Die Sicherheitsvorschriften für die Martinszüge in Frechen sorgen für Probleme – die Stadtverwaltung weist die Kritik zurück.
Angepasste SicherheitsvorschriftenStehen die Martinszüge in Frechen vor dem Aus?

Ob in diesem Jahr in Frechen Martinszüge stattfinden, ist ungewiss.
Copyright: Henning Kaiser/dpa
Stehen die Martinszüge in Frechen vor dem Aus? In den sozialen Medien mehren sich die Meldungen, dass Kitas und Schulen die Martinszüge absagen wollen, und zwar wegen erhöhter Sicherheitsauflagen, die kaum zu erfüllen seien. So müsse man als Veranstalter – das sind in aller Regel die Grundschulen und Kindertagesstätten – pro 50 Teilnehmer einen Ordner abstellen. Dies sei bei Martinszügen mit teils mehr als 1000 Teilnehmern kaum zu bewältigen. Das Gleiche gelte für die Absicherung des Zugendes mit einem geeigneten Fahrzeug und der Sicherung aller Kreuzungsbereiche. Deswegen habe manche Schule wohl schon angekündigt, in diesem Jahr auf den Martinszug zu verzichten und stattdessen ein Fest auf dem Schulhof auszurichten, heißt es weiter.
In den sozialen Medien kochen die Emotionen hoch: Die Stadt wird beschuldigt, dem Brauchtum nun vollends den Garaus zu machen. Sogar eine Demonstration vor dem Rathaus mit Martinslaternen wird vorgeschlagen. Die Stadt weist die Kritik jedoch zurück: Seitens der Verwaltung habe man keine Veranstaltungen abgesagt, man wolle sich dafür einsetzen, dass die Martinszüge auch in diesem Jahr stattfinden können.
Hintergrund der Debatte
Hintergrund der Debatte ist ein Schreiben aus dem Frechener Rathaus, das die Schulen und Kitas kürzlich erreichte. Die sicherheitsrechtlichen Vorgaben für die Martinszüge müssten in diesem Jahr angepasst werden, ist darin zu lesen. Die Begleitung durch die Polizei sei nicht mehr in gleichem Umfang möglich wie in den vergangenen Jahren, teilt Bürgermeister Uwe Tietz den Veranstaltern mit. Die Polizei könne nur jeweils einen Bezirksbeamten pro Martinszug abstellen. Deswegen seien die Veranstalter verstärkt in der Pflicht.
Für die Absicherung des Zugendes kämen Fahrzeuge der Feuerwehr oder des Ordnungsamtes in Frage, doch es könne nicht sichergestellt werden, dass dies bei jedem Martinszug möglich sei. Die Verantwortung für die sichere Durchführung der Martinszüge liege bei den Veranstaltern, unabhängig davon, ob sie von Polizei, Feuerwehr oder Ordnungsamt unterstützt werden.
Das Schreiben enthält auch Erläuterungen zum Einsatz von Ordnern. Sie müssen volljährig sein, eine Binde und reflektierende Warnkleidung tragen, und sie dürfen nicht alkoholisiert sein. Der Orientierungswert liege bei mindestens 50 Teilnehmern pro Martinszug. Ausdrücklich wird in dem Schreiben allerdings darauf hingewiesen, dass angesichts der veränderten Lage auf die bisher vorgesehene Auflage, die Kreuzungen mit Fahrzeugen abzusichern, abgesehen wird.
„Unser Ziel ist es ausdrücklich nicht, Martinszüge zu verhindern“, so die Stadt
„Die Martinszüge in Frechen sollen auch in diesem Jahr stattfinden können“, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus. Die Verwaltung wolle die Züge keineswegs unterbinden: „Die Umzüge bleiben ein wichtiger Bestandteil des Frechener Brauchtums.“ Die Stadt habe die Veranstalter lediglich darüber informiert, wie die Martinszüge unter den aktuellen Rahmenbedingungen sicher durchgeführt werden können. Einzelne Sicherheitsanforderungen hätten angepasst werden müssen, andere bleiben bestehen.
„Unser Ziel ist es ausdrücklich nicht, Martinszüge zu verhindern“, betont die Stadtverwaltung. Die Stadt Frechen stehe mit den Veranstaltern im Austausch und unterstütze sie dabei, die erforderlichen organisatorischen Maßnahmen umzusetzen. Die Sicherheit der Kinder und aller Teilnehmenden habe dabei oberste Priorität.
Die CDU Frechen hat sich in einer Stellungnahme zu dem Thema geäußert: „Unser Ziel ist klar: Martinszüge sollen stattfinden“, heißt es darin. „Wir erwarten, dass Stadt und Veranstalter gemeinsam frühzeitig Lösungen finden, damit gesetzliche Vorgaben und Sicherheitsanforderungen erfüllt werden können.“ Dafür brauche es aber auch verständliche und verlässliche Informationen. Am Ende bleibt die Verwirrung groß.
Für die Zukunft schlägt die Stadt Frechen vor, eine Bündelung der Martinszüge in Erwägung zu ziehen. Denkbar sei, angesichts der Kapazitäten von Polizei und Ordnungsamt innerhalb der Ortsteile jeweils einen zentralen Martinszug zu veranstalten. (rtz)
