Nach Wochen der extremen Hitze und Trockenheit regnet es endlich. Förster, Landwirte und ein Tierarzt reagieren auf den Wetterumschwung.
Endlich NiederschlagWie sich der Regen auf Wald, Felder und Tiere in Rhein-Erft auswirkt

Ein lange nicht dagewesenes Bild: Regenschirme in der Brühler Innenstadt.
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Unter anhaltend hohen Temperaturen und Trockenheit litten in den vergangenen Wochen nicht nur Wälder und Wiesen. Auch Landwirte sowie Nutz- und Haustiere können nun aufatmen. Denn ab jetzt soll es im Rhein-Erft-Kreis wieder deutlich mehr regnen. Was sagen Landwirte, Förster, Kommunen und Tierärzte zum Wetterumschwung? Und reicht der Regen aus oder sind die Böden so ausgetrocknet, dass es sich buchstäblich nur um den Tropfen auf dem heißen Stein handelt?
„Der Wald atmet jetzt erst mal ein bisschen durch“, sagt Revierförster Martin Wiegemann aus Frechen-Königsdorf in Anbetracht des sanften Niederschlags am Montagmorgen (17. August). Doch noch sei es einfach viel zu wenig Regen. Noch komme das Nass vom Himmel ja gar nicht richtig auf dem Waldboden an. „Dieser Regen bleibt in den trockenen Ästen, Zweigen, Blättern und der Vegetation hängen“, erklärt er. Das Wasser reiche deswegen auch nicht aus, um den Waldboden richtig nass zu machen. „Dazu müsste es jetzt einige Tage so durchregnen“, erklärt er.
„Besser als nichts, aber nicht viel mehr als nichts“, fasst Revierförster Florian Claßen aus Kerpen den Niederschlag am Montagmorgen zusammen. Zwar habe der Regen und die kühleren Temperaturen für eine ganz leichte Entspannung der Waldbrandgefahr gesorgt. „Doch gebannt ist die Gefahr noch nicht“, erklärt er. Und ganz davon abgesehen brauche der Wald – die Bäume, Sträucher und auch die Tiere im Wald – ganz dringend Wasser.
Förster hoffen auf weiterhin kühleres Wetter und sanften, langanhaltenden Landregen
Claßen und seine Kollegen hoffen deswegen auf weiterhin kühleres Wetter und einen sanften, langanhaltenden Landregen. Genau den wünschen sich auch die Landwirte – Michael Schumacher zum Beispiel aus Erftstadt-Konradsheim: „Es hat seit acht Wochen, seit dem 18. Juni hier bis heute – 17. August – insgesamt nur zwölf Millimeter Niederschlag gegeben“, berichtet er. Das sei einfach viel zu wenig.
Bei ihm in Konradsheim haben er und viele seiner Berufskollegen darüber hinaus das Problem, dass durch den Tagebau in der Vergangenheit das Grundwasser in etwa 250 Metern Tiefe liegt. „Wir können deswegen hier keine Brunnen zur Bewässerung unserer Felder bohren“, erklärt er. Aktuell überlegt er deswegen, Regenwasserrückhaltebecken zu bauen, um seine Sonderkulturen – Erdbeeren, Spargel und Äpfel – künftig in solch trockenen Phasen bewässern zu können.

Die Felder wie hier in Brühl bei Schwadorf werden weiter bewässert.
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In Brühl-Schwadorf und im gesamten Vorgebirge laufen hingegen die Pumpen. In hohen Fontänen schießt das so wichtige Nass aus den Brunnen durch die Spritzen auf die Felder. Trotz des kleinen Niederschlags am Montagmorgen (17. August) wird das Gemüse auf den Feldern dort ordentlich und zusätzlich bewässert. Ralf-Josef Sturm hatte jahrzehntelang im Nebenerwerb in Brühl-Schwadorf einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb. Heute arbeitet er noch im Minijob in der Landwirtschaft.
Vor allem Hunde leiden laut Tierarzt unter der Hitze
Zum Regen am Montagmorgen sagt er: „Davon brauchen wir mehr – viel mehr.“ Allerdings wünscht auch er sich keinen heftigen Niederschlag, sondern einen zarten Regen, der aber ruhig mehrere Tage anhalten darf. „Nur dann kann das Wasser ja auch in den Boden einziehen“, erklärt er. Die drei Liter Regen am Montagmorgen sieht er eher als „Tropfen auf den heißen Stein“. Die Feuchtigkeit reiche gerade einmal für obendrüber aus. „Noch ist es aber einfach noch zu wenig Wasser, um auch ins Erdreich einzuziehen“, erklärt er.
Ähnlich äußern sich auch die Stadtwerke in Hürth. Die lange Hitzeperiode habe dem städtischen Grün deutlich zugesetzt. Besonders große und ältere Bäume stünden unter erheblichem Trockenstress, vorzeitiger Laubabwurf und Verfärbungen seien die Folge. „Der derzeitige Regen ist hilfreich, reicht aber noch nicht aus, um die Folgen der langen Trockenperiode auszugleichen“, betont Martina Thiele-Effertz, Sprecherin der Stadtwerke. Nach einer derartigen Trockenphase brauche es über einen längeren Zeitraum ausreichend Niederschläge, damit die Böden wieder Wasser aufnähmen und die Feuchtigkeit auch in tiefere Bodenschichten gelange.
„Aus diesem Grund halten die Stadtwerke an ihrem bestehenden Bewässerungsrhythmus fest“, so die Sprecherin. Bis zu 30.000 Liter werden täglich zur Bewässerung der Grünanlagen eingesetzt. Auf den Friedhöfen werden nach wie vor Sprinkleranlagen verwendet. Zwar hätten einzelne Bäume auf Friedhöfen bessere Möglichkeiten, ihr Wurzelsystem in den umliegenden Boden auszudehnen und dadurch zusätzliche Wasserreserven zu erreichen. Dennoch seien auch diese Bäume von der außergewöhnlichen Trockenheit betroffen.

Dr. Sebastian Sarter ist Tierarzt in Horrem.
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Der Tierarzt Sebastian Sarter, der im Tierärztezentrum Neuland in Bergheim praktiziert, sagt: „Den Tieren geht es bei diesen Temperaturen definitiv besser als zuvor.“ Vor allem Hunde litten unter Hitze, da sie nicht im selben Ausmaß wie etwa Menschen schwitzen könnten. „Hunde regulieren ihre Temperatur vor allem über das Hecheln“, erklärt er.
Besonders belastend sei Hitze für alte, herzkranke und kurznasige Hunde, wie etwa für den Mops. Im schlimmsten Fall kollabierten die Tiere, es könne zu Durchfall und Erbrechen kommen. In solchen Fällen sei es am wichtigsten, die Hunde aus der Hitze zu holen. „Man kann auch versuchen, den Hund vorsichtig an den Gliedmaßen zu kühlen, allerdings nicht zu schnell“, sagt Sarter. Auch ein Gang zum Tierarzt sei sinnvoll.
Erftstadt: Rauchverbot in Parkanlagen besteht weiterhin
Auch habe er zuletzt vermehrt trockene Pflanzenfremdkörper an den Vierbeinern gefunden, wie etwa hartnäckige Grannen, die Hunde etwa einatmen können und die dann in Hals, Rachen oder Nase steckenbleiben. Aber auch in den Ohren können die Pflanzenteile landen oder in Fell und Pfoten.
Für Katzen hingegen sei die Abkühlung zwar eine Erleichterung. Sie könnten aber grundsätzlich oft freier entscheiden, wo sie sich aufhielten, und müssten meist nicht Gassigehen, was für Hunde bei starker Hitze und praller Sonne besonders anstrengend sei.
Erftstadt hatte vergangene Woche wegen der extremen Trockenheit und der erhöhten Brandgefahr das Rauchen auf den öffentlichen Parkanlagen verboten sowie am Schlosspark Gracht, am Gesundheitsgarten und im Schlosspark Lechenich Schilder angebracht. Das Verbot besteht auch weiterhin, wie die Stadtverwaltung auf Anfrage der Redaktion bestätigte.
