Neben Museum für die Rhein-Sieg-Eisenbahn in Asbach gibt es jetzt einen Förderverein zum Erhalt der Bröltalbahn.
Rhein-Sieg EisenbahnMuseum und Förderverein in Asbach und Hennef wollen Bröltalbahn erhalten

Michael Steidle fährt mit der V 6 als Rangierlok die 53, mit der das Museum startete, aus dem Lokschuppen.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Es sind ein paar Verrückte, die sich da zusammengetan haben, an der Spitze sicherlich Folkert Hemmen. Seit 2000 besteht das Museum für die Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) im alten Bahnhof Asbach. Jetzt kommt der Förderverein zum Erhalt der Bröltalbahn, wie sie zuerst hieß, dazu. Hemmen, von Beruf Prüfer von Luftfahrtgerät und praktizierender Dozent für Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung (Luftfahrt), ist der erste Vorsitzende und verbindet mindestens zwei Träume damit: Die erste öffentlich betriebene Schmalspurbahn Deutschlands soll so bekannt werden wie die erste Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth.
Außerdem würde der 63-Jährige gern dabei sein, wenn eine Dampflok auf der Spurbreite von 785 Millimetern auf Strecke geht. Die muss allerdings erst noch gebaut werden. „Bis Bennau werde ich das noch erleben“, sagt er zuversichtlich. Im zweiten Schritt ist die Erweiterung bis Buchholz geplant. Der Vorsitzende des Museumsvereins, Michael Steidle, denkt noch weiter: „Wenn man uns lässt, bauen wir auch weiter.“

Die Vorstände von Museum und Förderverein (v.l.): Anita Engelmann, Folkert Hemmen, Michael Steidle, Wolfgang Gembicki, Mark Borutta und Martin Paffhausen.
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Da sind die weiteren Planungen fast schon bescheiden. In Kuchenbach, wo die Reste der Fundamente des Bahnhofs noch zu erkennen sind, soll ein zweiter Museumsstandort entstehen. Deshalb hat der Förderverein seinen Sitz in Hennef und nicht in Asbach. So sollen Geld und Förderung aus Nordrhein-Westfalen, dem ehemaligen Stammsitz der RSE, aber auch aus dem gesamten Bundesgebiet gesammelt werden.
Wir wollen den Tourismus in der Region durch die Bahn und dessen Museum oder Museen weiter ausbauen.
Gespräche mit Sponsoren laufen. Und die Kontakte zu Behörden und Bürgermeistern laufen durchaus positiv: „Wir wollen den Tourismus in der Region durch die Bahn und dessen Museum oder Museen weiter ausbauen“, kündigt Hemmen an. Dafür strebt der Verein an, die RSE als technisches Kulturdenkmal einstufen zu lassen, Benefizveranstaltungen und Konzerte durchzuführen und, ganz praktisch, Lokomotiven und Waggons wieder in Stand zu setzen.

Die V 13 von Orenstein & Koppel ist nach der Wiederinstandsetzung an Silvester 2024/25 erstmals wieder gefahren, auf einem so genannten fliegenden Gleis.
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Einen Fahrplan dafür hat der Vorstand, zu dem Stefan Hanraths, Wolfgang Gembicki, Anita Engelmann und Martin Paffhausen gehören, bereits entwickelt. Erster Schritt sind die Restarbeiten an der V13, einer Diesellok, der letzten für die RSE gebauten Lokomotive. Sie kam im abgewrackten Zustand ohne Motor aus dem Zillertal auf das Museumsgelände, wo die Vereinsmitglieder in ehrenamtlicher Arbeit eine beachtliche Gleisanlage geschaffen haben. Inzwischen ist sie kurz vor der Inbetriebnahme.
Auf einem sogenannten fliegenden Gleis, das Hemmen und seine Mitstreiter zusammengebaut haben, hat sie Silvester 2024/25 Punkt Mitternacht ihre ersten Meter aus eigener Kraft zurückgelegt. „Wir hatten alle Pipi in den Augen“, erinnert sich Hemmen an diesen erhebenden Moment. Am 1. August soll das Schätzchen des Unternehmens Orenstein&Koppel aus Berlin-Drewitz, Baujahr 1960, beim Öffentlichkeitstag 70 Jahre nach Einstellung des Personenverkehrs präsentiert werden.

Michael Steidle, Vorsitzender des Museumsvereins, ölt die Spurstangen der Rangierlok.
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Im April beginnen die Eisenbahn-Verrückten mit dem Wiederaufbau der Gartenbahn, das Bahnhofsvorfeld soll ausgebaut und der Gleisanschluss an den Güterschuppen verlegt werden. Spannend wird es mit den weiteren Vorhaben. Da ist der betriebsfähige Aufbau des TA4, des ersten in Hennef gebauten Triebwagenanhängers, vermutlich auf einem Fahrgestell von 1894, obenrum gilt 1942 als Entstehungsjahr.
Noch sieht er schwer geschädigt aus. Die Museumsfreunde haben ihn aus dem Jagsttal geholt, wohin er nach dem Ende der RSE gelangte und im Schüler- sowie Touristentransport genutzt wurde. Nach der Stilllegung dort stand er seit 1988 im Freien und sieht auch so aus. Der Triebwagen T2 steht neben der V 13 im Schuppen, da gibt es noch viel zu tun, bis er betriebsfähig ist. Es ist genau das Fahrzeug, das 1940 bei einem Hochwasser in die Bröl stürzte, Teile der Schäden sind noch erkennbar.

Der Triebwagen T 2 ist exakt der, der 1940 bei einem Hochwasser in die Bröl stürzte.
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Noch recht neu im Fahrzeugbestand ist die Dampflok 7729 von O&K der Basalt-AG Linz, die ebenfalls 785 Millimeter Spurbreite verwandte und viele Berührungspunkte mit der RSE hatte. Das gute Stück stammt von 1914 und harrt ebenfalls des betriebsfähigen Aufbaus. Geraucht hat es aus dem Schornstein schon, wie Hemmen erzählt. Die Brennkammer unter dem Kessel haben sie mal in Betrieb genommen.
Die Diesellok V6 wird als Rangierlok und Arbeitstier eingesetzt
Michael Steidle, Vorsitzender des Vereins Museum der Rhein-Sieg-Eisenbahn, hat sich auf die Diesellok V6 von 1956 geschwungen, aus der ehemaligen DDR. Sie fungiert als Rangierlok. Mit ihr zieht er das Prunkstück aus dem Lokschuppen, die RSE-Dampflok 53 von 1944, die einzige erhaltene Dampflok des Unternehmens. Wolfgang Clössner hat sie Ende des 20. Jahrhunderts im Harz gefunden und nach Asbach geholt, der Startschuss für das Museum. 600 PS brachte sie einst auf die Schienen.

Das sind die einzigen bekannten Schienen, die noch am Originalort liegen.
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Neben ihr im Schuppen steht eine Heeresfeldbahn von 1944, die Dampflok 152. Sie gehört Vereinsmitgliedern. Das Gebäude birgt noch eine ganz andere Rarität. Am hinteren Ende liegen die einzigen Gleise, die seit der Aufnahme des Betriebs auf der Strecke von Hennef nach Asbach 1892 am originalen Ort liegen.
1956 wurde der Personen-, 1967 der Güterverkehr eingestellt
Ein Rundgang mit Mark Borutta über das Bahnhofsgelände und durch die Dauerausstellung im Bahnhofsgebäude ist eine Zeitreise durch die Geschichte der Bröltalbahn und der RSE von 1862 über die Stilllegung von Personen- und Güterverkehr in den 50er- und 60er-Jahren bis zum heutigen Museumsgelände sowie ein Ausblick auf die Zukunft eines lebendigen Museums.

Auf einem Rollwagen wurden Güterwagen auf der Schmalspurstrecke transportiert.
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Denn das soll es schließlich werden, als Denkmal für die historisch einmalige Schmalspurbahn. Uniformen, Fahrkartenschalter, Dioramen, Bilder, Pläne - zu jedem Exponat kennt Borutta, der als Kassierer auch die Finanzen im Auge hat, mindestens die geschichtliche Einordnung, zumeist aber zusätzlich eine Anekdote. Die Zisternen für das Wasser in den Dampfkesseln gibt es an einigen Stellen noch, an den Loks sind noch Pumpen und Schläuche für die Wasseraufnahme zu sehen.
Auf dem Gelände fanden sich beim ehrenamtlichen Ausbau der Gleisanlage drei originale Stahlschwellen, ein Stück Kohle liegt in einer Vitrine. Zwei mit den RSE-Anhängern baugleiche Güterwagen aus Polen sind ebenso zu besichtigen wie ein Rollwagen, um Waggons der Eisenbahn-Normalspur auf der Schmalspurstrecke zu transportieren.

In Hennef-Kuchenbach sind die Strecke und die Fundamente des alten Güterschuppens noch erkennbar. Hier soll ein zweiter Museumsstandort entstehen.
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Eine Schienenbiegemaschine, die Türen für den Batterieraum der Akkulok, die von 1906 bis 1963 fuhr, als letztes erhaltenes Relikt - es ist ein Riesenfundus nicht nur für Eisenbahnbegeisterte. Die Stadt Hennef trauert der Bahn schon ein bisschen nach, wie Bürgermeister Mario Dahm bei einem Besuch in Asbach deutlich machte: „Es ist sehr schade, dass wir in Hennef keine Einrichtung haben, die an die Bröltalbahn do würdevoll erinnert und es wäre schön, so etwas wie hier in Asbach auch in Hennef zu haben.“ Vielleicht kommt das ja noch, wenn der Bahnhof Kuchenbach wieder aufgebaut werden sollte.
Am Samstag und Sonntag, 11. und 12. April, ist Saisonstart für das Museum an der Bahnhofstraße 23 in Asbach, geöffnet von 11 bis 17 Uhr, danach jedes zweite Wochenende im Monat. Der Eintritt ist frei, an der Theke im Bahnhofsgebäude gibt es Kaffee und Kuchen. Gespendet werden darf aber gern.

