Eine überschaubare Zahl AfD-Anhänger feierte in Kerpen den Wahlsieg in Sachsen-Anhalt. Was sie übersehen: Die Demokraten sind mehr als sie.
AfD wird radikalerMinderheit führt sich in Rhein-Erft auf, als sei sie die Mehrheit


Das Kerpener Bündnis für Demokratie und Vielfalt hatte zur Demo gegen die Siegesfeier des AfD-Stammtisches eingeladen.
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Sie mochten noch so sehr jubeln und feixen über den Wahlerfolg der AfD, die in Sachsen-Anhalt nur knapp die absolute Mehrheit verfehlt hatte – doch auf dem Friedrich-Ebert-Platz in Kerpen-Horrem waren die Anhänger der AfD deutlich in der Minderheit.
Und sie werden es auch bleiben. Jedenfalls so lange, wie so viele Menschen wie am vergangenen Sonntag deutlich machen, dass sie ihre Stadt und ihr Land gegen eine Partei verteidigen werden, die in Teilen als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird.
Rhein-Erft-Kreis: Die AfD wagt sich mehr und mehr aus der Deckung
Mit 150 Teilnehmern hatten die Initiatoren des Kerpener Bündnisses für Demokratie und Vielfalt gerechnet, als sie ihren Demonstrationszug und ihre Kundgebung gegen die AfD-Wahlparty bei der Polizei anmeldeten. Es wurden aber deutlich mehr. 500 Teilnehmer vermeldete die Polizei. Teilnehmer wollen mindestens 800 gezählt haben – und kritisierten die offiziellen Angaben.
Am Ende mag man trefflich darüber streiten, wer denn nun Recht hat. Entscheidend ist freilich nicht, wie viele es denn nun wirklich gewesen sind. Wichtig ist das Zeichen, das die Teilnehmenden gesetzt haben und die Botschaft, die davon ausgeht: Zwar mochten die AfD-Sympathisanten – es mögen wohlwollend 100 gewesen sein – den Erfolg ihrer ostdeutschen Parteifreunde feiern, aber in der Kolpingstadt (und anderswo) wird ihnen entschieden Einhalt geboten.

AfD-Funktionäre und -Anhänger bejubelten den Wahlsieg ihrer Partei in Sachsen-Anhalt.
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Das verhindert gleichwohl nicht, dass sich die AfD auch im Rhein-Erft-Kreis im Aufwind wähnt und verbal wie argumentativ in Gefilde vordringt, mit denen politische Gegner auf despektierliche und hämische Art und Weise der Lächerlichkeit preisgegeben und verunglimpft werden. Da tut sich insbesondere der Kerpener Jeremy Jason hervor.
Er, der letztjährige Landratskandidat und potenzielle Landtagsbewerber für die Wahl im April 2027, wahrt längst nicht mehr den Anschein, dass er – nicht zuletzt aufgrund seines Migrationshintergrunds – zum gemäßigten Teil seiner Partei gehört. Das ist Agitation von seiner übelsten Sorte.
Rhein-Erft-Kreis: Auch in anderen Städten wächst der Widerstand
Nun sind die Kerpener wahrlich nicht die einzigen, die erkannt haben, dass von der AfD eine massive Gefahr für unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat ausgeht. In Erftstadt rufen Tina Conrady und Thommy Mewes, die beiden führenden Köpfe der Grünen, zu einer Kundgebung unter dem Motto „Keine Ausreden mehr! AfD-Verbot jetzt!“ auf – als Privatleute, wie sie betonen.
Am Sonntag, 20. September, sprechen um 14 Uhr auf dem Marktplatz in Lechenich namhafte Redner. Ihr Ziel ist es, ein möglichst breites zivilgesellschaftliches Bündnis aus Vereinen, Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften, Initiativen und demokratischen Parteien des Kreises zusammenzubringen. Das scheint weitgehend gelungen zu sein, allerdings fehlen unter den Namen derer, die sich zu Wort melden, Vertreter der Kirchen. Vielleicht zögern sie noch. Sollten sie aber nicht.
Und vielerorts haben Volkshochschulen und die Städte selbst ihre Bemühungen zur Aufklärung intensiviert, so wie in Bedburg: „Rechtsruck? – Ohne mich!“ lautet der Titel der Veranstaltungsreihe. Vorträge sollen verdeutlichen, in welchen Bereichen der Gesellschaft ein Rechtsruck zu spüren ist.
All dies nutzt allerdings nichts, wenn nicht jeder Einzelne in seinem privaten Umfeld wachsam ist und rechtsextremen Strömungen und Meinungen rechtzeitig Einhalt gebietet.
Wir haben viel zu verlieren.
