Die Kursleiterinnen fordern Geld für Leistungen rund um den Umzug, die Leitung des Bildungsträgers sagt: „Es gab dafür keinen Auftrag.“
Streit mit Dozentinnen um RechnungVHS Rhein-Sieg setzt Goldschmiedekurse aus

Seit vielen Jahren gab es Goldschmiedekurse an der VHS Rhein-Sieg in Siegburg. Nun wurden die Kurse vorerst ausgesetzt.
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„Lernen, was ich können will“, ist das Motto der Volkshochschule Rhein-Sieg. Dazu gehörte seit vielen Jahren auch das Goldschmieden. Bis vor wenigen Tagen: Nur einen Tag, bevor die Anmeldungen zum neuen Sommersemester beginnen sollten, informierte die Leitung des Bildungsträgers Teilnehmende darüber, dass die Kurse nicht stattfinden. Eine Entscheidung, die bei den Lehrenden wie bei den Lernenden auf harsche Kritik stößt.
Seit 1999 unterrichtete Gerburg Imhoff in der Werkstatt im Siegburger VHS-Studienhaus; seit 2015 war ihre Tochter Nora Luks mit an Bord. 25 Kurse jährlich hätten sie angeboten, berichtet Luks, 200 Personen angeleitet. „Alle Kurse waren nach einer Stunde ausgebucht“, es hätten sich Interessierte eigens Urlaub genommen, um beim Anmeldestart nicht zu spät zu kommen. Einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer seien seit Jahrzehnten dabei, so Luks. Denen fehle nun ein persönlich ganz wichtiger Termin.
Ursprung des Zerwürfnisses liegt im Spätsommer 2025

Nora Luks ist empört über die Streichung der Kurse, die sie und ihre Mutter seit vielen Jahren geleitet haben.
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Seinen Ursprung hat das Zerwürfnis offenbar im Spätsommer 2025: Nachdem Imhoff und Luks, wie die Tochter berichtet, 2022 den Umzug der Goldschmiedewerkstatt aus dem Studienhaus in das Interimsquartier am Neuenhof mit organisiert und realisiert hatten, machten sie das, unterstützt von Mitgliedern der Familie, auch für den Weg zurück ins nunmehr sanierte Studienhaus, wo die Goldschmiedewerkstatt in der ehemaligen Cafeteria Platz findet. Ihre Rechnung dafür habe die VHS aber – anders als die für den Hinweg – nicht bezahlen wollen, so Luks.

Zum Jahresbeginn 2023 war die Volkshochschule Rhein-Sieg unter der Leitung von Holger Hansen in das Interimsquartier am Neuenhof umgezogen
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„Die Realität stellt sich für uns ganz anders dar“, sagte auf Anfrage Holger Hansen, der Leiter der Volkshochschule Rhein-Sieg. Und Verwaltungsleiterin Nadine Bork ergänzt: Sie habe Luks und Imhoff klar gemacht, „dass wir keine Umzugsleistungen bezahlen können“. Vielmehr habe die Stadt Siegburg sowohl den Umzug der Volkshochschule 2022 ins Interimsquartier am Neuenhof als auch den Transport zurück übernommen.
„Kulanterweise“, so Hansen, habe der frühere Verwaltungsleiter damals einen Betrag an die Kursleiterinnen bezahlt, der aber „in keinem Verhältnis" zu der Rechnung stehe, die nun vorgelegt worden sei. Die Rede sei vom Zehnfachen, „ein niedriger fünfstelliger Betrag“. Eine Summe, so Nadine Bork, „über die wir als Zweckverband gar nicht verfügen können“; unter Umständen sei für eine solche Ausgabe sogar ein politischer Gremienbeschluss nötig.
VHS-Leitung in Siegburg weist Kritik zurück
Dass sie während der Einrichtung des neuen Werkstattraums in der ehemaligen Cafeteria mit Luks und Imhoff gesprochen habe, bestätigt Nadine Bork. Aber „warum sollte ich sie stoppen, wenn die Kursleitenden sagen, dass sie diesen Raum selbst organisieren?“ Auch er habe mit Nora Luks und ihren Angehörigen gesprochen, sagt Holger Hansen. „Das ließ aber die Dimension nicht annähernd vermuten“, so der VHS-Leiter mit Blick auf die später zugeschickte Rechnung.
Adressat vieler Beschwerdemails ist auch Bürgermeister Stefan Rosemann. Die Absender vermuteten, „dass der Bürgermeister da etwas tun kann“, sagte Rosemann dieser Zeitung. „Das ist nicht der Fall.“ Auch als Vorsteher der Verbandsversammlung, zu dem ihn die 61 Mitglieder im Dezember wählten, sei er lediglich dienstrechtlicher Vorgesetzter. „Wo kämen wir hin“, fragte er im Gespräch, „wenn ich als Bürgermeister anfinge, Einfluss auf die Programmgestaltung zu nehmen.“ In der getroffenen Entscheidung könne er keinen Verstoß gegen die Satzung des Zweckverbands sehen.
Wir sehen die Basis einer konstruktiven Zusammenarbeit nicht
„Wir sehen die Basis einer konstruktiven Zusammenarbeit nicht“, führte Holger Hansen aus, er sehe „keine andere Handlungsoption in der Situation.“ Es habe nach der Zusendung der Rechnung noch ein Gespräch mit den beiden Kursleitenden gegeben; auf ein Protokoll, in dem diese noch einmal die Zahlungspflicht der VHS betont hätten, habe die VHS eine lange Stellungnahme geschickt. „Und darauf kam das Anwaltsschreiben.“
Es handle sich um keine Entlassung, betonten die beiden Leitenden der Volkshochschule. Alle Lehrkräfte der VHS arbeiteten freiberuflich auf der Basis von Lehraufträgen. Bereits eingegangene vertragliche Verpflichtungen würden erfüllt: Zwei Emaillekurse bei Gerburg Imhoff. „Neue Lehraufträge erteilen wir nicht“, stellt Hansen klar; die Goldschmiedekurse seien „ausgesetzt, bis wir geklärt haben, ob und wie eine konstruktive Zusammenarbeit möglich ist."
Entschieden wies Holger Hansen die Schilderung zurück, die Teilnehmenden hätten vor Nora Luks und ihrer Mutter von der Streichung der Kurse erfahren. „Das stimmt nicht“, sagte Hansen. „Wir haben vorab informiert, dass wir die Lehraufträge nicht erteilen.“ Erst danach habe sich die Volkshochschule an die früheren Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kurse gewandt. Männer und Frauen, die nun auf ein teilweise schon lange ausgeübtes und liebgewonnenes Hobby vorerst verzichten müssen.

