Hälfte der ausgewählten Projekte aus dem Bereich des geförderten Wohnungsbaus stammen.“

