Wespenfreunde aus MuchKneippverein siedelt ungeliebte Insekten um

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Als Hobby-Imker darf Oliver Marcus Kaptein beraten und Wespennester entfernen.

Als Hobby-Imker darf Oliver Marcus Kaptein beraten und Wespennester entfernen.

  • Hobbyimker Oliver Marcus Kaptei bietet gemeinsam mit seinem Kollegen Jens Schmidt Beratung und gegebenenfalls die Entfernung von Nestern an.
  • Denn jetzt ist Saison für die zuweilen lästigen Insekten, die Grillpartys sowie Kaffee- und Kuchentafeln derzeit gerne mal mit ihrem Besuch beehren.
  • Worauf die Spezialisten bei der Umsiedlung besonders achten müssen.

Much – Wassertreten und Wespen fangen, geht das zusammen? Der Vorsitzende des Kneippvereins Much und Umgebung, Oliver Marcus Kaptein, beantwortet die Frage mit einem klaren Ja. Deshalb bietet der Hobbyimker gemeinsam mit seinem Kollegen Jens Schmidt Beratung und gegebenenfalls die Entfernung von Nestern an. Denn jetzt ist Saison für die zuweilen lästigen Insekten, die Grillpartys sowie Kaffee- und Kuchentafeln derzeit gerne mal mit ihrem Besuch beehren.

„Wir wollen das selbst in die Hand nehmen, weil da viel Schindluder mit getrieben wird“, erklärt IT-Fachmann Kaptein, Zivilangestellter der Bundeswehr. Wespe ist schließlich nicht gleich Wespe, und viele Arten stehen unter Naturschutz – etwa die Horn- oder Kreiselwespe.

Kaptein trägt bei der Arbeit Schutzkleidung, um nicht gestochen zu werden.

Kaptein trägt bei der Arbeit Schutzkleidung, um nicht gestochen zu werden.

Für Hornissen gilt das generell. Da dürfen nur Spezialisten mit dem entsprechenden Sachkundenachweis ran und nur auf Antrag bei der unteren Naturschutzbehörde. Den hat übrigens Schmidt.

Umsiedlung nur bei Gefahr

„Lediglich ein Viertel der Nester muss umgesiedelt werden“, sagt Kaptein. „In den anderen Fällen können wir die Hausbewohner überzeugen, dass es hängen bleiben kann.“ Nur wenn es eine Gefahrenquelle darstelle, müsse das Haus der Wespenvölker weg. Ab September/Oktober ziehen die Gemeinschaften aus, ein Haus nutzen sie nicht ein zweites Mal. Allerdings sind sie ortsnah und können sich in der Nachbarschaft wieder ansiedeln. In die Nähe anderer Wespen ziehen sie auch nicht.

Jens Schmidt (l.) demonstriert einen der Umsetzungskästen, mit denen Wespenvölker in den Wald umgesiedelt werden können. So sieht ein Nest aus, in dem bis zu 7000 Wespen leben können (M.) Kaptein trägt bei der Arbeit Schutzkleidung, um nicht gestochen zu werden.

Jens Schmidt (l.) demonstriert einen der Umsetzungskästen, mit denen Wespenvölker in den Wald umgesiedelt werden können. So sieht ein Nest aus, in dem bis zu 7000 Wespen leben können (M.) Kaptein trägt bei der Arbeit Schutzkleidung, um nicht gestochen zu werden.

Der 51-Jährige bricht eine Lanze für die angeblichen Störenfriede. „So ein ausgewachsenes Volk isst täglich ein halbes bis zwei Kilogramm Larven, Maden und Mücken“, sagt er. Als Imker durch und durch steht bei ihm der Bestäubungswunsch im Vordergrund, auch bei seinen Bienenvölkern. Zuckerwasser füttert er nicht zu, sie bekommen ihren eigenen Honig wieder, wenn sie ihn brauchen. Da verkauft er die Gläser mit seiner Ernte lieber ein bisschen teurer. Erfolg seiner Strategie: Er hat alle seine Völker durch den Winter gebracht.

„Der Kneippianer hat einen Hang zur Natur.“

Inzwischen wird er schon häufiger angesprochen, Nester zu entfernen. Das ist zur Vereinssache geworden. Kapteins Schwiegervater Fritz Hänsel baut die Umsiedlungskästen ab. Denn irgendwo hinein müssen Kaptein und Schmidt die entfernten Häuser mit ihren aufgescheuchten Bewohnern ja tun. Mindestens drei Kilometer vom alten Standort werden sie mitsamt dem Holzkasten ausgesetzt, meist mit Spanngurten an einen Baum in den Wald. Im Winter werden sie wieder abgenommen, die Völker haben sie dann verlassen.

So sieht ein Nest aus, in dem bis zu 7000 Wespen leben können.

So sieht ein Nest aus, in dem bis zu 7000 Wespen leben können.

Zehn Euro kostet der Holzkasten, die Summe fließt in die Vereinskasse. Die eigentliche Arbeit wird nach Aufwand, zwischen 50 und 60 Euro, und nach Fahrtkosten abgerechnet. Hausbesitzer zahlen selbst, bei Mietwohnungen ist das Aufgabe des Vermieters. Meist ist das Duo am Abend unterwegs, wenn die Wespen oder Hornissen auch drin sind. Den Dienst hat der Kneippianer inzwischen der Hennefer Feuerwehr angeboten, in einem ersten Gespräch gab es positive Resonanz. Schließlich werden auch die Freiwilligen immer häufiger zu Hilfe gerufen, sind aber nicht immer zuständig.

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Angefangen haben die Überlegungen mit dem Bienen- und Insektenpfad des Kneipp-Vereins. Kaptein hat sich dafür über den „Heimatscheck“ einen Zuschuss geholt. Das passe gut zum Konzept: „Der Kneippianer hat einen Hang zur Natur.“ Auf fünf Säulen ruht die Vereinsarbeit: Bewegung, Pflanzen/Kräuter, Ernährung, Wasser und Ordnung. Bei Kapteins sind die Lehren des Sebastian Kneipp Familientradition, seine Ehefrau hat Oliver Marcus dazu geholt, schnell war er Vereinsvorsitzender. Bei seinem Start waren es 46 Mitglieder, inzwischen sind es mehr als 100. Da gilt, was er auch zum Wespenfangen meint: „Wenn wir es machen, wissen wir, dass es denen gut geht.“

Informationen und Kontakt gibt es unter:

www.kneipp-verein-much.de

www.wespenfreund.nrw

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