Das Siebengebirgsmuseums zeigt eine Ausstellung zum 100. Geburtstag des vielseitigen Künstlers Ernemann Sander.
Hommage an Ernemann SanderMuseum in Königswinter zeigt Kunst ohne Verfallsdatum

Das Siebengebirgsmuseum in Königswinter zeigt unter anderem diese Gips-Büste von Karl Marx, die 1950 entstand.
Copyright: Ralf Klodt
In einer Retrospektive zum 100. Geburtstag des Bildhauers Ernemann Sander (1925 -2020) öffnet sich ein breites Spektrum im Siebengebirgsmuseum in Königswinter. Große Fotografien aus Werkstatt und Arbeitsleben sind geschickt mit einer chronologischen Werkschau verbunden, so dass sich neue Seiten an dem in der Region sehr bekannten Bildhauer auftun. Ein Künstler, der den Drei-Grazien-Brunnen in Bonn, den Wäscherinnen Brunnen in Beuel oder den Eselsbrunnen an der Königswinterer Rheinpromenade geschaffen hat, um allein nur von den Brunnen zu sprechen.
Kuratorin aus Königswinter zeichnet den Lebensweg des Leipzigers nach
„Form und Sinnlichkeit“ ist der Titel dieser weit gespannten Schau. Die Kuratorin Sandra Laute ist dem Lebensweg des 1925 in Leipzig geborenen Künstlers nachgegangen und war auch in Jena, wo Sander, der 1939 mit 16 Jahren schon die Akademie in Weimar besucht hatte, zunächst sein Atelier im elterlichen Garten hatte. 1944 folgte die erste Einzelausstellung. Und mit 25 machte schuf Sander sein erstes Denkmal für Puschkin in Jena: „Vielleicht habe ich viel zu früh Erfolg gehabt, aber an und für sich habe ich mich gut durchgesetzt, ohne dass ich die Spur wechseln musste“, sagt Sander 1999 rückblickend in einem Interview.

Die Schau in Königswinter öffnet auch einen Blick auf die Arbeitsweisen des Künstlers.
Copyright: Ralf Klodt
Sandra Laute konnte aus dieser frühen Zeit in der DDR einige Werke vom Museum Jena ausleihen, darunter einen kolossalen großen Porträtkopf von Karl Marx. Das Gipsmodell war vermutlich für eine Bronzeplastik geplant. Sein Stil erinnert fast an Mataré oder Maillol, indem die Formen abstrahierend betont werden. Eine solche Plastik mit dem Titel „Mann mit Pferd“ aus Jena ist nun auch in der Ausstellung zu sehen.
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Gewidmet hatte Sander diese Bronze damals dem in der DDR sehr bekannten Maler Lothar Zietzmann. Später wird Sander dann zu dem naturnahen Realismus finden, von dem er dann später sagt: „Ich habe mich nicht verändert. Ich mache nicht Kunst mit einem Verfallsdatum.“
SED-Chef Walter Ulbricht äußerte sich kritisch
In Jena war Sander auch Vorsitzender der Jenaer Gruppe des Verbandes Bildender Künstler in der DDR. Er berichtet darüber 1999: „Dann aber stand einmal Walter Ulbricht vor einem meiner Reliefs und hat gesagt: Das ist ideologisch eine andere Position“. Die zunehmende „Verengung der DDR-Kunst wurde zu einem Stiefelglanzrealismus“. Deshalb verließ er 1953 die DDR, um sich zunächst in Berlin und ab 1955 in Bonn niederzulassen.
Seit 1963 lebte er mit seiner Familie in seinem idyllischen Atelierhaus in der Laurentiusstraße in Oberdollendorf. Er arbeitete unablässig und neben den großen Aufträgen und Projekten entstand eine Fülle von Kleinskulpturen, insbesondere auch Tierfiguren. In Bonn wurde Ernemann Sander 1996 mit August-Macke-Medaille ausgezeichnet.
Dass er aber auch ein ebenso guter Zeichner war, der in regelmäßigen Aktkursen auch mit der Bonner Künstlerschaft verbunden war, zeigt die Ausstellung. Zu sehen ist sein Zyklus zur Martinslegende, der dann in den Bronzeplatten am Bonner Münster in Bronzereliefs überführt wurde. Geschätzt werden seine Zeichnungen und Grafiken auf eine Anzahl von 10.000 bis 12.000 Stück.

Ein Bozzetto, eine kleine Darstellung des Eselsbrunnens, der am Rheinufer steht.
Copyright: Ralf Klodt
Schön zu sehen sind die verschiedenen Bozzetti (Kleinmodelle von großen Ausführungen), der 1979 gefertigten Reliefs am Bonner Martinsplatz oder ein Bozzetto zur Großplastik des „Cäsarius von Heisterbach“ in Oberdollendorf oder auch für den Jonas-Brunnen in Fulda. Der von Sandra Laute erfolgte Aufruf an die hiesige Bevölkerung, sich mit Werken von Sander – im Siebengebirgsmuseum zu melden, hatte eine unerwartete Fülle von weiteren Werken für das zu erstellende Werkverzeichnis eingebracht. Die Ausstellung wurde ermöglicht durch den Heimatverein Siebengebirge, für den der Vorsitzende Burkhard Rinkens gekommen war. Dankbar ist man auch für die Unterstützung durch die Kreissparkasse Köln.
Die Ausstellung ist bis zum 26. April im Siebengebirgsmuseum, Königswinter, Kellerstraße 16, zu sehen, geöffnet Dienstag bis Freitag 14 -17 Uhr, Samstag 14 -18 Uhr, Sonn- und Feiertage 11-18 Uhr. Vorträge jeweils Mittwoch 18 Uhr am 10.12. und am 15.4., Kuratorenführung an den Sonntagen 4.1. und 11.3. 2026 um 17 Uhr.


