Bis Ende März hat das Schreibwarengeschäft in Lechenich noch geöffnet, am 31. März ist dann Schluss für Lothar und Anna-Maria Marschalleck.
Nach 50 JahrenSchreib-Shop Marschalleck in Erftstadt schließt für immer

Lothar und Anna-Maria Marschalleck schließen ihren Laden zum 31. März.
Copyright: Eva-Maria Zumbé
Stifte und Füller werden weniger, das Geschenkpapier ist ausverkauft, auch an der Wand mit Grußkarten sind schon etliche weiße Lücken. Die Regale im Schreib-Shop Marschalleck leeren sich. „Das ist gut so“, sagtLothar Marschalleck mit Blick auf seine Ware. „Am 31. März ist der Stichtag.“ Dann schließt das Schreibwarengeschäft an der Schloßstraße 4 in Lechenich endgültig.
Das Fachgeschäft mitten im historischen Ortskern des Erftstädter Stadtteils war über Jahrzehnte die Adresse für Büro- und Schulmaterialien, Grußkarten, Kalender, Zeitungen, Zeitschriften und vieles mehr. Viele Lechenicher und auch Menschen von außerhalb werden Erinnerungen daran haben, wie sie bei Lothar und Anna-Maria Marschalleck ihre ersten Füller ausprobierten.
Lechneich: Schreib-Shop ist 50 Jahre alt geworden
Lothar Marschalleck hat den Laden mit 23 Jahren eröffnet, seine Frau war damals 20 Jahre alt. Jetzt ist er 73. „Ich bin seit acht Jahren Rentner“, sagt er. Das Geschäft ist in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden. Für ihn war schon lange klar: „Die 50 Jahre will ich voll machen“, sagt der Inhaber. Nun sei die Zeit gekommen. Was mit einem Nachfolger ist? „Wir hatten den Wunsch, den Laden irgendwann zu übergeben.“ Dazu ist es nicht gekommen.
Alles zum Thema Einzelhandel Köln und Region
- Bergisch Gladbach Für die losen Pflaster der Buchmühlenstraße ist Besserung in Sicht
- Katja Lewina „Es ist ein gutes Zeichen, dass es so viele Trennungen gibt“
- Signal gegen Apothekensterben 27-Jähriger übernimmt alteingesessene Apotheke in Wesseling
- Passantenzahlen Wie die Kölner City zukunftsfähig wird – und was Harry Potter damit zu tun hat
- Bergisch Gladbach Parkende Autos stören Flair der neuen Schloßstraße
- Aufmerksamer Mitarbeiter Verkäufer in Bergheim verhindert Betrug an 82-jähriger Seniorin
- Eigene Schlachtung Neue „Landmetzgerei Gülden“ eröffnet in Bedburg

Das Regal mit Grußkarten leert sich.
Copyright: Eva-Maria Zumbé
Der Inhaber erinnert sich an viele schöne Momente in den vergangenen 50 Jahren, an Kunden, die wegzogen, aber dennoch weiter bei ihm bestellten. Immer wieder hätten sie das Geschäft erweitert, zuletzt vor zwölf Jahren. „In Höchstzeiten hatten wir mal neun Mitarbeiter“, erinnert er sich. Neben ihm und seiner Frau arbeitet zudem Tochter Ursula Marschalleck im Geschäft.
Lechneich: Schreib-Shop ist 50 Jahre alt geworden
Die Kunden haben Lothar Marschalleck stets die Treue gehalten. „Wir bekommen unheimlich viel Zuspruch von den Kunden“, sagt er. Mit der Nachricht, dass das Geschäft schließt, hätten sie regelrecht Hamsterkäufe gemacht, schildert er. „Unsere treuen Kunden haben uns toll unterstützt.“ Auch die Blumen an der Kasse sind ein Kundengeschenk. Er freut sich über die positive Resonanz und wenn Kunden sagen, „dass man uns vermissen wird“, resümiert er.
Manchmal sind es auch die kleinsten Kunden, die ihn mit Tränen in den Augen fragen, warum er denn den schönen Laden schließe, erläutert er weiter. „Natürlich hinterlassen wir eine Lücke“, sagt Marschalleck. „Wo willst du noch einen Füller ausprobieren?“

Das Schreibwarengeschäft an der Schloßstraße 4 in Lechenich schließt Ende März.
Copyright: Eva-Maria Zumbé
Mit dem Schreib-Shop Marschalleck verliert nicht nur Lechenich, sondern auch Erftstadt und Umgebung eine Institution. Doch Einzelhändler hatten es in den vergangenen Jahren zunehmend schwerer. „Die Zeiten sind gegen den Einzelhandel“, sagt Lothar Marschalleck. Gründe seien das Internet und die Digitalisierung in Schule und Beruf. Die Schüler arbeiteten nun mit Laptop und Tablet und bräuchten „keine Hefte mehr, keine Stifte mehr und keine Ringbücher“.
Noch ein weiterer Aspekt hat es dem Schreibwarengeschäft schwierig gemacht. „Schreibwaren liegen in jedem Supermarkt“, sagt der Inhaber. „Das spüren wir.“
Was die Marschallecks nach dem 31. März mit ihrer Zeit anfangen werden? „Wir sind in vielen Vereinen tätig“, betont Lothar Marschalleck. Zudem seien Stadtführungen eines seiner größten Hobbys. „Ich habe keine Angst, dass ich Langeweile haben werde“, sagt er.

