Vor gut einem Jahr beendete Robin Wunsch seine Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit beim Chemieparkbetreiber Yncoris in Hürth. Für seine Bestnoten wurde er nicht nur von der Industrie- und Handelskammer Köln geehrt, sondern erhielt auch eine Einladung zur Landesbestenehrung. Einfach war sein beruflicher Werdegang bis dahin nicht: Er musste sogar einen herben Rückschlag hinnehmen.
Abitur mit Notendurchschnitt 2,6
Der heute 28-Jährige machte Abitur mit einem Notendurchschnitt von 2,6. Damals sei er eher froh darüber gewesen, dass die Schule vorbei war und er ins Berufsleben einsteigen konnte. Gelernt habe er zwar schon für die Abschlussprüfungen, doch sein Fokus habe auf anderen Dingen gelegen. „Zum damaligen Zeitpunkt stand schon fest, dass ich zur Bundeswehr gehe und dann meine ganzen Schulfreunde nicht mehr so oft sehe“, sagt Wunsch. Deswegen wollte er noch möglichst viel Zeit mit seinen Freunden verbringen.
Sein beruflicher Lebensweg schien zu diesem Zeitpunkt vorgegeben. Er schlug die Offizierslaufbahn ein und begann ein Studium der Staats- und Sozialwissenschaften. Beim Bund verdiente er vom ersten Tag an ein solides Gehalt und hatte eine klare Perspektive. Doch nach fünf Jahren in der Truppe scheiterte er am Studium und musste sich mit 24 Jahren beruflich neu orientieren.
Neuanfang in Hürth
„Etwas enttäuscht war ich schon, aber ich habe mir auch gedacht: Vielleicht sollte es nicht sein. Ich habe es als Chance für einen Neuanfang gesehen“, erläutert Wunsch. Also begann er zu recherchieren. Das Thema Sicherheit habe ihn schon immer interessiert, und so suchte er nach Ausbildungsberufen in der Branche. Eine Freundin empfahl ihm schließlich die Firma Yncoris in Hürth. Es folgte ein Bewerbungsgespräch, ein Praktikum und schließlich der Ausbildungsbeginn. „Als es losging, habe ich direkt gemerkt, dass es das Richtige ist. Dann habe ich mich auf den Hintern gesetzt, alles für die Schule getan und es hat funktioniert.“

In Aktion bei Yncoris in Hürth.
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Wenn Robin Wunsch davon erzählt, dass er in der Sicherheitsbranche tätig ist, denken viele Menschen schnell an Klischees wie einen Kaufhauscop, sagt er. Die Eingangskontrolle sei aber nur ein Teil seines Aufgabengebiets. „Wir lernen auch viel über den Umgang mit Menschen. Wie wir mit gewissen Stresssituationen umgehen, wenn wir etwa auf eine Gruppe von Betrunkenen treffen“, sagt Wunsch. Neben Deeskalationstraining und Rechtsschulungen gehörten auch Fahrzeug- und Gefahrgutkontrollen zu seiner Ausbildung. Denn beim Chemiepark Knapsack werden regelmäßig Gefahrstoffe angeliefert und abtransportiert. „Da kontrollieren wir einmal von außen auf Sicht, dass die Ventile alle dicht sind und der Wagen keine Beschädigung am Reifen hat“, so der 28-Jährige. Auch Zaunkontrollen und Geschwindigkeitsmessungen führe er regelmäßig durch.
Einladung im Spamordner gelandet
Die Preisverleihung zum Ende seiner Ausbildung hätte Wunsch bei aller beruflichen Sorgfalt fast verpasst. „Die Einladung ist in meinem Spamordner gelandet. Zwei Tage vor Anmeldeschluss für die Bestenehrung hat mir unser Ausbildungsleiter dann geschrieben: Robin, guck mal bitte ganz dringend in deinen Spamordner“, erinnert sich Wunsch. Über den Preis habe er sich dann umso mehr gefreut.
Seit gut einem Jahr arbeitet Wunsch nun fest bei Yncoris und vermisst das Leben als Azubi nicht. „Am Montag Berufsschule zu haben, war natürlich schon entspannt, aber auf der anderen Seite ist es auch gut, dass ich ausgelernt habe und dann auch deutlich mehr Geld verdiene. Es macht Spaß, und ich kann jetzt auch flexibler in der Schicht eingesetzt werden“, sagt Wunsch.
Im nächsten Jahr möchte er seinen Meister machen und vielleicht irgendwann auch ein Studium. Menschen, die aktuell am beruflichen Scheideweg stehen, spricht er Mut zu. „Ich habe auch lange darüber nachgedacht: Was ist, wenn das jetzt auch nicht klappt? Aber es hat sich für mich richtig angefühlt“, sagt Wunsch.
