Sie sind mit Enthusiasmus und auch Respekt gestartet. Doch Prokop, Tietz und Jurczyk wurden vom grauen Alltag eingeholt.
Geld fehlt, Haushalt blockiertNeue Bürgermeister in Rhein-Erft schon im Krisenmodus


Sie wurden im September 2025 erstmalig gewählt (v.l.): Thomas Jurczyk (Kerpen), Marc Prokop (Brühl) und Uwe Tietz (Frechen).
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Viele Tausende Schülerinnen und Schüler werden in den kommenden Wochen ihren Abschluss in der Tasche haben und ihren weiteren Lebensweg planen. Und sicher wird der eine oder andere – und natürlich auch die eine oder andere – diesen Satz hören, mal mahnend, mal scherzend: „Augen auf bei der Berufswahl!“
Für Dr. Marc Prokop, Thomas Jurczyk und Uwe Tietz kommt dieser Ratschlag deutlich zu spät: Spätestens 2025 haben sie sich im Alter von Anfang bis Mitte 50 dazu entschieden, im Kommunalwahlkampf für ihre Parteien als Bürgermeister zu kandidieren. Keiner der drei Männer wurde ihm ersten Wahlgang am 12. September gewählt, aber bei der Stichwahl 14 Tage darauf setzten sie sich recht klar gegen ihre Mitbewerber (Tietz und Jurczyk) durch, und auch Prokop behielt gegen seine Mitbewerberin die Oberhand.
Alle drei neuen Bürgermeister zeigten Respekt vor der Aufgabe
War der Sieg des letztgenannten Brühlers zu erwarten, überraschten die Erfolge von Tietz und Jurczyk angesichts der gewachsenen politischen Verhältnisse in Frechen beziehungsweise Kerpen doch. Die SPD-Männer profitierten jedoch auch von kuriosen Personalentscheidungen der CDU – was ihren eigenen Anteil ihrer Wahl nicht schmälern soll. Gewonnen ist gewonnen!
Entsprechend groß war bei allen, auch beim Christdemokraten Prokop, die Freude darüber, die Chefsessel in ihren Rathäusern einnehmen zu dürfen – um den Preis, ihre bisherigen Berufe aufzugeben. Bis zum Amtsbeginn kam neben dem Gefühl gespannter Erwartung auch eine Portion Respekt dazu; das räumten die Gewählten in einem Redaktionsgespräch ein.

Vor der jüngsten Sitzung des Brühler Stadtrats wurde gegen die Erweiterung des Phantasialands auf Kosten des Naturschutzgebietes Ententeich demonstriert.
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Die Ursache dafür mag mit dem exponierten Amt zu tun gehabt haben; sicher aber auch im Wissen darum, dass sie in einer Phase Bürgermeister werden würden, die für Kommunen nicht einfach ist: Die finanziellen Gestaltungsspielräume waren eng, und die Bedingungen haben sich seither für Brühl, Kerpen und Frechen nochmals verschlechtert. Die Ursachen sind überwiegend außerhalb der Kommunen zu suchen: Bund und Land übertragen ihnen Aufgaben, ohne eine gesicherte Finanzierung zu gewährleisten.
Doch auch Tietz, Jurczyk und Prokop haben Fehler gemacht. In Brühl ist Prokops Verwaltung der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan und die Änderung des Flächennutzungsplans zur Erweiterung des Phantasialands im Rat um die Ohren geflogen. Überraschen durfte es niemanden, der die politische Landschaft in der Schlossstadt kennt. Möglicherweise ein Nachteil für Prokop, dass er zuvor nie dem parlamentarischen Personal angehörte und er fälschlicherweise meinte, das strittige Thema mit der CDU/SPD-Mehrheit mal eben so durchpeitschen zu können.
Es wird sich zeigen, welcher der drei Neulinge am Ende am besten agiert
Eine ähnliche Bruchlandung erfährt Jurczyk: Wessen Idee es auch immer gewesen ist – aber das gut frequentierte Hallenbad zu schließen, um das Freibad für vergleichsweise überschaubare heiße Sommertage zu öffnen: Sie fällt dem Sozialdemokraten gerade komplett vor die Füße. Auch das war absehbar. Und ist zum Spielball für die Politik im Ringen um den Haushalt geworden.
Tietz als ehemaliger Ratsherr wiederum hatte schon vor Wochen seine erste unliebsame Berührung mit der harten Realität als Verwaltungschef: Ihm flog die unzureichende Information im Zusammenhang mit der finanziell bedingten Absage der Kulturwochen um die Ohren.
Manche Perspektivwechsel erfordern ein dickes Fell und Durchsetzungsvermögen. Es wird sich zeigen, welcher der drei Neulinge am Ende am besten agiert.
