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Berühmter PhilosophEin Platz für Habermas vor der Vogtei in Gummersbach?

4 min
Zu sehen ist die Vogtei von außen.

Der Bereich vor der Vogtei soll womöglich nach dem Philosophen Jürgen Habermas benannt werden. 

Neuer Vorschlag stößt im Ältestenrat auf Zustimmung. Die Redaktion besucht das Elternhaus des Philosophen. 

In der Gummersbacher Politik wächst die Zustimmung dafür, den Platz vor der Vogtei für die Ehrung des verstorbenen Philosophen Prof. Jürgen Habermas zu nutzen. So zeichnet sich ab, dass der Platz an der Kaiserstraße der beste Ort sein könnte, an den berühmten Philosophen zu erinnern. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Ältestenrats besprochen. CDU-Fraktionschef Jörg Jansen berichtet, dass die Benennung des kleinen Platzes vor der frisch sanierten Vogtei nach Jürgen Habermas, mit einer zusätzlichen Würdigung durch einen Stele, Büste oder Tafel diskutiert worden ist. Nach den ersten Gespräche in der CDU, aber auch mit anderen Parteien, scheine diese Idee aktuell der Person und dem Wirken von Habermas angemessen zu sein. Für den Ort spreche die Lage mitten in der Stadt.

Der ursprünglichen Überlegung, den Platz vor dem Kino nach Habermas zu benennen, habe die CDU sich zunächst anschließen können, was aber im Laufe der Zeit nachgelassen habe. Die öffentliche Diskussion über den Zusammenhang mit Fest- und Kirmesplatz und Schützenfest sei dem zu Ehrenden nicht angemessen. Eine Umbenennung des Lindengymnasiums schließe die CDU aus, weil die Schule sich dagegen ausgesprochen habe.

SPD-Fraktionschef Thorsten Konzelmann sagt, er sei froh, dass der Vorschlag mit dem Festplatz nun vom Tisch ist. Das Gymnasium nach Jürgen Habermas zu benennen, sei für ihn nach wie vor die erste Wahl. Aber mit dem Platz vor der Vogtei werde man nicht nur in der SPD-Fraktion, sondern auch parteiübergreifend eine große Mehrheit bekommen, glaubt der Fraktionsvorsitzende.

Anfreunden mit dem neuen Vorschlag kann sich auch Gummersbachs Erster und Technischer Beigeordneter Jürgen Hefner. Die gepflasterte Fläche auf der Kaiserstraße entlang der Vogtei und der Garten unmittelbar davor würden sich für eine solche Widmung anbieten. In der Folge müsse man dann sehen, wie man das Areal genau definiert. Mit Blick auf eine etwaige Adressänderung wäre von einem Jürgen-Habermas-Platz nur die Vogtei selbst betroffen. Und die würde eine sehr schöne neue Adresse bekommen.


IHK-Geschäftsstelle und Habermas-Wohnhaus

Ein ganz anderes Haus als die Vogtei hat eine persönliche Bedeutung für den Philosophen Habermas: Das Gebäude an der Körnerstraße 33. Hier wuchs Jürgen Habermas auf. Erbaut im Jahr 1922 diente das Haus lange Jahre als Wohn- und Geschäftshaus. Im Erdgeschoss befanden sich über viele Jahrzehnte die Räume der Gummersbacher Industrie- und Handelskammer.

Die IHK in Gummersbach wurde im Jahr 1919 als Zweigstelle der IHK Lennep gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie der IHK Köln angeschlossen. Ernst Habermas, Vater von Prof. Jürgen Habermas, leitete die Gummersbacher IHK über 41 Jahre. Im Jahr 1962 übernahm sein Sohn Hans-Joachim die Leitung, die er bis zum Jahr 1989 inne hatte. In diese Zeit (1981) fiel auch der Umzug von der Körnerstraße in die nur wenige Meter entfernte Talstraße. 2022 zog die IHK schließlich in die Halle 51 auf das Steinmüllergelände.

Ein Wohnhaus in der Gummersbacher Körnerstraße.

Die Familie Brüning wohnt seit dem Jahr 1987 in der Körnerstraße 33.

Das erste Obergeschoss diente der Familie Habermas als Wohnung. So auch den Kindern Hans-Joachim, Anja und Jürgen, dem am 14. März diesen Jahres verstorbenen Philosophen von Weltrang. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in der Körnerstraße, ehe es ihn nach dem Abitur am damaligen Jungengymnasium nach Frankfurt zog. Später hatte er seinen Lebensmittelpunkt im bayerischen Starnberg.

Das Haus gehört heute Dieter Brüning. Seine Familie ist seit 1981 Eigentümerin der Immobilie. „Hans-Joachim Habermas hat das Haus meinem Vater Hans-Gerd Brüning verkauft“, sagt Brüning bei einem Blick in die Akte des Hauses. Er selbst wohnt mit seiner Familie seit dem Jahr 1987 in der Körnerstraße. Den ursprünglichen Zustand des Hauses hat er noch gut in Erinnerung. Unten im Erdgeschoss seien ein Besprechungszimmer und Büros gewesen. „Über eine große Buchentreppe ging es dann hinauf in den Wohnbereich der Familie“, sagt Brüning.

Eine Geschichte hat der heutige Eigentümer noch in guter Erinnerung. „Eines Tages schellte es an der Haustür und draußen standen zwei ältere Herren. Sie stellten sich vor als die Brüder Habermas, die einst in dem Haus gelebt hätten“ , so Brüning. Die beiden hätten gefragt, ob sie sich mal anschauen dürften, was aus ihrem Elternhaus geworden ist. Natürlich habe er sie hereingelassen und die Räume gezeigt.