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BahnunterführungWie eine 600 Tonnen schwere Brücke in Königswinter verschoben wird

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Ein großes Betontelement in einer tiefen Baugrube.

Hier ist die 600 Tonnen schwere Brücke schon kurz vor dem Ziel. Um 22 Meter musste sie verschoben werden.

Die Bahn hat am Sonntag (19. Juli) die 600 Tonnen schwere Brücke in der Drachenfelsstraße an ihren endgültigen Standort verschoben. 

Florend Musa vom Büro SSF Ingenieure war die Ruhe selbst, kurz bevor sich der 600.000 Kilogramm schwere Betonklotz am Sonntagmorgen in Bewegung setzte. Was jetzt noch schiefgehen könne? „Nichts“, sagte der Bauingenieur. Selbst wenn ein Hydraulikschlauch platzen sollte, würde die für den Spezialtransport zuständige Firma Max Wild schnell für Ersatz sorgen.

Tatsächlich lief alles glatt beim Einschub des seit Anfang des Jahres vorgefertigten Brückenbauwerks, das in Zukunft einen Teil der neuen Fußgängerunterführung an der Drachenfelsstraße bilden wird. Um 8.04 Uhr setzte sich der gewaltige Klotz auf der sogenannten Verschubbahn langsam in Bewegung. Durch acht Hydraulikzylinder, die mitunter zischten und fauchten, um fünf Zentimeter angehoben, glitt das Bauwerk über, wenn man so will, extrabreite Schienen 22 Meter weit zu seiner endgültigen Position.

Zum Schluss war Millimeterarbeit mit dem 600-Tonnen-Klotz gefragt

Da war vor allem zum Schluss Millimeterarbeit gefragt, wie Mira Salomon, Projektingenieurin der Deutschen Bahn, vor Ort bestätigte. „Noch zweieinhalb Zentimeter hierher“, rief einer der Bauarbeiter, während Kollegen mit Zollstock und Wasserwaage, aber auch mit elektronischen Vermessungsgeräten dafür sorgten, dass exakt der richtige Standort gefunden wurde.

Um 9.20 Uhr hörte man Applaus auch von den vor allem an Anfang zahlreichen Zuschauern der Aktion. Direkt nach dem Start der Vollsperrung der rechtsrheinischen Bahntrasse für die Komplettsanierung am 11. Juli waren die Gleise im Bereich der Drachenfelsstraße entfernt und die Baugrube vergrößert worden, in der die Brücke seit Anfang Januar vorgebaut worden war.

Schon am 4. August sollen die Gleise wieder liegen und der Bahnübergang für Fußgänger wieder offen sein. Bis allerdings die Unterführung, die den Übergang ersetzen soll, tatsächlich genutzt werden kann, wird es wohl noch bis Herbst 2028 dauern.

Bis dahin will die Stadt Königswinter „ihre“ Brücke über die Wilhelmstraße, die unmittelbar an das gestern eingeschobene Element andockt, sowie die jeweiligen Zu- und Aufgänge verwirklichen, wie es bei einer Bürgerversammlung am Donnerstag hieß. Die Stadt hatte zu dem Treffen eingeladen, um noch einmal speziell über die städtischen Großprojekte und den Ablauf zu informieren.

Ein Arbeiter an einem Hydraulikzylinder der Einschubbahn.

Mit insgesamt acht Hydraulikzylindern wurde die 600 Tonnen schwere Brücke angehoben.

Läuft alles nach Plan und kommt nichts dazwischen, beispielsweise ein Hochwasser, dann können die Bürgerinnen und Bürger in der Altstadt Anfang des Jahres 2029 endlich aufatmen. Dann sollen mit der Ersatzstraße, der Bahnunterführung an der Drachenfelsstraße, der Rheinallee und der Rheinpromenade alle Großprojekte in der Altstadt erledigt worden sein.

Er wisse um die besondere Belastung durch die Baustellen, den Lkw-Verkehr und den Staub, sagte Fabiano Pinto, der Technische Beigeordnete der Stadt Königswinter, in der Aula der CJD-Schule. Aber: „Königswinter ist in der Transformation“ und bekomme an vielen Stellen „eine neue Politur“, so Pinto vor rund 150 Bürgerinnen und Bürgern.

Ersatzstraße soll während der Bauarbeiten als Umleitungsstrecke dienen

Parallel zur Fußgängerunterführung wird nach dem Zeitplan von Albert Koch bis Herbst 2028 die Ersatzstraße fertiggestellt, die zwischen An der Helte und Wilhelmstraße verläuft und in Teilen schon gebaut ist. Der Umbau der Rheinpromenade zum Rheinpark soll Mitte 2027 beginnen und Anfang 2029 abgeschlossen sein. Etwa ab Mitte 2028 kommt die Rheinallee an die Reihe, für die man aber unbedingt die Ersatzstraße haben muss, um den Verkehr in Nord-Süd-Richtung über diese Trasse umzuleiten.

Bedenken von Bürgern, die Ersatzstraße sei zu schmal, um einen Zweirichtungsverkehr aufzunehmen, wies Koch zurück. Mit einer Breite von 6,50 Meter sei auch ein Lkw-Begegnungsverkehr kein Problem. Er versprach zudem, dass die Anlieger der Rheingassen ihre Häuser auch während des Umbaus der Rheinallee erreichen könnten. Bei diesem Projekt handele es sich um einen „normalen Straßenbau“. Bei Hochwasser aber müsse die Baustelle stillstehen.

Mehrere Männer und Frauen hinter einem Holzzaun. Im Hintergrund der Bahnhof der Drachenfelsbahn.

Viele Bürgerinnen und Bürger verfolgten den technisch aufwendigen Einschub der Brücke.

Gemessen an den Reaktionen und der entspannten Atmosphäre bei der Bürgerversammlung scheinen die Projekte Rheinallee und Rheinpromenade inzwischen weniger umstritten zu sein. Fabiano Pinto forderte die Bürger ausdrücklich auf, sich bei der Stadt zu melden, wenn irgendetwas nicht stimme, wenn beispielsweise die Beschilderung nicht korrekt sei.

Das griff eine Bürgerin direkt auf: „Die Touristen wissen nicht mehr, wie sie zur Drachenfelsbahn kommen“, weil die Umleitung für Fußgänger durch die Unterführung zwischen Wilhelmstraße/Bismarckstraße sowie Am Palastweiher nicht vernünftig ausgeschildert sei. „Da müssen Sie unbedingt etwas tun“, sagte die Frau. „Da haben Sie hundert Prozent recht“, räumte Albert Koch ein. Er wies aber auch, darauf hin, dass der zurzeit geschlossene Bahnübergang schon am 4. August wieder geöffnet werde, nachdem gestern das Betonelement eingeschoben worden ist.

Das war übrigens mit seinen immerhin 600 Tonnen vergleichsweise noch eher ein Leichtgewicht. Projektingenieurin Mira Salomon erinnerte an den Juli 2023, als im Zuge des Baus der S13 bei Bonn zwei Brückenteile für die A59 verschoben werden mussten. Sie brachten 9000 Tonnen auf die Waage und mussten über 200 Meter bewegt werden.