Anlässlich des bevorstehenden fünften Jahrestags der Flutkatastrophe hatte die Stadt Bad Münstereifel zu einem Helferfest eingeladen.
Flut 2021Stadt Bad Münstereifel mit einem emotionalen Dank an die Helfer von damals

Zahlreiche Gäste nahmen am Samstag beim Helferfest zum fünften Jahrestag der Flut in Bad Münstereifel teil.
Copyright: Cedric Arndt
Ein Spaziergang durch die Bad Münstereifeler Innenstadt lässt heute kaum noch erahnen, welche unvorstellbaren Wassermassen hier vor fünf Jahren gewütet haben. Während zwischen Orchheimer und Werther Tor sowie hinauf zum Rathaus die meisten Spuren der Flut beseitigt sind, zeugen andernorts noch immer kleinere Baustellen von den Aufgaben, die in der Kurstadt weiterhin zu bewältigen sind.
„Ehe der letzte Stein gesetzt ist, wird noch viel Zeit vergehen“, sagte Bürgermeister Sebastian Glatzel am Samstagnachmittag. Für die bereits geleistete Arbeit – sowohl beim Wiederaufbau als auch bei der Bewältigung der seelischen Folgen der Flut – sei es nun an der Zeit, Dank zu sagen. „Wir wissen sehr genau, dass wir all das nicht allein hätten schaffen können, sondern nur gemeinsam.“ Unter dem Motto „Gemeinsam stark“ hatte die Stadt deshalb zum Helferfest auf den Klosterplatz eingeladen, um den unermüdlichen Einsatz der zahlreichen Helferinnen und Helfer zu würdigen.
Ministerin Ina Scharrenbach sagte weitere Mittel für Wiederaufbau zu
Zu den Gästen zählten zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft. Sie verbanden ihre Worte des Dankes mit Zuversicht für die Zukunft. „Wir feiern heute ein sehr trauriges Jubiläum“, sagte Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen. „Darum ist es so wichtig, an diesem Tag zusammenzukommen, um uns die Ereignisse und den daraus entstandenen Zusammenhalt in Erinnerung zu rufen.“

Ministerin Ina Scharrenbach versprach, auch im Haushalt 2027 Gelder für den anhaltenden Wiederaufbau zur Verfügung zu stellen.
Copyright: Cedric Arndt

Das Hochwasserschutzkonzept stellte Bürgermeister Glatzel, hier mit Moderatorin Manuela Klein, vor.
Copyright: Cedric Arndt
Bislang seien rund 4,7 Milliarden Euro für den Wiederaufbau in NRW bewilligt worden. Auch im Landeshaushalt 2027 seien weitere Mittel vorgesehen, um besonders betroffene Kommunen wie Bad Münstereifel bei den anstehenden Aufgaben zu unterstützen.
Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Voussem erinnerte an die einschneidenden Erlebnisse der Flutnacht. „Es gibt Tage im Leben, von denen man noch ganz genau weiß, was man gemacht hat und mit wem man gesprochen hat“, sagte er. Die Flutkatastrophe habe sich inzwischen ebenfalls in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Gleichzeitig hob Voussem die außergewöhnliche Hilfsbereitschaft hervor: „Man darf nicht vergessen, dass wir uns damals noch in der Corona-Zeit befanden. Dennoch hat nach der Flut niemand gefragt, wer du bist oder woher du kommst. Alle haben sich gegenseitig geholfen und unterstützt.“
Bürgermeister Sebastian Glatzel lobt Ziele des Hochwasserschutzkonzepts
In einer Podiumsdiskussion informierten die Teilnehmer über Maßnahmen, mit denen die Stadt künftig besser auf Starkregen- und Hochwasserereignisse vorbereitet sein will. Glatzel stellte dabei insbesondere das bereits eingereichte Hochwasserschutzkonzept vor. „An den Erft-Zuflüssen werden Pegelsensoren angebracht. Außerdem planen wir Feuchtesensoren im Boden, um frühzeitig zu erkennen, wann dieser kein zusätzliches Wasser mehr aufnehmen kann.“ Beide Systeme sollen die Vorwarnzeit deutlich verlängern und helfen, Menschenleben zu schützen. Insgesamt umfasst das Konzept 18 Maßnahmen.
Hätte es in den vergangenen fünf Jahren nur Empörer gegeben, würde ich heute hier nicht stehen.
Der Bad Münstereifeler Buchhändler Josef Mütter betonte zugleich die Verantwortung jedes Einzelnen: „Es gibt vieles, worüber man sich derzeit zu Recht empören kann. Aber Empörung allein, ohne Vorschläge, wie man etwas verbessern könnte – so wie es eine bestimmte Partei derzeit vormacht –, reicht einfach nicht“, sagte er. „Hätte es in den vergangenen fünf Jahren nur Empörer gegeben, würde ich heute hier nicht stehen. Das habe ich den Menschen zu verdanken, die aktiv geworden sind und geholfen haben.“
Emotionaler Fest-Abschluss mit kölscher Veedels-Hymne
Bei diesem Engagement dürfe man sich nicht allein auf die Politik verlassen, so Mütter: „Ja, der Staat hat wichtige Aufgaben, die er bestmöglich erfüllen muss. Auch wenn er das derzeit leider nicht tut, wenn man sich beispielsweise die Maßnahmen von Frau Reiche anschaut, die den Klimaschutz um Jahre zurückwerfen. Aber wir alle können einen kleinen Beitrag leisten – ganz ohne erhobenen Zeigefinger.“
Musikalisch wurde das Fest von Ensembles wie dem Chor Allegro vivace, der Blaskapelle Brassanova und dem Kölner Musiker Torben Klein gestaltet. Bei dem Lied „In unserem Veedel“ lagen sich viele Besucher in den Armen – ein emotionaler Abschluss eines Tages, der einmal mehr zeigte, wie eng die Flutkatastrophe die Menschen bis heute verbindet.
