Mit 15 Pflanzkübeln für rund 180.000 Euro soll die Fußgängerzone in Königswinter grüner werden. Für die bestehenden Bäume hat die Sache einen Haken.
Hitze-HotspotSo soll die Fußgängerzone in der Altstadt von Königswinter grüner werden

Auf zu kleinen Baumscheiben stehen die Bäume in der Fußgängerzone. Die Stadt will sie fällen und stattdessen Pflanzkübel aufstellen.
Copyright: Ralf Klodt
Die Fußgängerzone in der Altstadt von Königswinter soll grüner und langfristig schattiger werden. Mit insgesamt 15 Pflanzkübeln, die abwechselnd auf beiden Straßenseiten aufgestellt und von denen acht mit Bäumen bepflanzt werden, soll das Gelingen. Der Knackpunkt allerdings: Die vorhandenen Straßenbäume müssten gefällt und beseitigt werden. Sie hätten aufgrund ihrer Standortbedingungen „keine längerfristige Überlebensperspektive“, hieß am Dienstag im Bau-und Verkehrsausschuss.
Der gab für die Umsetzung der Pläne einstimmig grünes Licht. Rund 180.000 Euro Steuergelder will die Stadt in die „sehr schöne Planung“, so Ratsmitglied Frank Klein (CDU), investieren. Möglicherweise bekommt sie aber Zuschüsse in Höhe von 60 Prozent über eine Landesförderung. „Wir haben dafür kein Geld, und wir machen es trotzdem“, sagte der Technische Beigeordnete Fabiano Pinto mit Blick auf die städtische Haushaltsmisere, als aus dem Ausschuss der Wunsch nach mehr laut wurde. „Einigen Anwohnern ist das schon zu viel“, so Pinto weiter.
Die Altstadt von Königswinter nicht mit einer weiteren Tiefbaumaßnahme belasten
Ziel sei es, die Fußgängerzone gestalterisch aufzuwerten, ohne die Bewohner in der Altstadt mit einer weiteren Tiefbaumaßnahme zu belasten. Denn damit haben die Menschen dort durch den laufenden Bau der Bahnunterführung und der kommenden Modernisierung von Rheinallee und Rheinpromenade ohnehin bis Anfang des Jahres 2029 zu tun, wenn alle Großprojekte denn im Zeitrahmen bleiben.
Ein „schlüssiges Gesamtbild“, so Susanne Schwarze, die bei der Stadt als Freiraumgestalterin das Projekt Fußgängerzone leitet, soll sich nach Umsetzung aller Vorschläge ergeben. So sollen von den insgesamt 15 Pflanzkübeln acht Stück, die 80 Zentimeter hoch und 2,50 Meter lang sind, mit der frostharten und trockenheitsverträglichen Blumen-Esche bepflanzt werden. „Ihre offen ovale Krone wirft einen lichten Schatten“, schrieb Susanne Schwarze in der Sitzungsvorlage für den Ausschuss.
Zwei Kübel werden mit Sitzbänken kombiniert. „Alle Kübel erhalten eine Mischpflanzung aus niedrigen Sträuchern, Stauden, Gräsern, Bodendeckern und Zwiebelpflanzen.“ Hinzu kommen sechs neue Bänke mit Armlehnen und zwölf neue „Fahrradparker“. Zusammen mit den vorhandenen Mastleuchten, Abfalleimern und Pollern ergebe sich ein „stimmiges Gesamterscheinungsbild“.
Doch was ist mit den existierenden Bäumen? Sie seien zwar weitgehend noch verkehrssicher, hätten aber keine Überlebenschancen, weil sie auf viel zu kleinen Baumscheiben stünden. Diese Flächen könne man nicht ohne weiteres vergrößern. Denn die verschiedenen Leitungen (Trinkwasser, Kanal, Gas, Strom, Telefon) „verlaufen auf gesamter Breite der Straße, ungeordnet und teilweise kreuzend zueinander“. Teils stünden Bäume sogar direkt auf Versorgungsleitungen.

Nur ein Beispiel: Diese Kombinationen aus Bank und Pflanzkübeln hat die Stadt Bad Honnefer in der City aufgestellt.
Copyright: Carsten Schultz
Eine „erdgebundene Bauweise“ sei nur möglich, wenn alle Leitungen verlegt würden. Das sei zu aufwendig und zu teuer. Fabiano Pinto und Susanne Schwarze versicherten, dass Fragen wie die Zufahrt für Müll-, Rettungs- oder Feuerwehrfahrzeuge bei der Platzierung der Kübel berücksichtigt würden. Auch auf die Außengastronomie oder den Platzbedarf für Markisen habe man bei der Auswahl der Standorte geachtet.
„Das ist schon mal ein Anfang“, sagte Ratsfrau Manuela Roßbach (KöWi). Sie sei froh, dass es nun diese Lösung gebe. Frank Klein wies darauf hin, dass für die Besucher der Touristenstadt in den nächsten Jahren nur die Fußgängerzone bleibe, „wenn wir die Rheinallee auf den Kopf stellen“.
„Die Hauptstraße gehört zu den Hitze-Hotspots in der Altstadt“
Gleichwohl sehen Altstädter die Pflanzkübelpläne auch kritisch, wie Bewohner der Redaktion dieser Zeitung sagten. So sei nicht nachvollziehbar, warum die Kübel weniger verschmutzt werden sollten als die heutigen Beete. Oder warum weniger Pflanzen gestohlen werden sollten als bisher. Auch die Rangiermöglichkeiten für Lieferfahrzeuge würden begrenzt, wenn statt flacher Baumscheiben hohe Pflanzkübel in der Straße stünden.
Der Zeitplan von Susanne Schwarze sieht vor, dass die Bäume im Winter gefällt und die Kübel im Frühjahr bepflanzt werden. Klimapolitisch macht das Ganze aus Sicht der Stadtverwaltung Sinn: „Die Hauptstraße gehört zu den Hitze-Hotspots in der Altstadt. Um auch bei künftig steigenden Temperaturen und häufigeren und längeren Hitzeperioden die Lebensqualität für Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Attraktivität für Touristen zu erhalten beziehungsweise zu steigern ist die Stärkung des Stadtgrüns unabdingbar.“
