Abo

„Auf der sicheren Seite“Siegburger Schulleiter sieht Distanzunterricht als richtige Entscheidung

4 min
Ein Streufahrzeug im Einsatz. (Archivbild)

Ein Streufahrzeug im Einsatz. (Archivbild)

Es gab wenig Glatteis und kein Verkehrschaos im Kreis. Die Schulen blieben trotzdem zu. Richtig so, finden Schulleiter und Meteorologe Karsten Brandt.

Das große Chaos ist ausgeblieben auf den Straßen. Nach dem Wochenende blieben die Schulen dennoch geschlossen. Das NRW-Schulministerium hatte am Sonntagnachmittag aufgrund einer amtlichen, bundesweiten Warnung des Deutschen Wetterdienstes vor gefrierendem Regen an allen Schulen des Landes Distanzunterricht angeordnet. 

Das hatte vor allem Sicherheitsgründe. Kritik an der Entscheidung wurde dennoch schnell laut, die Warnungen wurden teilweise als übertrieben bezeichnet. Aus Kreisen der Feuerwehren gab es vorsichtige Kritik an der Vielzahl von Warnungen, die herausgegeben würden, im Sommer wie im Winter. Es herrsche eine Inflation von Meldungen, und es werde zu viel gewarnt. Die Gefahr bestehe, dass, wenn dann ein Ereignis wirklich eintrete, die Bevölkerung nicht mehr sensibilisiert genug sei, weil sich der Effekt abnutze.

Tatsächlich blieben auch im Rhein-Sieg-Kreis flächendeckendes Glatteis und Verkehrschaos aus. Hätte man die Schülerinnen und Schüler also vielleicht doch zur Schule schicken können? Konnten die Schulen die Anweisung des Ministeriums, so kurzfristig sie kam, überhaupt gut umsetzen?

Schulleiter des Anno-Gymnasiums fand Schulschließungen richtig

„Definitiv ja“, antwortet Sebastian Kaas, Schulleiter des Siegburger Anno-Gymnasiums, „wir waren vorgewarnt.“ In der Woche zuvor habe es bereits eine Benachrichtigung des Schulministeriums gegeben, dass man am Wochenende über den Distanzunterricht abschließend entscheiden wolle. „Aus meiner Sicht war das die richtige Entscheidung.“ Vor seiner Haustür in Siegburg-Stallberg sei es um 7 Uhr spiegelglatt gewesen, zu einer Zeit also, zu der sich viele Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte schon auf den Weg machen müssten. Erst ab 8 Uhr hätten sich seiner Beobachtung nach erste Autos vorsichtig in Bewegung gesetzt.

Schulleiter Sebastian Kaas bei einer Podiumsdiskussion im Anno-Gymnasium.

Schulleiter Sebastian Kaas bei einer Podiumsdiskussion im Anno-Gymnasium.

„Ich bin generell ein Freund davon, der Schule größtmögliche Sicherheit zu geben“, betont Kaas. Zu bedenken sei auch, dass es dabei nicht nur um Autostraßen gehe, sondern auch um Rad- und Fußwege, auf denen viele zum Unterricht gingen oder führen. Zudem kämen viele Schülerinnen und Schüler aus den Höhenorten an die Siegburger Zeithstraße.

Erfahrungen aus ähnlichen Wetterlagen und der Coronazeit

Der Distanzunterricht für die 1050 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten ist nach Darstellung von Kaas reibungslos vonstattengegangen. „Unsere Lehrkräfte sind Profis und erfahren.“ Beschwerden von Eltern über den Distanzunterricht habe es nicht gegeben.

Am Anno-Gymnasium könne man dazu auf Erfahrungen aus ähnlichen Wetterlagen und aus der Coronazeit zurückgreifen. Gängig sei, Aufgaben zu stellen, während Lehrerinnen und Lehrer online erreichbar seien. Möglich sei auch, Videokonferenzen mit einer ganzen Klasse einzuberufen, was sich aber schwierig gestalten könne, wenn die Internetkapazitäten im jeweiligen Zuhause nicht ausreichten. Für welche Unterrichtsform sich die Kolleginnen und Kollegen letztlich entschieden, sei auch „Teil der pädagogischen Freiheit“.

Meteorologe hält eindringliche Wetterwarnungen für notwendig

Meteorologe Karsten Brandt betont, dass eine ernsthafte Wetterwarnung wie die vom Wochenende immer zwei Seiten habe. Natürlich könne die Wetterlage auch noch anders ausfallen als prognostiziert. Dennoch halte er es für richtig, dass so eindringlich gewarnt worden sei und die Schulen geschlossen geblieben seien, sagte er im Gespräch mit der Redaktion.

„Ich habe sehr viele Rückmeldungen zu den Wetterwarnungen bekommen“, berichtet Karsten Brandt. „Der Tenor war vor allem, dass man früher ja auch nicht so großes Aufhebens um Schnee und Eis gemacht habe.“ Man sei ja früher auch damit klargekommen, das sei alles nicht so tragisch gewesen. Für so eine Sichtweise habe er kein Verständnis. 

„Ich muss ganz ehrlich sagen, den ständigen Vergleich ‚Früher war das anders‘ kann ich nicht mehr ertragen. Wir leben nun mal im Jahr 2026 und nicht mehr in den 80ern.“ Es gebe heutzutage, bedingt durch den Klimawandel, einfach nicht mehr so viele Schnee- und Eislagen wie damals. „Das heißt auch, dass die Leute nicht mehr so sehr daran gewöhnt sind. Und dementsprechend muss man halt auch deutlicher warnen“, betont der Meteorologe.

Man könne natürlich immer hinterher sagen, es sei nichts gewesen, es sei nichts passiert. „Klar, und warum? Weil auch viel gewarnt worden ist. Wenn die Schulen aufgeblieben wären, und es wäre ein Schulbus irgendwo weggerutscht, dann wäre das Geschrei groß gewesen.“ Er verstehe es, wenn manche Leute sagten, die Schärfe der Wetterwarnung und ihre Allgegenwärtigkeit in Berichterstattungen und sozialen Medien sei vielleicht etwas übertrieben. „Aber so sind wir auf der sicheren Seite. Und das ist es, worum es geht.“