2005 pflanzten Michael Becker und sein Bruder Heinz 115 Olivenbäume. Der erste Olivenhain nördlich der Alpen sprach sich schnell herum.
Mein LieblingsplatzMichael Becker entspannt in seinem Olivenhain in Pulheim-Stommeln

Gärtnermeister Michael Becker zieht sich gerne in den Olivenhain zurück.
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Im südspanischen Andalusien oder im italienischen Apulien sind sie ein vertrauter Anblick: Lang gestreckte Olivenhaine mit den typischen Baumreihen, die so aussehen, als ob die Bauern ein Lineal angelegt hätten, um die Pflanzen zu setzen. Nördlich der Alpen haben die knorrigen, langsam wachsenden Bäume dagegen eher Seltenheitswert. Auf Terrassen oder Balkonen sind sie ab und an zu sehen – eingepflanzt in riesige Töpfe. Das war's dann.
Pulheim: Brüder pflanzten 115 Olivenbäume
Mit dem Ölbaum im Topf wollten sich Michael Becker und sein Bruder Heinz nicht zufriedengeben. Inspiriert von seiner Liebe zu Italien, insbesondere zu der süditalienischen Region Apulien, legten die Gärtnermeister 2005 auf dem Gelände ihres Gartenhofs Becker in Pulheim-Stommeln einen Olivenhain an. „Wir haben uns damals rangetraut, weil man schon vorhersehen konnte, dass sich das Wetter in den Sommer- und den Wintermonaten verändern wird“, so Michael Becker über seinen Lieblingsplatz, einen Ort der Erinnerungen.
115 Olivenbäume pflanzten die Brüder damals, angeordnet in fünf Reihen. Der erste Olivenhain nördlich der Alpen sprach sich schnell herum. Die frostresistenten Sorten Leccino und Cipressino entwickelten sich von Anfang an gut. „Die Bäume haben mir sehr viel Freude gemacht, weil sie auf unserem tollen Boden gut gewachsen sind. Das hätte ich nicht gedacht.“ Ganz ohne Verluste ging es allerdings nicht. Einige Bäume mussten ersetzt werden, weil sie Stürmen nicht standhielten oder einen Temperatursturz wie im Winter 2008/2009 auf bis zu minus 18 Grad nicht überlebten.
Das sind immer schöne Begegnungen
„Eine tolle Erfahrung“ war die erste Olivenernte im Jahr 2020, auch wenn die Ausbeute nicht so üppig war wie erhofft. Aus 90 Kilogramm Oliven hat das Ernteteam um Michael Becker und Bastian Jordan, der auf der griechischen Insel Lesbos Olivenöl produziert, gerade mal dreieinhalb Liter gewonnen. Die Presse hatte ihre Tücken, es war sehr zeitaufwendig, weil die Technik nicht so ausgereift war. Umso mehr blieb Michael Becker das Miteinander in Erinnerung. „Familie und Freunde haben geholfen und einige spontane Helfer, die über die geplante Olivenernte gelesen hatten, sind vorbeigekommen.“
Vor fast drei Jahren wurde erneut geerntet – diesmal deutlich erfolgreicher. „Wir haben 200 Kilo geerntet. Ich habe sie entbittert, eingelegt und in kleine Gläser gefüllt.“ Eine Wahnsinnsarbeit sei das. „Ein paar Gläser sind noch übrig. Ich werde sie bei der nächsten Ernte anbieten.“ Irgendwann möchte der 61-Jährige die eingelegten Oliven auch verkaufen. „Das Projekt ist in der Mache, dafür sind Abstimmungen mit Behörden erforderlich.“

Ein Lehrpfad im Olivenhain – auf zehn Tafeln stehen Informationen über den Olivenbaum.
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Der Olivenhain ist immer wieder auch Kulisse für Treffen mit Freunden. „Ich stelle einen Tisch auf, wir essen zusammen, das sind immer schöne Begegnungen.“ Zweimal im Jahr gibt es dort Verkostungen mit einer Olivenölsommelière. Einmal jährlich heißt es „Genuss im Olivenhain“: „Ein Koch bereitet ein Menü zu, unter anderem mit unseren Produkten.“ Gerne zieht sich Michael Becker, Geschäftsführer des Gartenhofs, mit einem Buch in den Olivenhain zurück. „Ich sitze oft und gerne dort, es ist ruhig, eine angenehme Stimmung, es ist der ideale Ort zum Entspannen.“
Im Olivenhain mit dem Lehrpfad finden sich immer wieder Schulklassen der Papst-Johannes-XXIII.-Schule für Projekte ein. „Das finde ich sehr schön.“ Eine besondere Erinnerung verbindet Michael Becker mit dem ehemaligen Stommelner Pfarrer Walter Schmickler. 2007 habe er den Geistlichen gefragt, ob hinter dem Olivenhain eine Messe gefeiert werden könne. Walter Schmickler machte es möglich, einige Hundert Menschen kamen.
„Die Idee kam sehr gut an. Pfarrer Schmickler sagte später zu mir: ‚Wenn der alte Becker das sehen könnte.‘“ Dafür muss man wissen, dass Michael Beckers Vater Heinz, der inzwischen verstorbene Firmengründer, zunächst wenig angetan war von der Idee mit den Olivenbäumen. „Als mein Vater, er war ein klassischer Gärtner, gehört hat, dass wir einen Olivenhain anlegen wollten, hat er zu meinem Bruder gesagt: ‚Jetzt flippt er aus.‘“
Wenn Michael Becker von seinem Lieblingsplatz erzählt, gerät er regelrecht ins Schwärmen. „Es macht mir einfach Freude zu sehen, dass sich die Bäume gut entwickeln.“ Sobald er Ende Juni, seiner klassischen Urlaubszeit, aus Apulien zurückkomme, laufe er erst mal durch den Olivenhain. „Um zu gucken, ob sich nach der Blüte schon Früchte gebildet haben.“ Sein Wissen über den Olivenbaum gibt Michael Becker gerne weiter. „Ich bekomme oft Anfragen per E-Mail.“
