Rhein-Sieg-Kreis – „Mit der guten alten Dampflok wäre das nicht passiert. Damals wurden ja auch noch die Signale von Hand gesetzt.“ Brigitte Hombach aus Wissen ist sauer. Auf dem Rückweg von einer Kölner Augenklinik strandete sie mit ihrem Ehemann Ferdi am Donnerstag unverhofft in Troisdorf. Nicht nur, dass die Züge dort wendeten und zurück nach Köln, Düren und Aachen fuhren, von Seiten der Deutschen Bahn gab es auch keine Auskünfte, warum das so war und wie die Reisenden weiterkommen würden. Und zu allem Ungemach gibt es auf dem Troisdorfer Bahnhof keine Toilette.
Chaos aber auch in der nahen Kreisstadt: Auf dem ICE-Bahnhof mit internationalem Anspruch, Siegburg/Bonn, wurden ständig Züge in Richtung Hennef/Au/Siegen sowie nach Köln/Düren/Aachen angezeigt und angesagt. Mal sollten sie fünf, dann 14, 30, 45 und schließlich 60 Minuten Verspätung haben. Und dann wurden sie kurzerhand abgesagt. Reisende, die ratlos herumstanden, setzten ihre Hoffnung auf die jeweils nächste Ansage, mit der dasselbe Spiel erneut beginnen sollte. Was wirklich lief, verrieten einzelne Ansagen zwischendurch: Nichts.
Unterdessen waren Bahnmitarbeiter bemüht, Schäden zu beheben und die Ursache für das Chaos auf der Siegtalstecke und auf der ICE-Trasse nach Frankfurt zu beseitigen. Die wurde kurz hinter dem Siegburger Bahnhof im Ortsteil Brückberg ausgemacht. Dort, so teilte die Deutsche Bahn mit, habe am Vormittag der Blitz eingeschlagen, einen Schaltkasten und die Oberleitung beschädigt.
Hatten Reisende schon morgens den Eindruck, dass die Züge schleppend fuhren, tat sich über Mittag fast gar nichts mehr zwischen Troisdorf und Hennef. Sämtliche Signale standen auf „Rot“. Einzelne Züge durften nur auf mündlichen Fahrbefehl und auch dann nur langsam passieren.
Während Ferdi und Brigitte Hombach einen freundlichen Privatfahrer für die Strecke nach Siegburg fanden und sich dort ein Taxi nahmen, disponierten Jörn Friederichs und Carolina Nickel kurzerhand um: Statt in Köln machten sie sich einen schönen Tag in Sankt Augustin und fuhren später per Bus und Bahn zurück nach Stadt Blankenberg. Nach einem Monat mit Bahnreisen in Schweden waren sie verwundert: „Da lief alles prima, die Verbindungen passten. Jetzt sind wir hier und das Chaos ist da ...“.
Entspannt wurde die Situation in Siegburg, als nach 13 Uhr die ICE-Züge wieder fuhren. Sie wurden in Richtung Köln für den Regionalverkehr freigegeben. Weil dennoch weiter S-Bahnen angesagt wurden, nutzten viele Reisende dieses Angebot nicht und blieben in Siegburg, um auf Züge zu warten, die niemals kamen. In Richtung Hennef setzte die Bahn Busse ein. Doch die mussten sich gegen die falschen Anzeigen erst mal durchsetzen. Einzig der Bahnbedienstete an den Siegburger Gleisen redete Klartext: „Hier fährt zurzeit kein Zug.“
Das musste auch Katrin Schüller hinnehmen. Sie war ohne jegliche Information in Windeck-Schladern in den Zug gestiegen und musste in Hennef raus. „Hätte man mich informiert, wäre ich mit dem Auto nach Köln gefahren. Jetzt geht’s nach Bonn.“
