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Bis zu 39,90 EuroDarum gab es für Besucher des Karnevalszugs in Frechen teure Knöllchen

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Auf dem Bild ist das Portrait einer Frau zu sehen, die am Steuer ihres Autos sitzt.

Die Kölnerin Andra Jankowsky besuchte mit ihrer Schwester den Sonntagszug in Frechen und findet die Straf-Parkgebühr von fast 40 Euro „unverhältnismäßig“.

Viele Parkplätze an Supermärkten werden nun bewirtschaftet – auch sonntags. Der Hit-Markt und der Marktkauf machten für die Jecken eine Ausnahme.

Die Tüten voller Kamelle und Strüssjer, die Stimme heiser vom Singen und Alaaf-Rufen – in bester Laune machten sich die rund zehntausend Besucher des Frechener Sonntagszug am 15. Februar auf den Heimweg. Doch für etliche der Narren gab es einige Tage später eine unangenehme Überraschung: Sie erhielten per Post ein Parkknöllchen mit einer Zahlungsaufforderung von mindestens 29,90 Euro.

Der Hintergrund: Der große Parkplatz an dem Geschäftszentrum an der Kölner Straße 114, den viele der Besucher nutzten, wird seit Juli 2025 von dem Unternehmen „fair parken“ aus Düsseldorf bewirtschaftet. Es  betreut die rund 250 Parkplätze für die Kunden der dort angesiedelten Geschäfte – unter anderem der Babymarkt, Netto, Ulla Popken, Equiva und kik.

Frechen: Straf-Parkgebühren bis zu 39,90 Euro pro Tag

Mit einem großen Schild an der Einfahrt des Parkplatzes wird darauf hingewiesen, dass die Kennzeichen per Video erfasst werden und die Höchstparkdauer drei Stunden umfasst. Bei Überschreitung drohe eine Vertragsstrafe von mindestens 29,90 Euro heißt es, auf der Rückseite des Schildes stehen klein gedruckt die weiteren Straf-Gebühren. Sie erhöhen sich gestaffelt auf bis zu 39,90 Euro pro Tag, wenn die zulässige Parkdauer um mehr als eine Stunde überzogen wird. 

Dieser Betrag wurde auch Andrea Jankowsky in Rechnung gestellt. Sie war mit ihrer Schwester extra aus dem Kölner Norden nach Frechen gekommen, um mit einer ehemaligen Arbeitskollegin den Zug zu schauen, danach wurde noch in einem Pfarrheim weiter gefeiert. „Das ist hier immer so eine nette Gemeinschaft“, berichtet sie, „wir waren extra schon eine Stunde vor dem Start des Zuges auf dem Parkplatz“.

Auf dem Bild ist ein großer Parkplatz und ein Schild mit einem Hinweis auf Gebühren zu sehen.

Der Parkplatz an der Kölner Straße 114 wird von „fair parken“ seit Juli 2025 bewirtschaftet. Insgesamt gibt es 250 Stellplätze.

Auch im Vorjahr habe sie dort problemlos geparkt und daher gar nicht auf einen Warnhinweis geachtet, berichtet sie. „Der Parkplatz war auf jeden Fall brechend voll“, so Jankowsky. Im Grunde sei es jetzt ja Standard, dass Supermärkte ihre Parkplätze bewirtschaften ließen, aber fast 40 Euro fände sie dann doch unverhältnismäßig viel – zumal es an einem Sonntag gewesen sei, wo die Geschäfte alle geschlossen hätten. 

Eine Art modernes Raubrittertum, da Parkraum scheinbar immer kostbarer wird
Nutzerin des Parkplatzes an der Kölner Straße am Karnevalssonntag

Ihrer Meinung schließen sich auch etliche andere Jecken in den sozialen Medien an: „Dort haben meine Kinder auch geparkt“, erzählt eine Frechenerin, „Ende vom Lied: Dreimal 39,90 Euro, macht 119,70 Euro – teure Kamelle!“ Eine andere Närrin erläutert, sie sei extra rechtzeitig  zurückgegangen, um nicht über die drei Stunden zu kommen: „Eine Art modernes Raubrittertum, da Parkraum scheinbar immer kostbarer wird.“ 

„Fair parken“ erläutert auf Anfrage dieser Redaktion: „‚fair parken‘ beschildert auf den betreuten Objekten sowohl die Einfahrt als auch die Parkflächen mit einer ausreichenden Anzahl an Hinweis- sowie AGB-Schildern. Auf diesen wird auch darauf hingewiesen, dass die Nutzung des Parkplatzes nur für Kunden während der Öffnungszeiten vorgesehen ist. Mit dem Abstellen des Pkws auf einem privaten Parkplatz erkennt der Fahrer oder die Fahrerin die dort ausgeschilderten Regeln an.“

Mit einer kulanten Stornierungsregel komme „fair parken“ nur Kunden entgegen, die versehentlich oder wegen eines ausgedehnten Großeinkaufs gegen die Parkordnung verstoßen haben, jedoch nicht für Parken außerhalb der Öffnungszeiten.

Die Situation war dieses Jahr speziell, da ja auch das Parkhaus an der Josefstraße noch nicht fertig ist
Walter Kirch, stellvertretender Zugleiter Frechen

Das Parkproblem ist auch dem Frechener Festkomitee bekannt: Schon Tage vor dem Zug veröffentlichte es auf seiner Facebook-Seite Hinweise für die Besucher und die rund 2000 Zugteilnehmer und warnte vor dem Parken an verschiedenen Supermärkten, die nun bewirtschaftet würden. „Die Situation war dieses Jahr speziell, da ja auch das Parkhaus an der Josefstraße noch nicht fertig ist“, erklärt der stellvertretende Zugleiter Walter Kirch.

Er sei drei Tage lang auf jedem Parkplatz unterwegs gewesen, um mit den Betreibern der Flächen in Kontakt zu kommen. „Die Marktleiter haben da ja selber kaum mehr einen Einfluss drauf“, sagt Kirch. Er könne die Bewirtschaftung grundsätzlich verstehen, da die Plätze immer öfter von Pendlern oder Dauerparkern genutzt würden. 

Auf dem Bild ist das Portrait eines Mannes mit Brille und Kappe zu sehen.

Walter Kirch ist stellvertretender Zugleiter des großen Karnevalzugs in der Frechener Innenstadt.

Dennoch sei der Umstand ein Novum gewesen und er hätte gemeinsam mit dem Zugleiter Erich Braun versucht, mit viel Einsatz für die Besucher „etwas rauszuholen“. Gelungen ist dies Kirch bei zwei Märkten in Frechen: Der Leiter des Hit-Marktes an der Dürener Straße, Daniel Behnke, sei selber Karnevalist und habe engagiert für die Sonntagsbesucher freies Parken aushandeln können. Sein Stellvertreter, Lars Schäfer, bestätigt dies: „Das war etwas Besonderes, da waren mehrere Absprachen nötig.“ Auch der Marktkauf zeigte sich „jeckenfreundlich“: Die Filialleitung erreichte bei der Parkplatz-Betreiberfirma, dass fünf  Tour-Busse von Musikgruppen kostenfrei parken durften. 

Andrea Jankowsky will das Knöllchen auf jeden Fall bezahlen, es sei ja eben keine öffentliche Parkfläche. Trotz des Ärgers möchte sie auf jeden Fall im nächsten Jahr erneut zum Frechener Karnevalszug kommen: „Mir wird das mit dem Parken aber nicht wieder passieren. Ich komme entweder mit der Bahn oder parke woanders.“


Kontakt zu fair parken

Die direkte telefonische und persönliche Erreichbarkeit bei Beschwerden sowie ein differenziertes Kulanzmanagement habe bei „fair parken“ höchste Priorität, so das Unternehmen. Das Service-Team sei telefonisch unter 0211/954 3711 von Montag bis Sonntag direkt zu erreichen oder per Mail. an info@fairparken.com. Des Weiteren könne der Kassenbeleg auch online über die Website von „fair parken“ (fairparken.com/kassenzettel) hochgeladen werden.