Abo

„Das ist ein Wunder“30 Millionen Euro für den Erhalt von Schloss Türnich in Kerpen

3 min

Für die vollständige Sanierung und Ausstattung des Herrenhauses und der Schlosskapelle im Barockensemble des Schlosses Türnich und Arbeiten am Schlossvorplatz, der Zufahrtsbrücke und dem Park ist das Geld aus dem Investitionsgesetz Kohleregion NRW gedacht.

Die Spuren des Tagebaus sind am Gebäude sichtbar. In Kerpen soll nun ein Ort entstehen, der die Geschichte der Region und ihre Zukunft zusammenführt.

Wer einen Altbau sein Eigen nennt, muss so einiges mitbringen: Leidensbereitschaft, Geduld, möglichst eigenes handwerkliches Geschick. Ersparnisse schaden gewiss auch nicht. Das gilt nicht minder für die vermeintlich privilegierten Menschen, denen ein Schloss gehört. Nicht wenige dieser pompösen Bauwerke hat der Rhein-Erft-Kreis zu bieten. Eines ist Schloss Türnich in Kerpen.

Doch es ist längst kein Prachtschloss mehr. Für Graf Severin von Hoensbroech, den Vertreter der Eigentümerfamilie, steht das zwischen 1757 und 1766 erbaute Gebäude exemplarisch für die Folgen des jahrzehntelangen Braunkohleabbaus in der Region, weil es durch Grundwasserabsenkung auseinanderzubrechen drohte. 1979 hatte die Familie der Grafen von Hoensbroech das Gebäude verlassen müssen. 40 Jahre Leerstand hätten zudem ihre Spuren hinterlassen.

Doch nun spricht von Hoensbroech von einem Wunder. Für 30 Millionen Euro wird Schloss Türnich in den kommenden Jahren saniert. Das Geld ist gedacht für die vollständige Sanierung und Ausstattung des Herrenhauses und der Schlosskapelle im Barockensemble des Schlosses Türnich sowie Arbeiten am Schlossvorplatz und im Park sowie die Sicherung der Zufahrtsbrücke.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat mit zur Restsumme beigetragen

Bei einer Feierstunde hat NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach am Mittwochnachmittag einen Fördermittelbescheid über 26,9 Millionen Euro nach dem Investitionsgesetz der Kohleregion NRW an die Kultur- und Naturstiftung Schloss Türnich übergeben.

Zudem hatte Annette Liebeskind als Leiterin der Denkmalförderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz der Schloss-Stiftung einen symbolischen Scheck über rund 3,1 Millionen Euro zur Finanzierung des nötigen Eigenanteils übergeben. Das Geld kam durch private Zuwendungen über die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und eine weitere Spende von der Isabel und Balz Baechi Foundation zusammen.

Die Sanierung des Herrenhauses sei weit mehr als die Rettung eines bedeutenden Baudenkmals. „Die Kultur- und Naturstiftung Schloss Türnich möchte das Ensemble zu einem Ort entwickeln, an dem die Geschichte unserer Region mit den Fragen ihrer Zukunft zusammenkommt“, sagte Hoensbroech.

Ministerin Ina Scharrenbach (Mitte) übergab den Fördermittelbescheid über rund 27 Millionen Euro an den Vorstand der Kultur- und Naturstiftung Schloss Türnich Graf Severin von Hoensbroech und Lovis Schaeffer.

Ministerin Ina Scharrenbach (Mitte) übergab den Fördermittelbescheid über rund 27 Millionen Euro an den Vorstand der Kultur- und Naturstiftung Schloss Türnich Graf Severin von Hoensbroech und Lovis Schaeffer.

Gemeinsam mit den vielen Initiativen und Einrichtungen entlang der Erftaue könne hier ein besonderer Raum für Begegnung, Bildung und neue Ideen entstehen, ein konkreter Beitrag zu einem nachhaltigen Strukturwandel im Rheinischen Revier: das Zukunftsforum Schloss Türnich.

Als „Fass mit sehr tiefem Boden“ bezeichnete Hoensbroech die Sanierung des Schlosses. Mit der Förderbewilligung sei endlich der Boden in Sichtweite gekommen. Auf die Erläuterung der Ministerin, das Geld werde für den Durchführungszeitraum bis Juli 2029 bewilligt, antwortete er mit einem Lächeln: „Ja, kein Problem.“

Zum Gruppenfoto auf der Freitreppe des Herrenhauses versammelten sich alle, die in vielen Jahren das Barockensemble Schloss Türnich gefördert haben.

Zum Gruppenfoto auf der Freitreppe des Herrenhauses versammelten sich alle, die in vielen Jahren das Barockensemble Schloss Türnich gefördert haben.

Vierzig Jahre Leerstand, verursacht durch die Schäden der Grundwasserabsenkung als Folge des Braunkohlenabbaus, haben im Inneren des Herrenhauses deutliche Spuren hinterlassen.

40 Jahre Leerstand, verursacht durch die Schäden der Grundwasserabsenkung als Folge des Braunkohlenabbaus, haben im Inneren des Herrenhauses deutliche Spuren hinterlassen.

Um Missverständnissen zuvorzukommen, erläuterte Severin Hoensbroech, das Geld werde nicht verwendet, um das Herrenhaus auf den Einzug der gräflichen Familie Hoensbroech vorzubereiten. „Dann würde ich zehn Millionen schon mal für die Dienerschaft zurücklegen, ohne die der Betrieb eines gräflichen Herrenhauses nicht möglich wäre“, scherzte er.

„Mit dem Zukunftsforum Schloss Türnich kann dieses einzigartige Juwel im Rheinland wieder zu neuer Blüte finden“, sagte Ministerin Scharrenbach. Mit der Öffnung des denkmalgeschützten Schlosses für die Öffentlichkeit setze die Stadtentwicklung im Rheinischen Revier klare Wegmarken. Es gehe darum das Vorhandene behutsam weiterzuentwickeln, es entstehe ein Heimatort für eine neue Zukunft, ein vertrauter Ort für Menschen im Wandel. Auch Landrat Frank Rock, Bürgermeister Thomas Jurczyk und die grüne Landtagsabgeordnete Antje Grothus würdigten die Bewilligung der Fördersumme für das Schloss als historischen Moment.

Da der Erfolg viele Väter und Mütter hat, gab es natürlich auch ein Gruppenfoto mit rund 90 Freundinnen und Freunden des Schlosses Türnich, Politikern und drei Generationen der Familie rund um Gräfin Marie-Thérèse und Graf Godehard von Hoensbroech auf der Freitreppe des Herrenhauses. Ein Vorgeschmack auf die vielen Besucher, die in wenigen Jahren in Türnich wieder ein Prachtschloss betreten werden.