Nach ihrem Fortzug aus Hürth hat die „Oberberg Somnia Fachklinik Köln Herrig“ nun ihren Betrieb aufgenommen.
Platz für 66 PatientenIn Erftstadt wurde aus historischem Vierkanthof eine moderne Klinik

Ein modernes Klinikgebäude entstand anstelle des abgerissenen Vierkanthofes, dessen Klinker wiederverwendet wurden, erläuterten Chefarzt Jaroslav Malevani (M.) und Hans Wilhelm Contzen (2. v. r.).
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Dort, wo früher das Auto der Familie Contzen parkte, erstrahlen heute die Edelstahloberflächen einer Großküche neben dem Essraum in der einstigen Scheune. Im Wohnzimmer des historischen Herrenhauses des Schröddershofes ist ein Empfangsbüro eingerichtet, und anstelle der Backsteinmauern des einstigen Vierkanthofes neben dem früheren Anwesen der Adelsfamilie Wolff von Rheindorf steht heute ein Klinikgebäude aus Sichtbeton und Glas. Es umschließt einen begrünten Innenhof für die Unterbringung und Behandlung von 56 stationären und zehn Tagespatienten.
Nach ihrem Umzug vom alten Standort in Hürth zum Schöddershof hat die „Oberberg Somnia Fachklinik Köln Herrig“ am 1. Juni ihren Betrieb aufgenommen. Zur Eröffnungsfeier der Privatklinik für psychische Erkrankungen empfingen Chefarzt Dr. Jaroslav Malevani und der Eigentümer des Hofes, Hans Wilhelm Contzen, im Versammlungsraum zahlreiche Gäste, darunter die Architektin Angela Deuber, Projektleiter Christoph Hett, Bürgermeisterin Carolin Weitzel sowie Mitglieder aus Rat und Verwaltung.
Von Widerständen und Befürchtungen ist keine Rede mehr
Von den Widerständen gegen die Errichtung einer Klinik für psychische Erkrankungen im 500-Seelen-Ort, vom Streit um den Abriss des alten Vierkanthofes oder Befürchtungen wegen eines erhöhten Verkehrsaufkommens im kleinen Ort war bei der Feier keine Rede mehr.
Angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen sei die Klinik auf dem Schöddershof wichtiger denn je, denn psychische Erkrankungen gehörten zu den häufigsten Gesundheitsproblemen unserer Zeit – oftmals unterschätzt und tabuisiert, sagte Carolin Weitzel. „Ein Ort mit großer Tradition wird ein Ort der Heilung, der Begegnung und des gesellschaftlichen Miteinanders“, sagte die Bürgermeisterin. Sie wünschte allen mehr Offenheit und Verständnis im Umgang mit psychischen Krankheitssymptomen. Ihr Dank galt Hans Wilhelm „Bill“ Contzen, ohne dessen persönlichen Einsatz der Betriebsbeginn so nicht möglich gewesen wäre.
Grüße der NRW-Ministerin Ina Scharrenbach richtete die Bürgermeisterin an Contzen aus, die dem Abriss des alten Vierkanthofes zugestimmt hatte. Entgegen der Bezeichnung „Köln-Herrig“ freute sich die Bürgermeisterin, in Erftstadt am Fliederweg zu sein. Auch Hans Wilhelm Contzen schilderte seine Verblüffung über die Bezeichnung „Köln-Herrig“ auf dem Firmenschild am Eingang zur Klinik. Ein Irrtum? „Das machen wir immer so“, habe ihm Chefarzt Jaroslav Malevani telefonisch versichert.
Der 77-jährige Bauherr bedankte sich bei seiner Frau Silke und seiner Tochter Carola Contzen-Thoma für die Unterstützung. Die Blumen des Chefarztes überreichte er ihm zurück, „für den Schreibtisch“, morgen sei er ohnehin wieder an einem seiner Wohnsitze in Nizza. „Mit dem neuen Standort schaffen wir zusätzliche Angebote für Patientinnen und Patienten in der Region und stärken auch die überregionale Versorgung nachhaltig“, sagte Jaroslav Malevani.
Neue Klinik beschäftigt 80 Mitarbeiter
Die Klinik mit 80 Mitarbeitenden sei ein neuer, großer Arbeitgeber vor Ort. Sieben von acht Bestandsgebäuden auf dem 60.000 Quadratmeter großen Gelände des Schöddershofs konnten im Rahmen des Umbaus als moderner Gesundheitsstandort mit energieeffizienter Bauweise, Regenwassernutzung und Photovoltaikanlage gestaltet werden. Mit der lichtdurchfluteten Architektur des neu gebauten Klinikgebäudes sowie dem Garten und der Natur auf dem Gelände habe die Planung besonderen Wert auf eine heilsame Umgebung gelegt, so Malevani.
Erhalten geblieben seien zudem alte Bäume auf dem Gelände, die Feldbrandsteine des Vierkanthofes wurden als Material für die Außenmauern der Klinik genutzt.
