Lohmarer BürgermeisterRöger prägte das Bild der Stadt
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Wolfgang Röger (63), Bürgermeister von Lohmar geht in den Ruhestand.
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Lohmar – Erst Libero, später dann Mittelfeldmann. Mal defensiv, gerne aber offensiv. „Doch immer strategisch“, sagt Wolfgang Röger und lacht. Lohmars scheidender Bürgermeister ist nicht nur glühender FC-Fan und ebenso begeisterter Anhänger des SV Lohmar, sondern auch selbst ein Kicker aus Leidenschaft. Er spiele Fußball, so oft es geht. „Überhaupt treibe ich viel Sport: Wenn ich nicht auf dem Fußballfeld stehe, mache ich etwa Waldläufe.“ Und dafür hat Röger künftig ein wenig mehr Zeit.
Denn am Freitag, 20. Juni, hat der dann gerade noch 63 Jahre alte Verwaltungschef wahrscheinlich seinen letzten Arbeitstag: Mit Wolfgang Röger geht ein Bürgermeister der leisen Töne in den Ruhestand. Am Mittwoch zuvor möchte er sich bei einem gemeinsamen Frühstück und auf dem anschließenden Verwaltungsausflug von seinen Mitarbeitern verabschieden. „Ganz leicht fällt mir das nicht“, gesteht der gebürtige Lohmarer und studierte Jurist. „Aber ich bin sehr froh, dass ich danach unter keinem Termindruck mehr stehe und neue Freiheiten habe.“
Seit dem Jahr 2004 hat der CDU-Mann das Amt des Bürgermeisters inne. In den Diensten des Rathauses steht er indes schon seit 1990: Damals war Wolfgang Röger Erster Beigeordneter der Stadt Lohmar. Zehn Jahre zuvor wiederum war er beim Rhein-Sieg-Kreis beschäftigt. „Eine Verwaltung ist heute ein Dienstleistungsunternehmen“, findet der Chef, der seinem frisch gewählten Nachfolger Horst Krybus (CDU) eine nahezu ausgeglichene Bilanz hinterlässt: Ein Defizit im städtischen Haushalt von einer knappen Millionen, das sind heute Erdnüsse.
Schon früh hat Wolfgang Röger erklärt, dass diese Amtszeit seine letzte sein würde. „Mein Ausstieg kommt also für niemanden überraschend“, sagt der Bürgermeister und blickt auf „eine gute und eine durchaus erfolgreiche Zeit“ zurück. Die Entwicklung seiner Stadt, vor allem die Umgestaltung der Wahlscheider Ortsmitte, zählt Röger zu den dicksten Kapiteln in der jüngeren Stadtgeschichte. Der Aufbau einer intakten Schullandschaft, die Gründung der Stadtwerke, die Einrichtung des Bürgerbusses, die Gründung des Tourismusvereins „Bergisch hoch vier“ und die Etablierung außerschulischer Lernorte über das Programm „Kennen – Lernen – Umwelt“ sind weitere Stationen in dem Jahrzehnt als Stadtoberhaupt, an die sich der christdemokratische Amtsinhaber gern erinnert.
Dass die Stadt und ihre Bürger inzwischen eine lebendige Partnerschaft führten, rechnet er indes zu seinen persönlichen Errungenschaften. „Man kann die Leute nicht unbedingt ändern“, erklärt Röger. „Aber man kann ihre Sprache lernen.“ Schließlich sei eine derart große Identifikation mit der Aggerstadt nicht immer eine Selbstverständlichkeit gewesen: So wollte nach der Kommunalreform 1969 erst mal nicht zusammenwachsen, was fortan zusammengehören sollte – Lohmarer und eben Wahlscheider taten sich da schwer. „Aber heute spürt man die Stadt auch in Orten wie Deesem oder im Naafbachtal.“
Unter Wolfgang Rögers Ägide ist seit dem Jahr 2005 auch das Strategische Entwicklungskonzept für die Stadt mit ihren 31 Orten und den heute mehr als 30 000 Bewohnern entstanden – „Stadt der Generationen – Aktiv im grünen leben“, so lautet der große Titel auf dem Papier. „Inzwischen ist das Leitbild zu Leben erwacht und die Leute haben es in ihren Sprachgebrauch übernommen“, freut sich Röger. Aber natürlich verlief nicht alles pannenfrei in seiner Zeit an der Spitze: Vor zwei Jahren sollte er in Lohmars polnischer Partnerstadt Żarów ein Löschfahrzeug an die örtliche Feuerwehr übergeben. „Selbst das Fernsehen war dabei“, erinnert sich Röger.
Der Akt der Übergabe sollte sich dann aber hinziehen: Der Ehrengast aus Deutschland fand die Schlüssel nicht mehr. Um dem Spiel ein Ende zu setzen, habe die Dolmetscherin Anja plötzlich gerufen: „Pack’ doch mal die Taschen aus!“. Also krempelte Wolfgang Röger vor großem Publikum die Taschen um. „Und endlich kamen auch die Fahrzeugschlüssel zum Vorschein.“ Gern gesehener Gast ist der Verwaltungsmann übrigens auch beim Männerchor „Liederkranz“ Birk 1908: Dieser hat Röger jüngst zum Ehrenmitglied gekürt. Auch für Konzerte habe er nun mehr Zeit, sagt der Lohmarer. Und wenn er einmal nicht dem Gesang lauscht oder den Fußball tritt, so halten ihn bestimmt seine Enkel, ein Jahr und vier Jahre alt, in Trab: „Der Ruhestand wird sicher intensiv.“