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Auf StreifeMit dem Presseteam der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis auf Nachtschicht

6 min
Die Pressestelle der Kreispolizei Rhein-Sieg nahm den Polizeireporter mit auf Streifenfahrt am Feitagabend.

Die Pressestelle der Kreispolizei Rhein-Sieg nahm den Polizeireporter mit auf Streifenfahrt am Feitagabend.

Der Autor begleitete Stefan Birk und Max Reese von der Pressestelle der Kreispolizei an einem Freitagabend im aktuellen Einsatzgeschehen.

Punkt 18 Uhr, die Sicherheitstüren der Polizeihauptwache an der Frankfurter Straße gleiten auf. Es geht gleich ins Innere der Wache. Polizeihauptkommissar Stefan Birk und Polizeioberkommissar Max Reese erwarten mich schon. „Hier ist eine schusssichere Unterziehweste und eine Überziehweste mit dem Aufdruck Polizei, falls wir in knifflige Einsatzsituationen kommen“, erklärt Birk. Seine Kolleginnen und Kollegen sollen ja wissen, dass der Reporter an diesem Abend dazugehört. Beides wird allerdings nicht notwendig an diesem Abend.

Birk ist der Leiter der Pressestelle, Reese einer seiner Mitarbeiter. Sie nehmen an diesem Freitagabend den langjährigen Polizeireporter dieser Zeitung mit auf Streife. Der Dienstgruppenleiter der Siegburger Wache, Stefan Meyer, lädt erstmal zu Kaffee und Wasser. Der Wachdienstführer kommt in den Aufenthaltsraum. „Wir haben einen VUP (Verkehrsunfall mit Personenschaden, d. Red.). Wollt ihr mit raus?“

Erste Unfallstelle ist nur wenige Meter von der Polizeiwache entfernt

Wir wollen. Es ist 18.08 Uhr. Die Unfallstelle ist nur wenige Meter entfernt von der Wache. Zwei Kolleginnen von der Spätschicht sind schon vor Ort und sprechen mit den Beteiligten. Die Situation ist ziemlich  eindeutig, ein Autofahrer ist auf ein stehendes Auto aufgefahren. Er hat sich dabei an der Hand verletzt, die Airbags seines Kleinwagens haben ausgelöst. Ein Rettungswagen kommt zu seiner Behandlung, später geht es ins Krankenhaus.

Ein Verkehrsunfall in der Nähe der Wache ist der erste Einsatz.

Ein Verkehrsunfall in der Nähe der Wache ist der erste Einsatz.

Für die beiden Beamtinnen bedeutet das jetzt viel Schreibarbeit, mit den Einsätzen vom Nachmittag haben sie damit bis Schichtende gegen 21 Uhr zu tun. Über Funk kommt eine Meldung, es gibt eine Bedrohungslage am Siegburger Brückberg. Birk meldet das Presseteam in den Einsatz. Er wie Reese merken, dass sie schon eine Weile runter sind von der Straße. Das beginnt schon damit, wie das Handfunkgerät an der Weste befestigt ist. Birk fragt eine der jungen Kolleginnen, die es ihm erklärt.

Kurz vor der Einfahrt in die Moltkestraße kommt ein zweiter Streifenwagen entgegen. An der gemeldeten Adresse ist es ruhig, der Anrufer steht auf der Straße. Ein Mann, der bei einem Nachbarn zu Besuch ist, habe ihm Schläge angedroht. Offenbar gibt es schon geraume Zeit Streitigkeiten, möglicherweise sind Alkohol und Drogen im Spiel. Auf der weitläufigen Wiese hinter den Genossenschaftshäusern ist es beinahe schon idyllisch an diesem warmen Sommertag.

Sie halten sich da jetzt raus.
Polizeihauptkommissar Stefan Birk bei einem Streit unter Nachbarn

Der Verdächtige sitzt gelassen mit nacktem Oberkörper vor dem Balkon der Wohnung, in der er übergangsweise bei einem Freund wohnt. Die Polizisten sprechen ihn an. Er schildert die Gesamtsituation natürlich anders; Katzenentführungen, Diebstähle kommen zur Sprache. Irgendwann machen ihm die Beamten klar, dass er Beschuldigter in einem Strafverfahren ist, er wird einsilbiger.

Eine Nachbarin aus einem Obergeschoss mischt sich ein. „Sie halten sich da jetzt raus“, von einer auf die andere Sekunde wird aus dem Pressesprecher der Streifenführer. Birk ist sehr deutlich, laut und klar im Ton. Die Gemengelage lässt darauf schließen, dass es wohl weiteren Streit geben wird, die Beteiligten aber wahrscheinlich auch bald wieder zusammensitzen und feiern. Immerhin, ein weiterer Einsatz an diesem Abend bleibt aus.

Notruf kann über Ortungsfunktion bis auf wenige Meter genau zurückverfolgt werden

Am Funk ist es ruhig, keine besonderen Anlässe aktuell. Wir fahren zurück zur Wache, um die Leitstelle zu besuchen. Birk hatte unterwegs vom OS Int erzählt. Das ist ein Regierungsangestellter, der in öffentlich zugänglichen Quellen online recherchiert, um die operativen Kräfte auf der Straße zu unterstützen. Was die Abkürzung bedeutet, können weder Reese noch Birk exakt beschreiben. „Irgendwas mit Open Source Intelligence“, versucht sich Reese. Wie nahe er dran ist, macht Günter Hand, der OS Int, klar. Genau das heißt es nämlich.

Die Polizeiwesten sind Pflicht für die Beamten.

Die Polizeiwesten sind Pflicht für die Beamten.

Der Erste Polizeihauptkommissar Markus Zimmer kommt dazu, er ist der heutige KvD, der Kriminalbeamte vom Dienst. Damit ist er der ranghöchste K-Mann im Dienst. Er zeigt das Einsatzleitsystem, auf dem jede Aktion seiner Kolleginnen und Kollegen draußen dokumentiert wird. „Und das hier ist unser neues Ortungssystem“, sagt er und zeigt auf einen der vielen Bildschirme. Wer den Notruf wählt und seine Ortungsfunktion aktiviert hat, kann bis auf wenige Meter genau geortet werden. Zimmer demonstriert das mit seinem Handy, das funktioniert selbst im Gebäude. Allerdings nur zweidimensional; auf welcher Etage das Gerät sich befindet, lässt sich nicht bestimmen.

Polizei zeigt Präsenz bei der Party der Siegburger Funken Blau-Weiß

In der Leitstelle arbeiten Männer wie Frauen. Auf ein Phänomen weist Birk hin: „Immer mehr Kinder von Kolleginnen und Kollegen kommen zu uns.“ Direkter Beweis: Eine der Leitstellendisponentinnen ist Tochter eines Wachleiters der Behörde. Sie macht gerade ihr letztes Praktikum, bevor sie am 1. September, so sie die Bachelorarbeit besteht, Polizeikommissarin wird.

Das Presseteam geht wieder auf Streifenfahrt. Am Mühlentorparkplatz ist Party der Siegburger Funken Blau-Weiß. Präsenz zeigen ist angesagt, der Präsident des Vereins sieht uns, er ist selbst Polizeibeamter der Behörde. Doch bevor er ein Wasser anbieten kann, kommt ein Einbruchsalarm herein, an einem Supermarkt in Neunkirchen-Seelscheid. Der Reporter navigiert, er kennt sich im Kreisgebiet besser aus als die Pressesprecher. Doch auf der Anfahrt heißt es schon: Fehlalarm.

Streife macht sich auf den Weg zu mutßmaßlichem Fall häuslicher Gewalt

Wir brechen ab, Präsenz zeigen auf der Birker Kirmes ist angesagt. Und wieder ein Polizist, dieses Mal pensioniert, winkt uns an den Pavillon der Veedelsfründe, wo er zapft. Werner Zuber hat, obwohl seit sieben Jahren im Ruhestand, immer noch Legendencharakter.

Die Fahrt geht nach Troisdorf-Altenrath. Plötzlich gibt es Aufregung im Funk. Ein Mann soll in Troisdorf seine Partnerin geschlagen und ins Auto gezerrt haben. Ein Streifenwagen hat die schwarze Limousine bereits aufgenommen und verfolgt sie. Ein weiterer kommt hinzu sowie eine Zivilstreife. „Max, mach hinne“, ruft Birk Reese am Steuer zu. Der schaltet Martinshorn und Blaulicht ein, zügig geht es über die Altenrather Straße durch die Wahner Heide. Reese zeigt, dass er noch nicht so lange raus ist aus dem Streifendienst.

Polizeiarbeit hat viel mit Warten und Netzwerken zu tun

Nach wenigen Minuten ist Schluss mit Sonder- und Wegerechten. „Eine Person fix“, kommt es aus dem Lautsprecher. „Die haben das Fahrzeug angehalten und den Fahrer herausgeholt“, erklärt Birk kurz. Dann erreichen wir die Einsatzstelle. Zwei Streifenwagen und die Zivilstreife haben den Wagen des Mannes, der rote Ampeln überfahren und Tempolimits missachtet hat, von drei Seiten umstellt. Ein Drogenvortest wird gemacht, eine Frau steht auf dem Bürgersteig. Der Sachverhalt muss jetzt aufgeklärt werden. Es war eine sogenannte Nacheile, bei einer Verfolgungsfahrt wären viel mehr Fahrzeuge alarmiert und eine andere Führungsstruktur aufgebaut worden, wie Reese ausführt.

Die vermeintliche Schussabgabe schwänzen wir, stattdessen besuchen wir die Wache in Sankt Augustin. Zeit für Gespräche. Neben Warten hat Polizeiarbeit viel mit Netzwerken zu tun. Auf dem Weg zur Troisdorf Wache kommt ein Brand in Sankt Augustin. Die Feuerwehr ist schon vor Ort, außer leichtem Rauch sei nichts festzustellen, wie Einsatzleiter Sascha Ziegenhals berichtet.

Um Mitternacht ist Schluss, auf dem Rückweg erreicht uns ein Notruf vom Bahnhof, eine mögliche Erpressung. „Das nehmen wir noch mit“, sagt Birk und gibt über Funk durch, dass wir die Lage statisch halten, da wir von dem angegebenen Gleis lediglich 200 Meter weg sind. Der Betroffene ist allein, bald darauf treffen die Kollegen ein und übernehmen. Schichtende ist um 0.10 Uhr. Der letzte Einsatz für den Polizeireporter.