Hambacher ForstPolizei findet Zwillen im Wiesencamp

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Auch berittene Polizisten riegelten das Camp der Braunkohlegegner am Hambacher Forst ab.

Auch berittene Polizisten riegelten das Camp der Braunkohlegegner am Hambacher Forst ab.

  • Im Februar waren Polizisten und RWE-Sicherheitskräfte mit Feuerwerkskörpern und Steinen beworfen sowie mit Hilfe von Zwillen beschossen worden.
  • Die Aktivisten im Camp haben sich während der Durchsuchung des Camps kooperativ verhalten.
  • Der Eigentümer des Geländes warf der Polizei einen „militärähnlichen Einsatz gegen die Wiesengemeinschaft“ vor.
  • Entlastet sein soll ein Security-Mitarbeiter, der einen Aktivisten mit einem Geländefahrzeug angefahren hat.

Kerpen-Buir – Mit einem Großaufgebot haben Polizeikräfte erneut das Wiesencamp von Braunkohlegegner am Hambacher Forst durchsucht. Weit mehr als 100 Beamte, darunter auch berittene Polizisten und Hundeführer, waren im Einsatz. Die Aktivisten im Camp hätten sich kooperativ verhalten, berichtet der Aachener Staatsanwalt Jost Schützeberg.

Für die Aktion hat die Staatsanwaltschaft eine richterliche Durchsuchungsgenehmigung bekommen. Es gehe darum Straftaten aufzuklären, die im Februar begangen worden seien, sagte Schützeberg. Damals waren Polizisten und RWE-Sicherheitskräfte bei Auseinandersetzungen im Zuge von Rodungen im Wald mit Feuerwerkskörpern und Steinen beworfen sowie mit Hilfe von Zwillen beschossen worden. Schützeberg: „Es war nur ein Zufall, das es damals keine Toten oder Schwerverletzten gegeben hat. Wir gehen davon aus, dass wir Beweismittel im Camp oder im Wald finden.“

Spürhunde im Einsatz

Während der Durchsuchung wurde das Camp umstellt und abgeriegelt. Die Bewohner durften ihre Unterkünfte nicht verlassen, während mit Hilfe von Spürhunden das Lager auf dem Kopf gestellt wurde. Es seien einige Zwillen gefunden worden, sagte Schützeberg im Verlaufe des Nachmittages.

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Gleichzeitig durchsuchte die Polizei mit rund 50 Kräften ein Haus in Düren, dass die Aktivisten als „Werkstatt für Aktionen und Alternativen“ (WAA) nutzen.

Über die Rechtmäßigkeit des Camps wird zurzeit noch vor Gericht gestritten. Der Kreis Düren will es räumen lassen. Die Braunkohlegegner aber sehen das Camp vom Recht auf Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, quasi als eine Art Dauer-Demonstration, gedeckt. Der Eigentümer des Geländes warf der Polizei nun einen „militärähnlichen Einsatz gegen die Wiesengemeinschaft“ vor.

Wie es in dem schon Anfang März erlassenen Durchsuchungsbefehl heißt, bestehe wegen der Taten im Februar der Verdacht des Landfriedensbruchs im besonders schweren Fall, der gefährlichen Körperverletzung und der Sachbeschädigung. Bei den Vorgängen im Februar sollen Mitarbeiter und Polizisten unter anderem mit walnussgroßen Steinen und Metallmuttern in Euro-Größe beschossen und teilweise auch getroffen worden sein. 

„Mordversuch“ war keine Absicht

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass die Täter das Wiesencamp und die WAA als Rückzugsort nutzen. Die Durchsuchung könne gegebenenfalls aber auch dazu dienen, die dort Wohnenden zu entlasten, heißt es im Durchsuchungsbefehl

Entlastet sein soll jetzt auch ein Security-Mitarbeiter, der im Januar einen Aktivisten mit einem Geländefahrzeug angefahren hat. Ihm wird von Seiten der Braunkohlegegner „Mordversuch“ vorgeworfen.

Wie es in einem Bericht des WDR heißt, habe die Staatsanwaltschaft Köln aber nun ermittelt, dass es sich um einen unabsichtlichen Zusammenstoß gehandelt habe. Der Fahrer des Wagens habe sich ducken müssen, weil das Fahrzeug mit Steinen beworfen wurde, und so die Kontrolle verloren.

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