Bisher gab es in Wahlscheid keine Erinnerung an Maria Hohn. Wegen ihrer psychischen Erkrankung und körperlichen Behinderung wurde sie in der NS-Zeit ermordet.
Maria-Hohn-WegStraße in Lohmar-Wahlscheid soll in Zukunft an Opfer der NS-Euthanasie erinnern

Maria Hohn aus Wahlscheid wurde wegen ihrer psychischen Erkrankung während des Nationalsozialismus getötet (letzte Reihe, 2.v.r.).
Copyright: Repro: Thomas Weckbecker
Maria Hohn wurde während der NS-Zeit aufgrund ihrer Gehörlosigkeit und einer Schizophrenie ermordet. Lange gab es in Wahlscheid, wo sie zuletzt lebte, keine Erinnerung an sie. Das soll sich nun ändern: Ein Teil des Weges „Katharinenbach“ soll künftig den Namen „Maria-Hohn-Weg“ tragen. Darauf verständigte sich der Ausschuss für Bauen und Infrastruktur einstimmig. Ausgangspunkt war ein Bürgerantrag, der auf die Initiative des Wahlscheider Pfarrers Thomas Weckbecker sowie von Werner Reuther und Herbert-Döring Spengler zurückgeht.
2023 war im Siegburger Kreishaus eine Ausstellung über Medizinverbrechen im Rhein-Sieg-Kreis in der Zeit des Nationalsozialismus zu sehen. Werner Reuther, der in der evangelischen Kirchengemeinde Wahlscheid aktiv ist, fiel auf, dass unter den genannten Opfern auch eine Frau aus Wahlscheid war: Maria Hohn.
Viele Jahrzehnte gab es in Lohmar keine Erinnerung an Maria Hohn
Daraufhin haben Thomas Weckbecker und Werner Reuther versucht, mehr über sie herauszufinden. Zunächst lagen ihnen nur ihr Name und ihr letzter Wohnort, die Straße Neuemühle in Wahlscheid, vor. „Zuerst haben wir bei Alteingesessenen nachgefragt, ob jemand den Namen schon einmal gehört hat“, erzählt Weckbecker. „Aber niemand wusste etwas.“ Daraufhin wandten sie sich an das Einwohnermeldeamt und erhielten schließlich Zugang zu einer Heirats- und einer Geburtsurkunde.
Maria Herstein wurde demnach am 21. April 1883 in Broich, dem heutigen Mülheim-Broich an der Ruhr, geboren. Sie war das fünfte von zehn Kindern. 1906 heiratete die Dienstmagd den Obsthändler Daniel Hohn aus Mackenbach, das heute zu Lohmar gehört. Das Paar blieb kinderlos. Ob es heute noch Verwandte in Lohmar gibt, konnte Weckbecker nicht herausfinden.

Neben der Wahlscheider Kirche Sankt Bartholomäus steht jetzt eine Gedenktafel für Maria Hohn.
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Mutmaßlich durch eine Hirnhautentzündung verlor Maria Hohn ihr Hörvermögen und erkrankte anschließend an Schizophrenie. Aus diesem Grund wurde sie 1927 in die Heil- und Pflegeanstalt Bonn aufgenommen und sieben Jahre später in die Heil- und Pflegeanstalt Kloster Zülpich-Hoven verlegt. Von dort aus wurde sie am 18. August 1942 im Rahmen der NS-Euthanasie abtransportiert und mit 368 weiteren Personen in die Tötungsanstalt Hadamar gebracht.
Dort gab es zu diesem Zeitpunkt keine Gaskammern mehr. Die Patienten wurden durch Nahrungsentzug oder die Überdosierung oder Verweigerung von Medikamenten getötet. Zwischen 1942 und 1945 starben dort 20 Frauen aus dem Rhein-Sieg-Kreis, darunter auch Maria Hohn am 2. März 1943. Als angebliche Todesursache sind Entkräftung und Herzschwäche angegeben.
In Hadamar tauchten Briefe von Maria Hohns Schwester auf
Diese Informationen erhielt Thomas Weckbecker im hessischen Hadamar selbst, wo er Maria Hohns Krankenakte einsehen konnte. Hier stieß er auch auf Briefe von ihrer Schwester, die versucht hatte, Maria Hohn über die Tötungsanstalt zu erreichen. „Beim Lesen spürt man, wie wichtig sie ihrer Schwester war. Das hat uns auch dazu gebracht, zu sagen: Wir müssen etwas dafür tun, dass das Schicksal dieser Frau nicht völlig vergessen wird, wie das seit ihrem Tod bis heute schon einmal passiert ist“, so Weckbecker.

Maria Hohns Schwester schrieb ihr zahlreiche Briefe, die noch heute in Hadamar einsehbar sind.
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Sie holten die besagte Ausstellung zu Medizinverbrechen in der NS-Zeit nach Wahlscheid und ergänzten sie um eine Stellwand mit Informationen zu Maria Hohn. „Damit wollten wir noch einmal klar machen, dass es diese Verbrechen gab und dass wir alles dafür tun müssen, dass so etwas nicht noch einmal passiert“, so Weckbecker.
Die Erinnerung wieder ins Dorf zu bringen, hat keine Unsummen gekostet, sondern nur ein bisschen Engagement gebraucht.
Seit dem 1. März 2026 steht an der Evangelischen Kirche Sankt Bartholomäus auf dem Berge eine Gedenktafel für Maria Hohn. Bei der Einweihung sei er bereits mit dem Lohmarer Bürgermeister Matthias Schmitz über eine mögliche Straßenumbenennung ins Gespräch gekommen, so Thomas Weckbecker. „Die Erinnerung wieder ins Dorf zu bringen, hat keine Unsummen gekostet, sondern nur ein bisschen Engagement gebraucht“, betont Thomas Weckbecker. Den finanziellen Anteil für beispielsweise die Gedenktafel habe die Kirchengemeinde getragen.
Der Wegabschnitt zwischen der „Münchhofer Straße“ und „Katharinenbach“ in Wahlscheid ist aktuell nicht mit einem Straßennamen versehen. Angedacht ist, den vorderen Teil des Wegs in Höhe der Münchhofer Straße 17 bis 19 bis zur Querung über den Hohner Bach umzubenennen. Dabei müssten ausschließlich die Adressen Münchhofer Straße 17 und 19 angepasst werden. An dem neuen Straßenschild soll eine kurze Information dazu angebracht werden, dass Maria Hohn ein Opfer der NS-Euthanasie war.
Warum weiß man gerade über die Schicksale von Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen in der NS-Zeit noch immer so wenig? „Ich glaube, weil das in einer Zeit passiert ist, in der insbesondere geistige Beeinträchtigungen so stigmatisiert waren, dass die betroffenen Menschen kaum öffentlich aufgetreten sind“, sagt Thomas Weckbecker.
