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„Das Virus verändert einen“
Frau Fischer leidet an Corona-Spätfolgen – auch psychisch

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Im März erkrankte die Eitorfer Künstlerin Barbara Fischer an Covid-19 und leidet noch immer unter Spätfolgen. 

Eitorf – In ihrem Atelier auf dem Schoellergelände sitzt sie am liebsten, inmitten ihrer Bilder, aus denen die Farben nur so sprühen. Bunte Stifte, ein Blatt Papier, eine Idee: Barbara Fischer ist froh, dass die Kreativität wieder fließt, auch wenn sie die Kraft für die großen Projekte noch nicht hat. Neun Monate ist es her, dass sie an Covid-19 erkrankte. Unter den Spätfolgen leidet die Künstlerin bis heute. Und nicht nur sie, auch ihre jüngste Tochter kämpft noch immer mit den Folgen der Corona-Erkrankung. Die ganze Familie hatte sich Anfang März angesteckt, bei einem Familientreffen, wie Barbara Fischer erzählt. „Meine älteste Tochter war aus Berlin zu Besuch, sie ist Intensiv-Krankenschwester.“

Tochter steckte unwissentlich Familie an

Dass es diese neuartige Virus-Erkrankung gab, das wusste die Familie; die Tochter war schließlich vom Fach, auch sonst habe sie sich gut informiert gefühlt, sagt Fischer. Was sie nicht wusste, was noch niemand zu diesem Zeitpunkt wusste: Infizierte können das Virus in sich tragen und an andere weitergeben, ohne selbst Krankheitssymptome zu haben.

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Auf ihrer Arbeitsstelle musste sich ihre Tochter wohl angesteckt haben und unwissentlich dann auch ihre Familie. „Meine jüngste Tochter, mein Mann und ich bekamen diesen Husten“, erinnert sich Fischer. Äußerst unangenehm sei der gewesen und mit nichts zu vergleichen, was man sonst an Erkältungen oder grippalem Infekt in der Vergangenheit schon gehabt habe. Sie habe gleich gewusst, dass da was nicht stimmte. „Man kennt schließlich seinen Körper.“ Vom Arzt kam nach einem Test die Bestätigung: Covid-19. Mehr habe der Mediziner nicht tun können: „Da muss man als Erkrankter dann durch.“

„Ich hatte das Gefühl, die Lunge fällt zusammen“

Fieber hatten weder sie noch ihr Mann, aber da war diese Atemnot, besonders schlimm in der Nacht. „Wenn ich eingeatmet habe, ging der Atem nicht mehr raus. Ich hatte das Gefühl, die Lunge fällt zusammen“, schildert die Eitorferin. Sie fürchtete zu ersticken. Angstzustände habe sie da bekommen, regelrechte Panikattacken.

Ins Krankenhaus musste sie nicht, auch eine künstliche Beatmung blieb ihr erspart. „Ich glaube, weil ich die Blutgruppe 0 negativ habe, da sind die Verläufe nicht so stark.“ Anders ihre jüngste Tochter, erst 22 Jahre alt, keinerlei Vorerkrankungen: Sie litt unter hohem Fieber, Husten und Atemnot, verlor Geschmacks- und Geruchssinn. „Darunter leidet sie bis heute, obwohl sie die Sinne trainiert“, berichtet die Mutter. In Teilen sei der Geschmackssinn wieder da, aber viele Nahrungsmittel könne die 22-Jährige nicht mehr essen, weil sie falsch schmeckten. Hinzu kämen Angstzustände, die Furcht, erneut zu erkranken: „Sie geht bei jedem Symptom sofort zum Arzt.“

Psychische Langzeitfolgen

Das habe sie auch bei sich selbst beobachtet, berichtet die zweifache Mutter. Sie vertraue ihrem Körper nicht mehr, sie fühle sich nicht fit, ihre Leistungsfähigkeit sei gesunken. Angstzustände habe sie immer noch, dazu Phasen der Depression. „Das Virus verändert einen.“

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Die kommunikative Frau hat sich zurückgezogen, meidet Gesellschaft, verbringt ihre freie Zeit lieber mit ihren zwei Hunden und ihren Hühnern als mit anderen Menschen. Die psychischen Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung seien massiv, sagt sie. Doch informiert werde darüber nicht.

Das Leben vor Corona, das komme nicht mehr zurück – nicht für sie, nicht für ihre Tochter und auch nicht für den Rest der Welt. „Diese Krankheit wird immer da sein. Und sie ist eine große Herausforderung, medizinisch, aber auch sozial. Denn sie splittert die Gesellschaft auf.“

Große Bilder, an denen über einen langen Zeitraum gearbeitet werden muss, das schafft sie nicht. Körperlich nicht, aber auch seelisch nicht.  

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