Die Machbarkeitsstudie für zwei möglichen Varianten liegt vor. Die Stadtverwaltung tendiert dazu, der Empfehlung der Gutachter zu folgen.
Kernsanierung oder Neubau?Wie es mit dem Kopernikus-Gymnasium in Niederkassel weitergeht

Das Dach des Kopernikus-Gymnasiums musste 2024 umfassend saniert werden.(Archivbild)
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Die Kosten könnten im dreistelligen Millionenbereich liegen: Um zwischen einer Kernsanierung des Kopernikus-Gymnasiums und einem Abriss mit Neubau auf dem angrenzenden Bürgerpark abzuwägen, haben die Niederkassler Ratsmitglieder im Februar vergangenen Jahres eine Machbarkeitsstudie beschlossen, die Ende 2025 in Auftrag gegeben wurde. Deren Ergebnis wurde jüngst im Ausschuss für Bauen und Verkehr vorgestellt und besprochen.
Peter Olschack und Sarah Pollov, Verter und Vetreterin des Kölner Büros BMP mit Schwerpunk Baumanagement, präsentierten die Ergebnisse ihres Gutachtens. Unterm Strich empfehlen die Experten, das Schulgebäude kernzusanieren. Bei ihren Ausführungen beriefen sie sich teils auf zurückliegende Gutachten. Die schlagenden Argumente für eine Kernsanierung sind laut Angaben der Gutachter Kosten und Nachhaltigkeit. Aus den Punkten Gebäudequalität, Terminbetrachtung und Riskoeinschätzung lasse sich jeweils keine klare Empfehlung ableiten.
Höhere Investitionskosten für Neubau
Rein wirtschaftlich betrachtet scheint das weitere Vorgehen eindeutig: Die Investitionskosten in den Neubaus wären voraussichtlich etwa 20 Prozent höher als für die Sanierung. Der Abriss mitsamt eines Neubaus würde nach Expertenschätzung etwa 107 Millionen Euro brutto beanspruchen.
Die Kosten für eine Kernsanierung, bei der das Grundgerüst des Gebäudes stehen bleiben könnte, wird auf rund 77 Millionen Euro brutto angesetzt. Damit liegen die Kosten um knapp 40,1 Millionen Euro höher als in der Haushaltsplanung 2025/26 veranschlagt. Das Problem: Unwägbarkeiten bei beiden Varianten erschweren die Planung.
Unabwägbarkeiten liegen im Keller
Ein zentraler Punkt angesichts der Kernsanierung ist der Tiefenkeller des Gymnasiums. Dieser musste inzwischen dreimal bei hohen Grundwasserständen geflutet werden. Mit diesen Maßnahmen sollen Schäden am Gebäude verhindert werden, da die Bodenplatte bei zu hoher Belastung einbrechen könnte. Der Keller steht laut dem Beigeordneten Stephan Smith mittlerweile leer und ist sanierungsbedürftig.

Das Kopernikus-Gymnasium im Niederkasseler Schulzentrum Nord ist in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig.
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Gemäß der Gutachter sind die Sanierungskosten auch davon abhängig, was weitere Untersuchungen im Tiefenkeller ergeben. Hierfür empfiehlt das Baubüro eine vertiefte Standsicherheitsuntersuchung durch einen Statiker. Die Risken seien schwer abzusehen, erläuterte Olschack im Ausschuss, beim Kostenvoranschlag habe man Mehrkosten aber berücksichtigt.
René Böhmer, Fachbereichsleiter Hochbau und Gebäudewirtschaft sagte, dass man im Rahmen der Keller-Untersuchung nicht mit einem K.o.-Kritierium rechne. Je nach Ergebnis könnte nach der Auswertung immer noch zum Plan Neubau gewechselt werden, so Böhmer weiter. Laut Dano Himmelrath, Fraktionsvorsitzender CDU, ist der Keller der Schule seit Jahren ein wunder Punkt: „Erst wenn der Tiefkeller safe ist, setzen wir darauf 77 Millionen.“
Boden für Neubau ist noch nicht überprüft worden
Für den Neubau ist der Boden unterhalb des Bürgerparks, der potenziellen Fläche für das neue Schulgebäude, eine Unwägbarkeit. Der Prüfung von BMP zufolge ist die Umsetzung baurechtlich unkritisch. Aber: Eine Baugrunduntersuchung fehlt an dieser Stelle für die Einschätzung der Bau-Experten. Würden etwa Schadstoffe im Boden gefunden werden, würde dies die Kostenplanung umwerfen.
Die Kernsanierung ist der Einschätzung von BMP zufolge die nachhaltigere Variante. Für einen Neubau müsste deutlich mehr „graue Energie“ aufgewendet werden, sprich die Energie, die für eine Sanierung nötig ist, fällt im Regelfall geringer als die Energie für einen gänzlich neuen Bau aus und belastet demnach die Umwelt weniger stark.
Gemäß der Bau-Experten entspräche das Gymnasium nach der Kernsanierung quasi einem Neubau – bis auf die Rohbaukonstruktion. Hieraus lasse sich keine Empfehlung ableiten. Auch die Vergaberisiken an Bauunternehmen seien für beide Varianten gleichwertig.
Kopernikus-Gymnasium wurde bereits mehrfach saniert
Bei dem Schulbau aus den 1970ern wurden wiederholt Mängel publik: Vergangenes Jahr musste die Aula etwa instandgesetzt werden, nachdem Wasser durch das Flachdach eingedrungen war. Unter der Decke befestigte Würfel, die mit Mineralwolle gefüllten waren, drohten herabzustürzen. In den Würfeln wurde Asbest verbaut. Diese Gefahrenlage veranlasste eine vorübergehende Sperrung des Schulteils.
Die veranschlagten Kosten für die Kernsanierung könnten nach Einschätzung der Gutachter auch sinken: Die Aula kann nach der Sanierung im Vorjahr eventuell stehen bleiben, auch die Sanierung der gesamten Dachfläche in 2024 könnte sich bezahlt machen. Bei den Kosten für den Neubau sind laut Experten hingegen keine Einsparpotenziale zu erkennen.
Baustart für beide Varianten ist voraussichtlich Anfang 2030
Die Terminbetrachtung fällt bei beiden Varianten ähnlich aus. Mit einem Baustart sei jeweils Anfang 2030 zu rechnen. Die Laufzeiten der Varianten sollen planmäßig fast deckungsgleich sein. Auch bei diesem Punkt geben die Gutachter die fehlende Baugrunduntersuchung beim Neubau und das Risiko „bauen im Bestand“ für die Sanierung zu bedenken.
In Bezug zum Baustart stellte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ralf Droske, die Frage, ob der Schulkörper überhaupt bis 2030 genutzt werden kann. René Böhmer antwortete: „In den letzten Jahren hatten wir nicht so viel Freude dabei, die Nutzung des Gymnasiums aufrecht zu erhalten.“ Um eventuelle Kosten zu decken, würde man bei der Entscheidung für die Kernsanierung aber weitere Mittel im Haushalt zurückstellen.
Übergangsweise Unterbringung und Medientrennung
Sollte die Kernsanierung umgesetzt werden, müsste die Schülerschaft anderweitig untergebracht werden. Aus einer Geräuschmessung aus dem Jahr 2024 geht hervor, dass die notwendigen Bauarbeiten den Schulbetrieb zu sehr stören würden. Nach Informationen des jüngsten Gutachtens kann zudem nicht die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen gewährleistet werden. Zudem wäre eine Abschaltung von Strom, Wasser und Heizung notwendig.
Im Jahr 2025 besuchten das Gymnasium nach Informationen der Stadtverwaltung 960 Schülerinnen und Schüler. In den geplanten 77 Millionen Euro sind bereits die Kosten für eine Unterbringung der derzeit 23 Klassenzimmer in Containern miteinberechnet.
Die Trennung von Strom, Wasser und Heizung stößt sowohl bei der Sanierung als auch beim Abriss des Gymnasiums weitere Schwierigkeiten an. „Die zentrale Wärmeerzeugung, hergestellt über zwei Gaskesselanlagen sowie einem Blockheizkraftwerk (BHKW), versorgen gegenwärtig auch die Kita, den Modulbau der Gesamtschule und die Dreifachsporthalle Nord“, steht in der Machbarkeitsstudie. Die Abschaltung beträfe demnach mehrere Gebäude.
Die Tendenz geht zur Kernsanierung
René Böhmer vermutet aktuell, dass die Entscheidung zwischen Kernsanierung und Neubau bis Ende 2027 beraten werden muss. Stephan Smith verwies darauf, dass man die Schulverwaltung natürlich einbeziehe. Böhmer sagte, dass man auch vor der endgültigen Entscheidung die Medientrennung und Untersuchung des Tiefenkellers weiter thematisiere. Mit weiteren Informationen sei bei der Ausschusssitzung im September zu rechnen. Derzeit tendiere die Verwaltung zur Kernsanierung.
