Der Rheinpegel bei Bonn steuert auf einen Tiefstwert zu, der den Rekord von 2018 brechen könnte. Wie Fährbetreiber reagieren.
Zu wenig NiederschlagWas das Niedrigwasser in Rhein-Sieg für Fähren und Wasserversorgung bedeutet

Das aktuelle Niedrigwasser im Rhein bei Bonn und Rhein-Sieg nähert sich einem Allzeit-Tief.
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Die Sommer mit extrem niedrigen Wasserständen in der Region häufen sich in den vergangenen Jahren immer mehr. In diesem Jahr könnte der Juli der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen werden. Der Rheinpegel bei Köln könnte in den nächsten Tagen ein Allzeit-Tief von unter 70 Zentimetern erreichen.
Im Rhein rund um den Rhein-Sieg-Kreis ist der Pegel noch nicht ganz so stark gesunken. Am Donnerstagmorgen um 8 Uhr lag er laut der Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz an der Messstelle in Bonn bei 84 Zentimetern. Die Prognose zum Wochenende geht dann bis Samstag in Richtung 80 Zentimeter. Das wäre auch in Rhein-Sieg ein Rekord-Tief. Der niedrigste bekannte Wasserstand lag hier bei 81 Zentimetern am 22. Oktober 2018.
Wir haben in der Region nachgefragt, wie sich das Niedrigwasser im Fluss auf die Fähren auswirkt, wie die Dürre die Talsperre beeinflusst und wie es mit Wasserbewohnern aussieht.
Betreiber der Mondorfer Fähre machen sich keine Sorgen
Welche Auswirkung die Dürre und der niedrige Pegelstand des Rheins für die beiden Fährverbindungen von Niederkassel-Mondorf nach Bonn-Graurheindorf und von Königswinter nach Bonn-Bad Godesberg hat, lässt sich nach Angaben des Fährbetreibers Lux Werft nicht eindeutig beantworten. „Da wir immer wieder gefragt werden, ab welchem Pegel wir nicht mehr fahren können, hier die Antwort: Wir wissen es nicht“, teilt das Unternehmen auf der Facebook-Seite der Mondorfer Fähre mit.

Die Fähre in Niederkassel muss beim Rangieren bei Niedrigwasser auf starke Strömungen aufpassen. (Archivfoto)
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Ein sicherer Fährbetrieb sei nicht nur abhängig vom Pegelstand des Stromes. Entscheiden sei, dass die Klappen an Bug und Heck der Fähren noch sicher auf den Rampen abgelegt werden könnten. „Vor Jahren sind wir noch bei 80 Zentimeter Bonner Pegel gefahren, also lassen wir uns mal überraschen“, schreibt die Lux-Werft.
Noch hat Reiner Weisbarth keine Sorgen mit seiner Personenfähre Rheinschwan zwischen Wesseling und Niederkassel-Lülsdorf auf Grund zu laufen. Mitunter setzt er im aktuellen Fährbetrieb täglich bis zu 25-Mal über den Rhein. Weisbarth ist Inhaber des Schiffes. Regelmäßig steht er auch selber und trotz seiner 69 Jahre dort noch am Steuer.
Persönlich feiert er in diesem Jahr sogar schon sein 50. Dienstjubiläum. Mit 19 Jahren hat er bei seinem Vater auf dem Proviantschiff „Johannes“ als Matrose angeheuert, bevor er den Betrieb seines Vaters und Großvaters übernahm und weiterführte. Bis 2020 war er mit dem Fahrgastschiff „Anja“ auf dem Rhein unterwegs, die er 2020 nach Hamburg verkaufte. „Im kommenden Jahr bin ich mit dem Rheinschwan aber auch schon zehn Jahre unterwegs“, erklärt er.
Rheinschwan sollte auch bei 60 Zentimeter Pegel fahren können
Noch sehr genau erinnert er sich an das Jahr 2018, als der Rhein einen Wasserstand von 67 Zentimeter laut Kölner Pegel (KP) hatte. Ohne Probleme sei sein Rheinschwan damals mit diesem Niedrigwasser klargekommen. Seinen Erfahrungen und bisherigen Erkenntnissen zufolge müsste das Flachbauschiff aber auch noch mit weniger Wasser unter dem Kiel klarkommen – mit Wasserständen von 60 und 55 Zentimeter nach Kölner Pegel. „Doch solange ich zurückdenken kann war der Rhein noch nie so tief gesunken“, sagt Weisbarth.

Viele Personen nutzen die Fähre zwischen Weseling und Lülsdorf. Niedrigwasser ist dabei kaum ein Problem. Die Gangway wird allerdings steiler.
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„In Wesseling am Anlieger ist das Niedrigwasser gar kein Problem“, erklärt er. Dort werde lediglich der Weg über die Gangway mit fallendem Pegel steiler. In Lülsdorf müssten er und seine Mitarbeiter jedoch auch jetzt schon sehr genau in der Fahrrinne bleiben. „Das können wir auch“, ergänzt er. Dort könnten sich um die Anlege-Rampe schon mal Sandbänke bilden. Immer mal wieder hätten sich dort bei Niedrigwasser in der Vergangenheit auch Frachtschiffe festgefahren – zuletzt 2022.
Damals lief ein Tanker bei der Ausfahrt aus dem Hafen der nahen Raffinerie wegen des Niedrigwassers auf Grund. Zwar gelang es mit Hilfe der Wasserschutzpolizei das Schiff wieder freizudrehen. Doch dabei sei viel Kies im Anlegerbereich in Lülsdorf aufgetürmt worden, sodass der Fährbetrieb sogar vorübergehend seinen Betrieb einstellen musste. Für die Pendler und Ausflügler hofft Weisbarth jetzt, dass ihnen solch ein Ereignis in den kommenden Tagen bei weiterem Niedrigwasser erspart bleibt.
Talsperren
Probleme mit der Trinkwasserversorgung im Kreisgebiet dürfte es aufgrund der Dürre allerdings noch nicht geben. Der Füllstand des Stausees der Wahnbachtalsperre sank im Juli von 75 Prozent auf rund 72 Prozent, mit einem Stauinhalt von 29,35 Millionen Kubikmetern. (Stand 27. Juli), und ist damit eher unterdurchschnittlich im Vergleich zu den Vorjahren, aber nicht kritisch, betont Agnes Kujawa vom Wahnbachtalsperrenverband.
Mit den drei Wasserentnahmequellen in der Wahnbachtalsperre, in Sankt Augustin-Meindorf und im Hennefer Siegbogen, sei die Trinkwasserversorgung auch in langen Trockenphasen im Somme garantiert. Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Füllstand allerdings der niedrigste im Juli seit 2021, zeigt das Diagramm auf der Verbands-Webseite. „Erfahrungsgemäß steigen der Pegel und die Grundwasserstände mit den vermehrten Niederschlägen zwischen Herbst und Frühjahr wieder an,“ so Kujawa.

Blick auf die Wahnbachtalsperre mit einem Füllstand von rund 60 Prozent im vergangenen Jahr 2025. (Archivfoto)
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Das Wasserwerk der Stadt Bornheim bezieht den größten Teil seines Trinkwassers auch vom Wahnbachtalsperrenverband (WTV) und dem Wasserbeschaffungsverband Wesseling-Hersel (WBV). Aktuell haben beide Verbände der Stadt Bornheim keinerlei Störungen oder Einschränkungen der Wasserversorgung gemeldet.
„Die Bewertung der Wasserstände in Rhein, Grundwasser und Talsperre sowie mögliche Auswirkungen liegt in der Zuständigkeit der Vorlieferanten, da sie über die entsprechenden Fachdaten verfügen“, erklärt der Sprecher der Stadt Bornheim Rainer Schumann. Die Stadt stehe jedoch in engem und regelmäßigem Kontakt mit dem WTV und WBV. „Sollte einer der beiden Verbände eine bevorstehende Einschränkung der Wasserversorgung melden, wird die Bevölkerung umgehend informiert“, versprach Schumann.
Teiche bekommen weniger Wasser als sie bräuchten
Die Wasserpegel der Teiche im Nordwesten Siegburgs und im Lohmarer Wald hat der Fischereisachverständige Andreas Pilgram im Blick: Letztere haben nach seiner Beobachtung einen sehr niedrigen Wasserstands. „Jetzt ist alles zu zwei Dritteln leer, die Teiche bekommen weniger Wasser, als sie bräuchten.“ Von zwei Bächen hingen Teiche mit insgesamt 15 Hektar Oberfläche ab. „Zum Glück sind sie derzeit nicht mit Fischen besetzt.“
Kaum merklich gesunken sei indes der Wasserstand des Trerichsweihers im Nordwesten Siegburgs. Dort gibt es Pilgram zufolge aber andere Probleme: Auf den beiden Inseln im Weiher sei die größte Kormoran-Kolonie in Nordrhein-Westfalen heimisch, die durch ihren Kot einen permanenten Nährstoffeintrag verursachten.
Die Folge sei, bedingt durch Stickstoff und Phosphor, unter anderem ein hohes Algenwachstum und sehr viel Biomasse im Wasser. „Das sind schon extreme Wasserparameter“, so Pilgram. Im schlimmsten Fall könne der Trerichsweiher gar umkippen. Um das zu vermeiden, werde der Weiher maschinell belüftet und mit einem speziellen Mittel das Pflanzenwachstum unter Wasser begrenzt.
