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150 aus 150Franz Greiß war jüngster Präsident der IHK

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Der Kölner Unternehmer Franz Greiß.

Der Kölner Unternehmer Franz Greiß. (Archivfoto)

Der Unternehmer wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Präsident der IHK. Er prägte den Wiederaufbau der Kölner Wirtschaft mit.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 135. Teil der Serie geht es um den Unternehmer Franz Greiß.

Bedeutung

Franz Greiß engagierte sich als Unternehmer für die Soziale Marktwirtschaft. Nach einer Lehre bei der Logistikfirma Schenker war er bei Bayer in Dormagen beschäftigt. Zeitgleich studierte er an der Universität einige Semester Betriebswirtschaft. 1927 trat er bei Glanzstoff-Courtalds in Niehl ein, einem deutsch-englischen Unternehmen der Kunstfaserindustrie. 1936 wurde er Prokurist und 1943 stellvertretender Geschäftsführer.

Das Unternehmen, in dem Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, war „kriegswichtig“, weshalb Greiß nicht zum Militär musste. 1945 ernannten die britischen Teilhaber ihn, der nicht in die NSDAP eingetreten war, zum Geschäftsführer. Der gläubige Katholik war 1949 Initiator und bis 1965 Vorsitzender des Bunds Katholischer Unternehmer (BKU). Greiß war ein Verfechter der praktischen europäischen Zusammenarbeit.


Franz Greiß

Geboren: 22. April 1905 in Worringen

Gestorben: 3. Juni 1995 in Köln


Als Anhänger der katholischen Soziallehre engagierte er sich für die Soziale Marktwirtschaft, indem er über einen Verein Kino- und Zeitungswerbung finanzierte, die ihr Verständnis in breiten Kreisen der Bevölkerung fördern sollte. Vico von Bülow, bekannt als „Loriot“, zeichnete Filme für die Kampagne.

Wirken in Köln

Da Greiß „unbelastet“ war, ernannten die Briten ihn 1946 zum Beirat der Industrie- und Handelskammer. Nach der ersten Wahl zur Vollversammlung nach dem Krieg wählte diese ihn 1947 überraschend zum Präsidenten. Seit Gründung der IHK 1797 hatten bis dahin nur Familienunternehmer, kein angestellter Manager, das Amt innegehabt. Zudem war er mit 42 Jahren bei Amtsantritt der jüngste Präsident.

Greiß setzte sich vielfältig für den Wiederaufbau der Wirtschaft, die Ansiedlung neuer Unternehmen, die Integration von Flüchtlingen und für Umweltthemen ein. Er initiierte das Institut für Wirtschaftspolitik an der Universität und den Verein für Wirtschaftsrecht. 1958 verzichtete er auf das Präsidentenamt.

Bemerkenswert

Greiß handelte 1967 bei Auflösung des Unternehmens Glanzstoff-Courtaulds den ersten Sozialplan in der deutschen Chemieindustrie aus.

Spuren in der Stadt

Im Industriegebiet Niehl benannte die Stadt eine Straße nach ihm. Das Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsarchiv verwahrt seinen Nachlass.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.