Die Sieg steht weiterhin niedrig, die Wahnbachtalsperre ist zu zwei Dritteln gefüllt. Weshalb ein milder Winter schlimmer als ein heißer Sommer ist.
Anhaltende TrockenheitWie sich der Regen jetzt auf Sieg und Wahnbach auswirkt

Auch die Sieg, wie hier in Troisdorf-Bergheim, ist nach wie vor niedrig.
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Es regnet wieder – nach Monaten der Trockenheit. Das tut nicht nur der Rheinschifffahrt gut, sondern auch der Tier- und Pflanzenwelt an der Sieg. Denn die Pegel der Nebenflüsse des Rheins sind während der langen Dürre im Sommer weiterhin niedrig. Am Donnerstag war die Sieg in Eitorf gerade mal 23 Zentimeter flach.
Armin Nemitz ist leitender Biologe im Wanderfischprogramm der Wasserlauf-Stiftung für Gewässerschutz und Wanderfische mit Sitz in Siegburg. Als solcher kennt er sich auch mit dem natürlichen Lebensraum der Flusstiere aus. „Die Sieg entwässert ein Einzugsgebiet mit großen Grundwasserspeichern, das im Vergleich sehr niederschlagsreich ist. Dass die Sieg unter diesen Rahmenbedingungen einmal austrocknet, ist unwahrscheinlich – noch“, betont er.
Heute weniger Wasser in der Sieg als noch vor 15 Jahren
Schon seit mehr als 15 Jahren beobachteten die Wissenschaftler ein Abflussdefizit, also weniger Wasser in der Sieg als üblich. „Insbesondere, weil sie in der Zeit davor sehr abflussreich war“, sagt Nemitz.
Das habe Auswirkungen auf Fische und deren Beutetiere. „Im übrigen Wasser schwimmen dann mehr Fische, die eine größere Gefahr haben, selbst gefressen zu werden. Kälteliebende Arten leiden unter höheren Temperaturen und empfinden Stress, weil sich in wärmerem Wasser schlechter Sauerstoff bildet. Auch Arten, die im Flusskies laichen, sind betroffen, weil dieser öfter trocken fällt.“
Das gesamte Ökosystem sei durch niedrige Pegel betroffen: Schadstoffe, wie etwa Anfang Juli nach einem Ölunfall in Windeck, trieben in höherer Konzentration durch den Fluss. Auch Lebensraum gehe verloren. „Eine Gesamtbetrachtung der Auswirkungen würde den Rahmen sprengen. Allein über die Auen könnte man seitenweise referieren“, sagt Nemitz.
Abschnitte der Sieg sind trotz Ähnlichkeiten nicht pauschal vergleichbar
Allerdings könne man die Abschnitte der Sieg nicht pauschal miteinander vergleichen, wirft Steffen Steenken, Leiter der Biologischen Station in Eitorf, ein. „Bei Hennef geht der untere Mittellauf, der von Osten in den Rhein-Sieg-Kreis fließt, in den Unterlauf über. Das wird vor allem dadurch deutlich, dass die Sieg dort aus ihrem engen Tal heraus tritt“, sagt er. Auch der Gewässergrund ändere sich hier: „Im Mittellauf ist der Grund noch stark von grobem Material wie Steinen und Schotter geprägt, zur Mündung steigt der Kies-Anteil, was sich wieder auf die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft auswirkt.“
Der Eingriff des Menschen in den vergangenen Jahrhunderten sei immens gewesen, sodass sich zahlreiche Pflanzen dort angesiedelt hätten, die typischerweise nicht dort wüchsen. Ein positiver Aspekt sei jedoch die Ausbreitung des Bibers. „Sieg und Agger gelten bei uns mittlerweile als vollständig besiedelt und seit diesem Jahr beobachten wir, dass die Biber auch in die Nebenbäche einwandern und erste Dämme bauen.“ Gerade dort könnten sie durch die Umgestaltung der Bachläufe und die Anlage von Biberteichen dazu beitragen, Wasser länger in der Landschaft zu halten. „Das würde sich auch bei Niedrigwasserphasen positiv auswirken“, sagt Steenken.

Die weitere Ausbreitung des Bibers in Rhein-Sieg auch auf Nebenbäche könnte sich positiv auf die Wasserlandschaft auswirken. (Symbolbild)
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Nicht nur die Sieg als artenreicher Fluss wird durch die Trockenheit beeinträchtigt, auch der Wahnbach führte zuletzt weniger Wasser als sonst – doch gerade der ist für die Trinkwasserversorgung umso bedeutender, denn er speist die nach ihm benannte Talsperre. „Sie ist nach wie vor gut gefüllt, mittlerweile wieder zu zwei Dritteln. Das sind 27 Millionen Kubikmeter Wasser“, sagt Dirk Radermacher, Leiter der Abteilung Bau und Betrieb beim Wahnbachtalsperrenverband.
„Wir haben die Phase der langen Trockenheit natürlich aufmerksam beobachtet. Im Vergleich zu vergangenen Jahren war der Pegel um diese Zeit tatsächlich etwas niedriger, solche Jahre kommen aber häufiger vor.“ Um das auszugleichen, werde aus mehreren Brunnen in Sankt Augustin-Meindorf und am Siegbogen in Hennef Grundwasser gepumpt. „Das wird dann aufbereitet, bevor es als Trinkwasser an unsere Abnehmer geht.“

Die Wahnbachtalsperre ist wieder zu zwei Dritteln gefüllt. Wichtig ist, dass es im Winter viel regnet.
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Die Wahnbachtalsperre werde zu 80 Prozent durch den Wahnbach gespeist, der Rest stammt aus Niederschläge. Sorgen bereitet den Fachleuten aber eher ein trockener Winter als ein trockener Sommer. „Im Winter regnet es öfter, die Talsperre ist dazu da, dieses Wasser aufzufangen, wenn es gebraucht wird.
Im Sommer ist der Wasserverbrauch höher, weil mehr getrunken wird und die Leute zum Beispiel ihren Garten wässern. Da verdunstet mehr und die Pflanzen um die Talsperre herum benötigen das Wasser selbst – das alles ist ganz normal.“ Wenn es aber im Winter zu wenig regne, sammle sich zu wenig Wasser, was der Talsperrenverband wiederum durch Grundwasser ausgleichen muss.
„Der jetzige Regen bringt dem Pegel nicht viel. Aber wir sehen bereits jetzt, dass der Wasserverbrauch nach den heißen Tagen zurück geht, das entspannt die Situation.“ Die Entnahme aus der Talsperre werde in diesem Jahr voraussichtlich bei 46 Millionen Kubikmetern liegen. Das Rekordjahr in der Hinsicht sei 2020 gewesen, damals waren es 47,9 Millionen Kubikmeter. „Da gab es einen heißen Sommer und die Leute sind wegen Corona vielfach zu Hause geblieben.“ Die Trinkwasserversorgung ist also vorerst nicht gefährdet.
