Der Kerpener Thomas Mund erlitt 2017 einen Schlaganfall und musste wieder Gehen und Sprechen lernen.
SchlaganfallKerpener kämpft sich aus dem Rollstuhl zurück aufs Fahrrad

In Keller und Garage seines Hauses in Kerpen lackiert, desgingt und bastelt Thomas Mund, so gut es eben nach seinem Schlaganfall noch geht, an Rädern, Karts und Helmen.
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Thomas Mund erinnert sich noch genau an den 23. Juli 2017. Es war ein Sonntagmorgen, an dem er plötzlich nicht mehr gehen, schlucken oder richtig sprechen konnte, der Schlaganfall traf ihn im Schlaf. „Wie halbtot habe ich mich gefühlt, denn die eine Seite funktionierte nicht mehr“, erzählt Mund. Dabei war er zu diesem Zeitpunkt mitten im Trainingsplan für ein Radrennen angemeldet, das am Nürburgring stattfinden sollte.
Bereits 2016 hatte der gelernte und passionierte Lackierer beim 24-Stunden-Rennen mit einem Team teilgenommen. Der Wahl-Kerpener fuhr Kart- und Radrennen und war und ist dem Motorrad- und Autosport zugetan. „Der Radsport ist das größte Glück“, schwärmt Mund. Kein Wunder, dass er dem behandelndem Arzt nach dem Schlaganfall erstmal klarmachen musste, dass er doch auch dieses Jahr, 2017, auf den Nürburgring zum Radfahren musste. Doch was folgte, war zunächst ein Rollstuhl, Reha, Physiotherapie.
Kerpen: Sport ist für Thomas Mund Motor und Medizin zugleich
„Das schlimmste war, nicht mehr selbstbestimmt zu sein. Das wollte ich nicht, aufzugeben war für mich keine Option“, erzählt Thomas Mund. Und als er wusste, dass er alles zumindest neu lernen könne, zeigte sich seine immense Willenskraft. Sport ist für Thomas Mund sein Motor und „wie Medizin“. So arbeitete Mund sich zurück ins Leben, trainierte und baute durch Beinpresse, spezielles Schwimmtraining im Strömungskanal und Physiotherapie seine Muskulatur allmählich wieder auf.
2018 saß er wieder das erste Mal auf einem Spinningbike im Fitnessstudio. Aufgeregt? Keine Spur, denn die Freude überwog. 2020 machte Mund einen speziellen Schein beim TÜV, um seine Fahrtauglichkeit im Straßenverkehr unter Beweis zu stellen und ließ sein Auto umbauen. Weil seine linker Arm noch immer gelähmt ist, ließ Mund sich sein Zweirad in ein Dreirad umbauen, sodass er wieder selbstständig Rad fahren kann. „Aber natürlich geht alles nicht mehr so schnell wie früher“, sagt der Radliebhaber, doch fügt er schmunzelnd hinzu: „Aber früher war ich auch immer im D-Zug-Tempo unterwegs.“
Trotz seines eisernen Willens und der großen Motivation und Stärke, die Thomas Mund an den Tag legt, sinniert er manchmal in seinem Keller, der für ihn Rückzugsort wie Spielwiese gleichermaßen ist: „Natürlich wird man manchmal nachdenklich, schaut sich Fotos an und schwelgt in alten Zeiten. Man fragt sich: Wer bist du? Wer warst du?“
Die großzügigen Räumlichkeiten im Keller sind gefüllt mit Plakaten von Kartrennen, Fotos, Medaillen und Regalen voller Pokale. Ein Lewis-Hamilton-Pappaufsteller, sogar ein Rennkart und selbst designte und lackierte Helme. Auch eine Garage schließt sich an, gefüllt mit noch mehr Karts, Motorrädern und allen Utensilien und Werkzeugen, die man zum Lackieren, Schrauben und Umbauen braucht. „Das alles wollte ich nach dem Schlaganfall weggeben, weil ich so deprimiert war. Heute bin ich froh, dass ich noch alles hab.“ Und er ist froh, nicht aufgegeben zu haben.
Mit seiner Geschichte möchte Mund vor allem eins: Mutmachen. „Ich erzähle das hier alles nicht, um mich darzustellen. Ich will ein Vorbild sein, anderen helfen und zeigen, dass man es schaffen kann.“ Vielleicht in anderer Form als früher. Doch vor drei Wochen fuhr Thomas Mund mit seinem umgebauten Rad am Nürburgring und drehte seine Runden.
