Die Notfallambulanzen waren auch am Sonntag wieder am Limit. Malteser und Deutsches Rotes Kreuz unterstützte in Siegburg, Troisdorf und Eitorf.
Zu viele Hitze-PatientenKatastrophenschutz in Kliniken in Rhein-Sieg im Einsatz

Am Siegburger Helios-Krankenhaus wurde am Samstagnachmittag (27. Juni) der Katastrophenschutz unterstützend eingesetzt. Der Kommandowagen steht vor der Klinik.
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Der heißeste Juni mit Temperaturen um die 39 Grad zehrt an den Kräften. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser im Rhein-Sieg-Kreis kamen am Wochenende an ihre Grenzen. Zu viele Patientinnen und Patienten mussten wegen Symptomen behandelt werden, die durch die extreme Hitze und Schwüle verursacht wurden. Die meisten klagten über Kreislaufbeschwerden.
Am Samstagnachmittag (27. Juni) wurde schließlich der Katastrophenschutz alarmiert. Am Siegburger Helios-Krankenhaus wurden Einsatzkräfte des Malteser Hilfsdienstes eingesetzt, um in der Notfallambulanz das Klinikpersonal zu unterstützen.
Fünf Sanitäter des Malteser Hilfsdienstes wurden eingesetzt
Wie Kreisbrandmeister Stefan Gandelau auf Nachfrage bestätigte, seien am Samstag am Helios Klinikum fünf Sanitäter eingesetzt worden. Dabei habe die Klinik, wie auch alle anderen Krankenhäuser des Rhein-Sieg-Kreises, ihr Personal aufgrund der Hitzewelle schon erhöht. Mehr Pflegepersonal, Ärztinnen und Ärzte seien im Dienst.
Der hohen Zahl an Patientinnen und Patienten, die wegen der Hitze durch Rettungskräfte in die Klinik gebracht werden mussten oder selber bei der Notfallambulanz vorstellig geworden seien, habe das Klinikpersonal aber alleine nicht mehr gerecht werden können. Die Menschen kämen zuhauf mit Symptomen wie Kreislaufkollaps, Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit.
Ministerium gab am Samstagnachmittag grünes Licht für den Einsatz
Meteorologe Dr. Karsten Brandt, der den Rhein-Sieg-Kreis berät, hatte die Leitstelle vor extrem hohen Temperaturen um 40 Grad Celcius gewarnt, auch der Sonntag sei ein weiterer extrem heißer Tag. „Entsprechend wird sich die Einsatzlage bei großer Schwüle kaum verbessern. Vermutlich ist bis Montagmorgen mit zunehmender Erschöpfung der Bevölkerung und steigenden Innenraumtemperaturen mit noch höheren Einsatzzahlen zu rechnen“, so Brandt.

Das Thermometer an der Siegburger Engelbert Humperdinck Apotheke zeigte am Sonntagmittag 40,8 Grad Celsius.
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Am Siegburger Krankenhaus sollen nach Informationen dieser Zeitung bereits am Samstag Notfallpläne inkraft getreten sein, nach denen deutlich mehr Personal zur Versorgung der Hitze-Patienten aktiviert wurde. Dennoch benötigten offenbar so viele Menschen medizinische Betreuung, dass die Notfallambulanz am Limit war.
„Um 16 Uhr haben wir vom Ministerium die Freigabe bekommen, dass wir unsere Katastrophenschutzeinheiten hier im Kreisgebiet einsetzen können, ohne nachfragen zu müssen“, berichtet Gandelau. Normalerweise sind die Wege deutlich länger: Die Bezirksregierung in Köln muss den Katastrophenschutz für einen Einsatz anfordern.

Kreisbrandmeister Stefan Gandelau ließ nach der Entscheidung des Ministeriums umgehend die Krankenhäuser abfragen: Braucht ihr Hilfe? Die Antwort fast überall: Ja!
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„Wir haben uns sofort Gedanken gemacht, wie wir unterstützen können“, so der Kreisbrandmeister weiter. Die Krankenhäuser seien abtelefoniert worden, die Siegburger Klinik als stark frequentiertes Kreiskrankenhaus habe das Hilfsangebot gerne angenommen.
Auch in den Kliniken von Troisdorf und Eitorf unterstützte der Katastrophenschutz
Am Sonntag unterstützten die Malteser erneut mit fünf Kräften die Notaufnahme des Siegburger Krankenhauses. Das Deutsche Rote Kreuz aus Sankt Augustin sendete vier Kräfte in die Troisdorfer GFO-Kliniken, das DRK aus Windeck schickte vier Sanitäter ins St. Franziskus Krankenhaus nach Eitorf. Eingesetzt würden die Katastrophenschützer im Bereich der Aufnahme und um die Patienten mitzuversorgen, so Gandelau. Das Cura-Krankenhaus in Bad Honnef und die Kinderklinik in Sankt Augustin, wenngleich auch stark frequentiert, benötigten die Unterstützung nicht.
„Wir sind sehr gut aufgestellt“, lautete zunächst die Antwort von Dr. Jutta Schürmann, Chefärztin der zentralen Notaufnahme am Standort St. Josef in der Troisdorfer Innenstadt, als am Samstag der Rundruf mit dem Hilfsangebot kam. „Eine gute Idee“, freute man sich dennoch auch in Troisdorf über die Unterstützung und nahm sie dann am Sonntag gerne in Anspruch.
Aktuell seien die Unterstützer nicht in der Notaufnahme tätig, sondern auf den Stationen, berichtete auf Anfrage GFO-Sprecherin Eva Caroline Hensiek am Sonntag. „Da sind alle am Limit“, sagte sie. Die Hilfe sei sehr willkommen, so könnten sich Pflegende doch einmal eine kurze Pause nehmen, vielleicht in Ruhe etwas trinken. Über eine „sehr hervorragende Zusammenarbeit“ freute sich Chefärztin Jutta Schürmann, die den Einsatz in St. Josef koordinierte.
In der Leitstelle der Feuerwehr klingelte das Telefon in einer Tour
Besonders heftig war der Andrang am Freitag gewesen. „Deutlich mehr hitzebedingte Notfälle“, verzeichnete man in der Notaufnahme in St. Josef. Am Samstag hätten sich die Zahlen im Rahmen gehalten, berichtete Sprecherin Hensiek. Am Standort St. Josef in der Innenstadt unterhält der Klinikträger GFO die zentrale Notaufnahme; am Standort St. Johannes in Sieglar gibt es die neurologische Notaufnahme zum Beispiel für Schlaganfall-Patienten.
„Die Menge der Leute ist einfach zu viel. Das haben wir auch in der Leitstelle gemerkt“, berichtete der Kreisbrandmeister im Gespräch mit dieser Zeitung. Am Sonntag hätten sich die Zahlen der Anrufe im Gegensatz zu Freitag und Samstag zeitlich zwar etwas nach hinten verlagert. „Aber seit 11 Uhr haben wir alle Plätze belegt, es klingelt in einer Tour!“
Bereits am Freitag hatte in Erwartung vieler Patientinnen und Patienten schon der Rettungsdienst des Rhein-Sieg-Kreises wegen der extremen Hitzewelle die Zahl seiner Einsatzkräfte deutlich aufgestockt. Und auch am Samstag sei das Einsatzaufkommen bis in die Abendstunden deutlich höher gewesen als normalerweise, sagte Gandelau. Sein Appell an die Bevölkerung: „Die Regeln beachten! Viel trinken, sich nicht im Freien aufhalten, keinen Sport treiben, keine Radtouren unternehmen.“
Ob der Katastrophenschutz auch am Montag noch einmal greife, konnte Gandelau noch nicht sagen. Darüber wolle man noch beraten, je nachdem wie der Sonntag verlaufe. Man sei im Austausch mi den Kliniken, so Gandelau, der am Sonntagmorgen die drei Krankenhäuser abgefahren war, um den Einsatz der Kräfte und die Situation vor Ort zu sehen. „Wir sind vorbereitet, haben Personal zur Unterstützung da, wenn die Rettungswagen die Patienten bringen.“
