Abo

Trotz PersonalmangelSo bringen Seniorenheime in Rhein-Sieg den Karneval zu ihren Bewohnern

4 min
Eine Frau mit weißen Haaren und silbernem Hut, von hinten, applaudiert

Unter anderem das evangelische Seniorenheim in Lohmar der Hennefer Helenenstift organisieren interne Karnevalssitzungen.

Seniorenheime aus Rhein-Sieg ermöglichen es auch den Ältesten, Karneval zu feiern - wenn auch etwas anders als früher.

Karneval bringt Leichtigkeit und Lebensfreude - auch für die ältesten der Gesellschaft. Seniorenheime aus der Region bemühen sich, die jecken Tage zu ihren Bewohnerinnen und Bewohnern zu bringen und auf etwas andere Art gemeinsam zu feiern.

„Unsere Karnevalssitzungen sind hier schon immer ein kleines Highlight im Jahr“, sagt Julia Funken, Leiterin des Sozialen Dienstes im evangelischen Seniorenheim in Lohmar-Ort. Von 78 Bewohnerinnen und Bewohnern kommen meist um die 60 zu den hausinternen Sitzungen. „Für viele Rheinländer ist Karneval ein wichtiges Thema, und gerade in höherem Alter ist es nicht allen noch möglich, an Veranstaltungen außerhalb teilzunehmen.“

Karnevalssitzung im Lohmarer Seniorenheim ist ein jährliches Highlight für die Bewohner

Eine kleine Gruppe aus dem Lohmarer Seniorenheim fahre jährlich zur Seniorensitzung in der Lohmarer Jabachhalle, für den Großteil sei das aber zu anstrengend. „Deswegen ist es wichtig, den Karneval auch zu den Leuten zu bringen.“ Da der Rosenmontagszug in Lohmar nah am Seniorenheim vorbeiführt, seien einige Bewohnerinnen und Bewohner motiviert, auch hier zuzuschauen.

Gerade in höherem Alter ist es nicht allen noch möglich, an Veranstaltungen außerhalb teilzunehmen.
Julia Funke, Lohmarer Seniorenheim

Die Karnevalssitzung, die das Lohmarer Seniorenheim organisiert, dauerte etwa zwei Stunden und begann um 18 Uhr. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner sei das durchaus schon etwas spät, aber die Sitzungen früher zu organisieren, sei schwierig: „Viele der auftretenden Gruppen können natürlich nicht so früh“, erläutert Julia Funken. „Bei Karnevalssitzungen halten die Seniorinnen und Senioren aber meistens ganz gut durch, auch wenn manche sich um 20 Uhr normalerweise schon schlafen legen.“ 

Die Karnevalssitzung im Hennefer Helenenstift beginnt um 15.11 Uhr, das Programm dauert bis 17.15 Uhr. „Früher hatten wir mal locker dreieinhalb Stunden Programm, aber das ist zu viel“, sagt Uwe Bäumer, Leiter des sozialen Dienstes. Durch den frühen Start möchte das Team des Hennefer Seniorenheims die normale Routine der Bewohnerinnen und Bewohner nicht durcheinanderbringen. „So kann es wie gewohnt um 18 Uhr nach der Sitzung Abendessen geben, nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen.“

Im Hennefer Helenenstift gehört das gemeinsame Feiern das ganze Jahr über zur Philosophie

Die frühen Zeiten werden für einige Tanzgarden zur Herausforderung, viele Kinder seien bis nachmittags in der Schule, berichtet Uwe Bäumer. „Die meisten Vereine bemühen sich aber, sich auf die Termine einzustellen und den Bewohnerinnen und Bewohnern so eine Freude zu bereiten.“ Die Karten für die Sitzung im Helenenstift seien meistens schnell weg, auch für externe Besucherinnen und Besucher gibt es eine begrenzte Anzahl.

Zum Beispiel in der Nachkriegszeit, das erzählen viele, hat der Karneval den Menschen Kraft und Zuversicht gegeben.
Uwe Bäumer, Helenenstift Hennef

Das gemeinsame Feiern sei dem Hennefer Seniorenheim generell wichtig, um die Gemeinschaft unter den Bewohnerinnen und Bewohnern zu stärken. „Das gehört zu unserer Philosophie, die sich bewährt hat: Wir feiern das ganze Jahr über verschiedene Feste“, sagt Uwe Bäumer. „Nur weil man im Altenheim sitzt, heißt das ja nicht, dass man auf den Tod wartet.“ Vor allem nach der Corona-Pandemie habe man die Bedeutung des gemeinsamen Feierns neu schätzen gelernt.

Der Karneval nehme für viele Bewohnerinnen und Bewohner eine besonders wichtige Rolle ein, da er mit emotionalen Erinnerungen verbunden sei. „Zum Beispiel in der Nachkriegszeit, das erzählen viele, hat der Karneval den Menschen Kraft und Zuversicht gegeben“, sagt Bäumer.

Personalmangel in der Pflege erschwert die Organisation der Sitzungen

Für die Bewohnerinnen und Bewohner, die oft keine eigene Karnevalsgarderobe mehr haben, stelle das Hennefer Seniorenheim bei seiner Sitzung einen Fundus an Hüten, Federboas und anderen Utensilien bereit. Früher haben noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Abteilungen, sei es Pflege, Küche oder Rezeption, eigene Beiträge zum Programm beigetragen. „Das ist heute anders, Stichwort Personalmangel in der Pflege“, sagt Uwe Bäumer. „Auch für solche Aktionen ist es wichtig, neue Mitarbeiter zu gewinnen, aber das ist natürlich schwierig.“ 

Auch Bewohnerinnen und Bewohner des Helenenstifts seien eingeladen, selbst auf den Situngen aufzutreten; in diesem Jahr gebe es eine Sitztanz-Gruppe, die sich vorab zum gemeinsamen Proben getroffen habe. Generell nehme man weniger Redebeiträge und mehr Musik und Tanz in das Programm auf, um beispielsweise Bewohnerinnen und Bewohner mit Demenz oder Hörproblemen nicht zu überfordern.

Uwe Bäumer betont, wie wichtig der Karneval als verbindendes Element im Seniorenheim sei, sowohl unter den Bewohnern als auch unter den Mitarbeitenden. „Wir haben Kolleginnen aus Japan und Venezuela, Bewohnerinnen und Bewohner türkischer und russischer Abstammung“, schildert Bäumer. „Die lassen sich alle mit dem Karnevalsvirus anstecken.“