Jetzt melden sich die Eltern zu Wort: In einem Schreiben an die Leiterinnen und Leiter der Grundschulen in Frechen drückt die Stadtschulpflegschaft ihr Unverständnis darüber aus, dass die Martinszüge an den Grundschulen abgesagt werden sollen. „Für Eltern und Kinder sind diese Umzüge ein fester und identitätsstiftender Teil des Schuljahres. Wir möchten Sie daher bitten, die Entscheidung gemeinsam mit uns zu überdenken", heißt es in dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt.
Stadt sieht viele Unstimmigkeiten ausgeräumt
Wie aus dem Rathaus zu erfahren war, haben alle Frechener Grundschulen die Martinszüge abgesagt – wegen Sicherheitsauflagen, die nicht zu erfüllen seien. Aus Sicht der Stadt sind mittlerweile aber viele Unstimmigkeiten ausgeräumt worden: Von der Forderung, alle Kreuzungsbereiche abzusichern, sei man mittlerweile abgerückt. Auch haftungsrechtliche Fragen hätten geklärt werden können, berichtete der Frechener Bürgermeister Uwe Tietz auf Anfrage: "Pferd, Reiter und der ganze Martinszug sind über unsere Haftpflichtversicherung abgesichert."
Wo immer möglich würden Feuerwehr und Ordnungsamt die Schulen unterstützen - etwa, indem sie das Fahrzeug stellen, das das Ende des Martinszuges absichern muss. "Wir versuchen alles", sagte Tietz. Falls Feuerwehr und Ordnungsamt einmal keine Kapazitäten hätten, reiche auch ein einfacher Pkw am Zugende aus.
Eltern verweisen auf Ordner und Schulkonferenz
Die Vertreter der Stadtschulpflegschaft sehen die Sache ähnlich: "Uns erschließt sich nicht, warum es bei den Absagen geblieben ist, denn die naheliegenden Hindernisse sind aus unserer Sicht ausgeräumt." Als Ordner etwa - vorgesehen ist laut Vorschrift je einer pro 50 Teilnehmer - stünden Eltern in ausreichender Zahl zur Verfügung. Hinzu käme eine rechtliche Frage: Der Martinszug sei Bestandteil der bestehenden Schulprogramme, und wesentliche Änderungen daran setzten eine Beteiligung der Schulkonferenz voraus, der auch Elternvertreter angehören. "Eine Absage ohne die Beteiligung der Schulkonferenz wäre ein Alleingang der Schulleitung und im Sinne einer vertrauensvollen Zusammenarbeit nur schwer nachvollziehbar", heißt es in dem Brief.
Als Vorwurf wolle man dies nicht verstanden wissen, sondern als Angebot, gemeinsam mit allen Beteiligten zu prüfen, unter welchen Bedingungen die Umzüge doch noch stattfinden können: "Die Elternschaft ist bereit, dabei tatkräftig mitzuhelfen."
Bürgermeister räumt Kommunikationsprobleme ein
In den sozialen Medien war der Stadt vielfach die Schuld an der Absage der Martinszüge gegeben worden. "Die Kommunikation hätte besser laufen können", räumt der Bürgermeister ein. Abschreiben will er die Martinszüge für dieses Jahr aber noch nicht. "Bei uns stehen alle Türen offen. Ich bin froh um jeden Zug, der rollt", sagte Tietz, der am Dienstag auch im Stadtrat über die Situation informierte. Zum Rathaus waren einige Eltern und Kinder mit Laternen gekommen, um sich für die Martinszüge einzusetzen.
Zu dem Thema hat sich kürzlich auch die "Perspektive für Frechen" geäußert: "Absagen sind schlichtweg der falsche Weg", so Fraktionschef Dieter Zander. Sicherlich müssten Abstimmungsgespräche grundsätzlich mit dem nötigen zeitlichen Vorlauf erfolgen. Man sei aber überzeugt, dass der Spagat zwischen Brauchtumspflege und Sicherheitskonzept gelingen werde - und auch verwundert, dass es nur in Frechen Probleme mit den Martinszügen gebe. (rtz)

